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Mit Decken und Proviant haben es sich die Besucher des Wanderkinos auf der PUC-Wiese gemütlich gemacht. Zur Vorführung der 16mm-Filme braucht es nicht viel: nur ein einfaches Gerät, die Geräusche und die musikalische Untermalung der Szenen machen Tobias Rank und Gunthard Stephan mit Piano und Violine. Gezeigt werden Klassiker der Stummfilmzeit wie Dick und Doof. Tilde Gruber-Melchers (Bild unten r.) und ihr Mann sind begeistert. Sie sind mit der Gymnastikgruppe des FC Puchheims gekommen.

Auf der Puc-Wiese

Stummfilme unter freiem Himmel

Kein Dolby Digital Surround Sound und auch keine Farbe – aber trotzdem ein ganz besonderes Open-Air-Erlebnis: Ein Wanderkino war auf der Wiese beim PUC zu Gast – und holte die Zeit zurück, als die Bilder laufen lernten und Musik die Streifen untermalte.

Puchheim – „So etwas ist Filmgeschichte“, sagtTilde Gruber-Melchers über Stummfilme.Geboren in den 1930er-Jahren kann sich die Puchheimerin noch gut an Filme in schwarz-weiß erinnern, allerdings hatten die schon Ton. Es sei aber faszinierend, sich daran zu erinnern, welchen Anfang bewegte Bilder genommen haben. Das sei ihr wichtiger als Buster Keaton, Stan Laurel oder Oliver Hardy und ihre Filme aus den 1920er-Jahren, die das Wanderkino von Tobias Rank und Gunthard Stephan an diesem lauen Samstagabend zeigt.

„Es ist auch das Ereignis an sich“, stimmt Carlo Melchers seiner Frau zu. „Hauptsache, es ist was los in der Stadt“, sagen beide. Eine Begeisterung, die angesteckt hat. Mit den beiden ist gleich eine ganze Gymnastikgruppe des FC Puchheim mit auf die Wiese neben dem Kulturzentrum gekommen – und hat eine Menge gute Laune nebst Prosecco und Knabberzeug mitgebracht. „Open Air ist ein Ereignis, und wir machen es uns auch zum Ereignis“, betont Gruber-Melchers.

Das ist ganz im Sinne von Michael Kaller, dem Leiter des PUC und großer Fan von Buster Keaton. „Früher sind solche Wanderkinos auch in die Orte gekommen.“ Die bewegten Bilder hätten die Menschen damals fasziniert, schließlich waren sie etwas ganz Neues. Das Kino sei ein Gemeinschaftserlebnis gewesen. Wie auf der PUC-Wiese, wo gut 100 Filmbegeisterte aus allen Altersgruppen zusammengekommen sind. Auf Decken und mitgebrachten Stühlen haben sie es sich gemütlich gemacht

Auch Dennis Bäumler wartet gespannt auf den Beginn der Vorführung. „Ich mag Open-Air-Veranstaltungen, egal ob Konzerte oder Kino“, erzählt der 32-Jährige. Neugierig gemacht habe ihn freilich auch sein Großvater, der ein großer Fan von Stan Laurel und Oliver Hardy sei, dem US-amerikanischen Komikerduo, das unter den Namen Dick und Doof bekannt war. Die beiden Filmstars hätten den Sprung vom Stumm- zum Tonfilm ganz gut geschafft, meint der Puchheimer. „Ich bin mit moderner Filmtechnik aufgewachsen“, sagt er. Aber hier könne man sehen, wie alles seinen Anfang genommen habe.

„Stummfilm ist in einer Zeit mit vielen hektischen Bildern und Tönen eine Art Entschleunigen“, betonen Tobias Rank und Gunthard Stephan, die die Filme mit Piano und Violine akustisch begleiten. Die Handlung der Filme wie „Das Zerlegen von Kraftwagen“ oder „Sherlock jr.“ haben zwar auch Action, leben von Slapstick. „Man muss sich aber auf die Handlung konzentrieren und wird nicht von Dialogen gestört“, erklären die beiden gelernten Musiker, die ihr Wanderkino heuer bei 84 Terminen in der ganzen Republik präsentieren.

Die musikalische Begleitung der beiden fasziniert. Mit zunehmender Dauer haben die Besucher mehr und mehr das Gefühl, die Musik gehöre zum Film. „Es war auch ein Konzerterlebnis“, sagt Tilde Gruber-Melchers am Ende begeistert. Und auch ihr Mann ist zufrieden. Allein deswegen hätte sich das Kommen gelohnt.

Um das zu erreichen, bedarf es freilich sorgfältiger Vorbereitung. „Wir müssen die Filme schon genau kennen, ihren Handlungsstrang und die besonderen Szenen“, erklärt Stephan. Die eigene Stimmung komme dann immer noch dazu, wenn die Filme aufgeführt werden. „Es klingt an keinem Abend gleich“, betont Stephan. Wanderkino sei Bewegung, sagt er. Man könne es auch als Spaß am Kopfkino bezeichnen. (hk)

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