1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Puchheim

Rätsel rund um Puchheims Straßen - Die Lösungen liefert das neue Buch des ehemaligen Stadtarchivars

Erstellt:

Kommentare

Ganz schön was los: Blick von der Lochhauser Straße in Richtung Allinger Straße vor 46 Jahren. Den beschrankten Bahnübergang gibt es seit 1986 nicht mehr.
Ganz schön was los: Blick von der Lochhauser Straße in Richtung Allinger Straße vor 46 Jahren. Den beschrankten Bahnübergang gibt es seit 1986 nicht mehr. © Stadt Puchheim

Was hat der Gerner Platz mit dem gleichnamigen Münchner Stadtteil zu tun? Warum kommt man auf dem Schulweg nicht zur Schule und wieso führt die Olchinger Straße nach Eichenau?

Puchheim – Wer an solchen Fragen interessiert ist, kann sich mit dem neuen Büchlein „Puchheimer Straßennamen von A bis Z“ kundig machen. Die insgesamt 167 Straßen und Wege (und drei Plätze) vom Äckerweg bis zur Zweigstraße hat der frühere Stadtarchivar Werner Dreher auf 140 reich illustrierten Seiten vorgestellt und – wenn es etwas zu erzählen gab – mit historischem Hintergrund angereichert. Herausgekommen ist eigentlich ein kleines Geschichtsbüchlein.

Der ältesteVerkehrsweg

Wann genau die ersten Straßennamen entstanden und die Post nicht nur an Hausnummern zugestellt wurde, ist ungewiss. Einige Straßen (Dorf- oder Hügelstraße) im heutigen Puchheim-Ort könnten schon lange von den Einheimischen so genannt worden sein, bevor sie von der Gemeinde ihren Namen bekamen. Der älteste Verkehrsweg ist mit großer Sicherheit die Augsburger Straße, die es wohl schon gegeben hat, bevor „Buoheim“ in den ersten Quellen auftaucht. Ob sie römischen Ursprungs ist, schon die Kelten hier unterwegs waren oder sie erst mit dem mittelalterlichen Salzhandel Bedeutung bekam, weiß man nicht.

Die jüngste Puchheimer Straße dagegen ist auch eine der kürzesten. Seit 2012 trägt die Zufahrt zum Golfplatz sinnigerweise den Namen „Am Golfplatz“. Aber auch das längste Wegstück auf städtischer Flur ist nicht etwa eine der historischen Ortsverbindungen (Allinger/Lochhauser Straße) sondern die Kreisstraße mit dem anheimelnden Namen „FFB 11 neu“. Da es aber keine Anlieger gibt, muss sich niemand für eine solche Adresse schämen.

Die ältesten im Archiv überlieferten Benennungen stammen von 1933, als unter anderen die Blumenstraße ihren Namen bekam. Aber erst fünf Jahre später wurden durch „Entscheidung des Bürgermeisters“ (Georg Schiessl) rund zwei Dutzend Straßen auf einmal getauft – meist nach Flurnamen und weiteren botanischen Begriffen. Nicht überdauert hat die Widmung von 1933 für einen damaligen Ehrenbürger der Gemeinde: Die „Adolf-Hitler-Straße“ heißt seit 1945 wieder Lochhauser Straße. Eines der vielen historischen Fotos zeigt sie übrigens als überschwemmten schmalen Weg mit nur einzelnen Häusern am Rand. 1957 wurde sie als erste Puchheimer Straße asphaltiert.

Ein knappes Drittel der Namen bezieht sich auf größtenteils männliche Personen der Zeitgeschichte: Dichter, Komponisten und Maler, in den späteren Gewerbegebieten auch Erfinder, Industrielle und Wissenschaftler. Vor allem in neu entstehenden Wohnsiedlungen wurden die Erschließungswege meist nach zusammenhängenden Sachbegriffen benannt: Berge, Fische, Pflanzen und – wo es genau vier brauchte – auch die Jahreszeiten.

Auch Bürger machtenVorschläge

Alte Flurnamen wurden in rund 30 Fällen vergeben. Ganz gelegentlich kamen auch Vorschläge aus der Bürgerschaft, die aber vom Gemeinderat kaum berücksichtigt wurden. Dass Städte und Gemeinden damals wie heute große Freiheit bei der Straßenbenennung haben, musste auch Rathaus-Chef Schiessl im Jahr 1936 erkennen.

Der Pfarrer hatte vorgeschlagen, den Platz zwischen Bahnhofswirtschaft, Kirche und Schule nach einem früheren Direktor der Hausmullverwertung zu benennen und der Bürgermeister fragte daraufhin bei der NSDAP-Kreisleitung nach, ob es denn statthaft sei, „private Personen in dieser Weise zu ehren“. Es sei „Angelegenheit der Gemeinde, wie sie ihre Straßen und Plätze benennen will,“ kam es – leicht genervt klingend – aus Bruck zurück.

Aber warum nun endet ausgerechnet die Münchner Straße kurz vor der Landeshauptstadt am Gröbenbach? Wieso stehen an der Pappelallee Birken? Und warum wollte Alois Harbeck seinen neuen Marktplatz auf keinen Fall „Friedensplatz“ genannt wissen? Antworten liefert ein überaus lesenswertes Büchlein, für 14,90 Euro erhältlich im Rathaus oder bei der Buchhandlung Bräunling. (Olf Paschen)

Auch interessant

Kommentare