Das Internet-Lexikon Wikipedia weiß viel, aber nicht alles über Puchheim.
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Das Internet-Lexikon Wikipedia weiß viel, aber nicht alles über Puchheim.

Detailwissen und Lücken

Wikipedia-Check: So gut weiß das Online-Lexikon über Puchheim Bescheid

Wie schlau ist die Internet-Enzyklopädie in Sachen Puchheim? Was die frühe Geschichte angeht, gibt es klare Lücken. Dafür gibt es spannende Details: Zum Beispiel, welches Bier es bei den Flugschauen gab.

Puchheim – Es ist die moderne Enzyklopädie des Wissens, verfasst von Experten und Amateuren, und verspricht heute das zu leisten, was früher Atlas, Brockhaus und Wörterbuch zusammen nicht schafften. Aber wie verlässlich ist Wikipedia eigentlich? Die Macher des Internet-Lexikons verweisen bei manchen Artikeln oder Unterabschnitten selbst auf Unvollkommenheiten oder Überarbeitungsbedarf, sprich: Alles sollte man nicht für bare Münze nehmen.

Eigenwillige Schwerpunkte

Ein Beispiel zeigt, dass die Verfasser zumindest nicht immer auf dem Laufenden sind, Mut zu vielen Lücken haben und manchmal recht eigenwillige Schwerpunkte setzen: Gemeint ist „Puchheim, eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Fürstenfeldbruck“.

Dieses Puchheim befindet sich zwar nicht „im äußersten Osten“ des Brucker Landkreises, wie Wikipedia meint, denn die größten Teile von Gröbenzell, Graßlfing und Germering liegen noch näher am Münchner Marienplatz.

Aber es ist wohl richtig, dass es wie die gesamte Umgebung auch im Übergangsbereich zwischen feuchtem atlantischem und trockenem kontinentalen Klima angesiedelt ist. Ob nun die Donau als „regionale Wetterscheide“ für Südbayern tatsächlich so eine wetterbestimmende Bedeutung hat, mag dahingestellt sein. Aber dass „der Föhn das ganze Jahr hindurch“ immer wieder warme und trockene Luft auch nach Puchheim trägt, klingt doch eher nach norddeutschen meteorologischen Kenntnissen.

Die Historie der Städte und Gemeinden wird bei Wikipedia immer ausführlich abgehandelt. So wäre eigentlich auch Platz gewesen, um die bronzezeitlichen Siedlungsspuren unter dem Parsberg oder die keltische Viereck-Schanze zu erwähnen. Wikipedia findet die ersten menschlichen Spuren in der Römerzeit in Form von Münzen und einer Villa Rustica.

Die neuere Geschichte wird allerdings akkurat nacherzählt, wenngleich die nur zehn Jahre zwischen 1910 und 1920 fast den gesamten historischen Abriss ausmachen. In dieser Zeit war Puchheim zunächst für seinen Flugplatz, den ersten oder zweiten in Bayern überhaupt, und danach für das Kriegsgefangenenlager an gleicher Stelle, das zweitgrößte in Bayern, bekannt und berüchtigt.

Der Themen-Umfang ist eben immer abhängig von der Quellenlage und zu Flugfeld und Lager haben auch örtliche Autoren gründlich recherchiert und veröffentlicht. Eigentlich übrigens auch zur Hausmullfabrik. Die wenigen Zeilen zu einer der ersten Recycling-Anlagen weltweit berufen sich laut Literaturliste aber nur auf die Festschrift zu 120 Jahren Münchner Abfallwirtschaft. Dafür wird erklärt, dass für die Tausenden von Flugschau-Besuchern Franziskaner und Schottenhammel ausgeschenkt wurde.

Kultur-Netzwerk gibt es gar nicht mehr

Ganz kurz fassen sich die Autoren zur Bevölkerungsentwicklung. In den 30 Jahren zwischen 1988 und 2018 wuchs Puchheim demnach um gut 3000 auf mehr als 21 000 Einwohner. Die ungleich interessanteren Zahlen hätte ein Vergleich zwischen zwei anderen Jahren gezeigt: Nach einem gigantischen Bauboom gab es 1980 mit 17 600 Menschen fast dreimal soviele Puchheimer wie 1970, als 6400 Leute quasi unter sich waren.

Die Verfasser machen auch nicht viel Aufheben um die vier Partnerstädte. Für bemerkenswert halten sie aber, dass Puchheim schon 2007 mit dem Europadiplom des Europarates ausgezeichnet wurde und vier Jahre später sogar die „gold bestickte Ehrenfahne“ erhielt.

Eigentümlich auch die Gewichtung im Kapitel Kultur. Das PUC muss sich mit anderthalb Sätzen begnügen, dafür wird das „Netzwerk Kultur“ gewürdigt, das angeblich jährlich ein besonderes Event veranstaltet. Diesen Zusammenschluss gibt es allerdings schon seit über einem Jahrzehnt nicht mehr, aus dem damals organisierten „Puchheim lebt“ wurde das Stadtfest.

So, als wäre es eine überholte Brockhaus-Auflage, ist das Internet-Lexikon auch beim Abschnitt Wirtschaft nicht ganz auf der zeitlichen Höhe. Denn das Gewerbesteuer-Aufkommen von 13,5 Millionen Euro klingt zwar beachtlich, aber in den 15 Jahren, die seit diesem Wert vergangen sind, war es deutlich höher.

Hilfe vom Tagblatt-Artikel

So flink wie das hawaianische Wort „wiki“ (schnell) nahelegen würde, hat man auch auf die Stadtmitte-Planung nicht reagiert. Denn unter dem Thema „Bauwerke“ ist immer noch eine Bürgerinitiative unterwegs, die sich für den Erhalt der alten Schule in Puchheim-Bahnhof einsetzt.

Auch hier eine ungewöhnliche Auswahl: Die drei Bilder zeigen die beiden katholischen Kirchen und den „gewaltigen, mit Moos und Flechten bewachsenen“ Brunnen auf dem Alois-Harbeck-Platz. Was den gesamten Platz anbelangt, sind die Puchheim-Experten aber hochaktuell und wissen – mit Verweis auf einen Tagblatt-Artikel – von den Umbauplänen.

Fazit: Ein gelegentliches Up-Date brauchen nicht nur Computer. Aber jemand, der eben nur mal nachschlagen will, was Puchheim ist, erfährt doch das Wichtigste und einiges Wissenswerte. Und bekommt vielleicht Lust, nach Überwindung der Donau in der oberbayerischen Stadt den Föhn zu atmen.

Olf Paschen

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