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Die Linde ist Gegenstand eines Rechtsstreits. 

Puchheim

Wegen zu viel Laub aus grüner Oase: Nachbarn ziehen gegen Linde vor Gericht

„Tatort Garten“ hieß eine Fotoausstellung des Bund Naturschutz (BN), die im vergangenen Jahr die Tristesse mancher gekiester oder gepflasterter privater Grünflächen zeigen wollte. Jetzt ist ein Fall aus Puchheim tatsächlich bis ans Amtsgericht vorgedrungen – allerdings nicht wegen zu wenig, sondern zuviel Grün im Garten.

 Puchheim - Wegen des Laubs eines Baums bei den Nachbarn klagte ein älteres Ehepaar aus der Sandbergstraße auf Beseitigung der Blätter auf ihrem Grundstück, ersatzweise die Kostenübernahme. Eine Richterin sah sich die Gegebenheiten vor Ort an und formuliert dem Vernehmen nach einen Vergleichsvorschlag.

Eine der letzten Grün-Oasen

Das Linden-Grundstück mit 2000 Quadratmeter Fläche ist eine der letzten grünen Oasen in einer Gegend, in der zuletzt immer mehr lukrativere Doppelhaus-Hälften und andere Neubauten entstanden. Die Linde selbst dürfte 70 bis 90 Jahre alt sein, ihre beiden Stämme haben nach Schätzung der Bewohnerin und Mieterin einen Umfang von 130 Zentimetern. Ein dritter Stamm war schon vor Jahren auf Drängen der Nachbarn gefällt worden. Immer noch ragt die Krone aber über den Gartenzaun und immer noch verliert der Baum im Herbst sein Laub. Der örtliche BN hatte die Eigentümerin zusammen mit zwei anderen Grundstücksbesitzern in Puchheim heuer als vorbildliche Baumbesitzer ausgezeichnet. Die Ehrung soll nicht zuletzt Mut machen, ein großes Gewächs auch leben zu lassen, wenn es Nachbarn ein Dorn im Auge ist.

Rechtslage unübersichtlich

Die Rechtslage ist nach Ansicht des BN unübersichtlich. Zwar seien auch hohe und Schatten werfende Nachbarbäume grundsätzlich zu dulden, außer sie stellten eine Gefahr oder eine ernsthafte Behinderung dar. Auch fallende Blätter (oder Nadeln) seien kein Grund, Abhilfe zu verlangen. Allerdings weiß man bei dem Verband von unterschiedlichsten Urteilen, falls es zum Rechtsstreit kommt. In der Regel werde je nach Einzelfall entschieden.

Rückschnitt

Angeblich soll die Richterin nach dem Augenschein einen Rückschnitt der Linde zur Schlichtung vorgeschlagen haben. Die klagenden Nachbarn wollten sich gegenüber dem Tagblatt nicht zu dem Sachverhalt äußern. Die Mieterin des Linden-Grundstücks, eine Landschaftsökologin und Umweltpädagogin, glaubt, dass der Baum durch eine solche Amputation ernsthaft geschädigt werden könnte.

Beklagt ist aber die heute in Niederbayern lebenden Eigentümerin, die schon etwas resigniert klingt. Sie stelle der Allgemeinheit mit den Bäumen Natur zur Verfügung, einen Lebensraum für Tiere, Schadstofffilterung und Sauerstoff-Produktion, und werde dafür mit einem nervenaufreibenden Rechsstreit belohnt. „Wenn ich meinen Fall nehme, kann ich es den Leuten nicht verdenken, dass sie ihren Garten nur noch pflastern.“ (Olf Paschen)

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