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Wie eine kleine Familie: Davit Kvaratskhelia (28) wohnt kostenlos, dafür hilft er dem Puchheimer Ehepaar Veronika (71) und Hans Linker (75) im Alltag. Die Unterstützung ist nötig, weil Hans Linkers rechte Körperhälfte gelähmt ist.

„Wohnen für Hilfe“

In dieser WG helfen sich Rentner und ein Student

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Ein 28-Jähriger lebt mit einem Rentner-Ehepaar in Puchheim. Beim Projekt „Wohnen für Hilfe“ haben alle drei etwas von der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft. Ein Besuch.

Puchheim – Es ist ein heißer Sommertag. In einem kleinen Haus im Puchheimer Norden sitzen Veronika Linker (71) und ihr Mann Hans (75) gemütlich am Küchentisch. „Bringst du uns bitte etwas zu trinken, Davit?“, fragt Veronika Linker ihren Mitbewohner. Richtig gelesen, das Rentner-Ehepaar wohnt nicht alleine. „Natürlich“, sagt Davit, steht auf und holt aus der Küche eine Wasserflasche. Nicht weil er muss, sondern weil er es gerne tut.

Es ist eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft, in der Student (28) lebt. Zwei Generationen unter einem Dach, die einander unterstützen – das ist das Ziel des Projekts „Wohnen für Hilfe“. In dem Häuschen im Grünen prallen auf den ersten Blick zwei Welten aufeinander. Davit Kvaratskhelia ist groß, durchtrainiert, hat dunkles Haar. Veronika und Hans Linker sind ergraut, wirken zerbrechlich. Trotzdem, wer die drei zusammen sieht, merkt: Das passt. Seit fast zwei Jahren leben sie in einer WG.

Eine Stunde Hilfe pro Quadratmeter – das ist „Wohnen für Hilfe“

„Wohnen für Hilfe“, das bedeutet, dass Davit ohne Miete zu zahlen bei den Linkers wohnt. Im Gegenzug unterstützt er die beiden im Alltag. In der Regel entspricht eine Stunde Hilfe einem Quadratmeter Wohnfläche. Pflegerische Arbeiten sind ausgeschlossen, dafür mäht der 28-Jährige den Rasen, kauft ein, fährt den Abfall zum Wertstoffhof und dienstags bringt er Hans Linker mit dem Auto zur Krankengymnastik. Seinen Führerschein haben übrigens Veronika und ihr Mann bezahlt.

Seit der 75-Jährige vor rund 20 Jahren einen Schlaganfall erlitten hat, ist seine rechte Körperhälfte gelähmt. Er ist auf Hilfe angewiesen, meist läuft er mit dem Gehstock. Veronika Linker hat Rückenprobleme, kann ihren Mann nur bedingt unterstützen. „Der Schlaganfall war für uns der Ausschlag dafür, am Projekt Wohnen für Hilfe teilzunehmen“, sagt sie.

Lieber ein Zimmer im Grünen statt einer hektischen Studenten-WG 

Wie gut, dass Davit bei ihnen wohnt. Den studierten Betriebswirt verschlug es vor drei Jahren aus seiner Heimat Georgien nach Deutschland. Nach einem Jahr als Au-Pair entscheid er sich, noch einmal zu studieren. Gerade hat er sein zweites Semester Philosophie geschafft, nebenbei arbeitet er als Werkstudent. „Das georgische Bildungssystem ist schwächer als hier“, sagt der 28-Jährige in perfektem Deutsch. Er hat viel gelernt in den vergangenen Jahren. Ihm gefällt es an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

Von „Wohnen für Hilfe“ hat er über seine Cousine erfahren, die auch hierzulande studiert hat. „Der finanzielle Vorteil war für mich am Anfang am wichtigsten, denn als ausländischer Student hätte ich wohl keine Unterkunft bezahlen können“, sagt er. Und er wollte nicht in eine hektische Studenten-WG ziehen. Bei einer Art Casting, das über die Vermittlungsstelle „Wohnen für Hilfe“ des Seniorentreffs München-Neuhausen organisiert wurde, hat er sich bei den Linkers vorgestellt – und die wussten bald: Davit Kvaratskhelia passt zu ihnen. Der junge Mann ist ruhig, höflich fast schüchtern. Er ist der Vierte, der in dem rund 20 Quadratmeter großen Zimmer unterm Dach wohnt. Immer wieder haben es die Linkers im Laufe der Jahre umgebaut und mit neuen Möbeln ergänzt.

Die Generationen-WG macht gemeinsam Ausflüge und Urlaube

Wer Davit nach oben folgt, sieht: Er hat dort fast alles, was er zum Leben braucht. Gegenüber der Tür gibt es eine kleine Küchenzeile samt Herd und Geschirrschrank. Links davon eine Nische mit Spiegel und Waschbecken, daneben Bett, Kleiderschrank und Schreibtisch. Am Fenster steht ein Sofa, neben der Tür ein kleiner Esstisch. Oft essen die drei aber gemeinsam zu Abend, sprechen über den Tag, oder Davit erzählt von seiner Heimat Georgien. Das WG-Leben hat sie zu einer kleinen Familie zusammengeschweißt. Veronika Linker berichtet, dass Davits Mutter ihr ab und zu Briefe schreibt und wie die drei gemeinsam Ausflüge unternehmen. „Und einmal haben wir ein paar Tage Urlaub im Bayerischen Wald gemacht“, sagt sie und lächelt.

Die 71-Jährige wünscht sich, dass mehr Senioren an dem Projekt teilnehmen. Sie und ihr Mann können nur Positives berichten. „Viele ältere Menschen denken, dass junge Leute nur Dreck und Lärm machen. Gleichzeitig jammern sie aber, wenn bei ihnen Zimmer im Haus leer stehen“, sagt sie. „Das ist eine Frage der Einstellung.“

Menschen, die sich für das Projekt „Wohnen für Hilfe“ interessieren

melden sich bei Verena Bauer, Fachstelle „Wohnen für Hilfe“ im Landratsamt Fürstenfeldbruck, unter Telefon (0 81 41) 5 19 56 32 oder via E-Mail an wohnen-fuer-hilfe@lra-ffb.de.

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