Verhandlung am Amtsgericht

Und plötzlich war die Tochter weg

 Von Schuldeinsicht und Reue war bei einer Mutter (38) aus Puchheim, die auf der Anklagebank des Amtsgerichts Bruck saß, keine Spur. 

Puchheim – Im November vergangenen Jahres hatte sie ihre Tochter (7) in ihre weißrussische Heimat gebracht – ohne den sorgeberechtigten Vater des Mädchens darüber zu informieren. Die Frau muss nun 900 Euro Strafe zahlen.

Zum Zeitpunkt der Reise tobte zwischen Mutter und Vater ein Streit um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Als die Eltern Anfang Dezember zu den Sorgerechtsverhandlungen erschienen, ging die Richterin davon aus, dass das Mädchen in Puchheim war – das war allerdings ein Irrglaube. Bei der Verhandlung bekamen beide Eltern damals das Sorgerecht. Dem Vater, der in Deutschland lebt, wurde ein 14-tägiges Umgangsrecht zugesprochen und der 38-Jährigen wurde der Pass des Mädchens abgenommen. So sollte verhindert werden, dass sie das Kind außer Landes bringt.

Als der Vater seine Tochter wenige Tage später besuchen wollte, fiel er allerdings aus allen Wolken, denn das Mädchen war längst in Weißrussland. Als Strafrichter Johann Steigmayer die Mutter fragte, ob sie den Vater über die Fahrt informiert hatte, wich sie immer wieder aus. „Wir haben damals nicht miteinander geredet. Er hat oft gesagt „Mach was du willst“, sagte sie. Zudem habe sie ihm davon berichtet, dass sie mit dem Kind nach Weißrussland ausreisen wolle. Und der Vater habe ihr das 2009 erlaubt, berichtete die 38-Jährige.

In der Vergangenheit habe sie außerdem immer wieder mit ihrer Tochter im Ausland gelebt. Nach ihrer Aussage haben die beiden allein vergangenes Jahr 22 Wochen auf der portugiesischen Insel Madeira verbracht. Dort ist das Mädchen auch zur Schule gegangen.

Schließlich drehte die Mutter den Spieß um und machte dem Vater Vorwürfe. Erst im März habe er seine Tochter in Weißrussland besucht. Sie fragte ihn, warum er nicht früher gekommen sei, wenn er so in Sorge um seine Tochter gewesen sei. Davon habe ihm die Deutsche Botschaft in der weißrussischen Hauptstadt Minsk dringend abgeraten, sagte der Mann. Das Land sei, wie er betonte, die letzte Diktatur Europas. Das kleinste Fehlverhalten in dem Land hätte für ihn dramatische Folgen haben können. Erst im März hab er sich getraut, trotz Warnung sein Kind zu besuchen.

Am Ende wurde die Mutter, die von Hartz IV lebt, zu 90 Tagessätzen à zehn Euro verurteilt. Angesichts der vielen Auslandsaufenthalte mit ihrer Tochter ermahnte der Richter sie. Mal Madeira, mal Puchheim, das sei zu viel für das Mädchen, sagte Steigmayer. „Das Kind hat keine Insel, wo es zur Ruhe kommen kann.“  (sus)

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