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Symbolbild Feuerwerk

Silvester-Feuerwerk

Gemeinsam staunen oder selber böllern?

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Zum zentralen Feuerwerk der Stadt kamen in Puchheim vor einem Jahr rund 1000 Besucher. Diese Form der Silvesterfeier ist im Landkreis bisher einzigartig. Dabei wäre weniger individuelle Böllerei zum Jahreswechsel für viele Menschen ein Segen.

Landkreis – Feuerwerke gibt es im Jahresverlauf einige im Landkreis. Bei den Volksfesten etwa. Von Profis arrangiert, zaubern Raketen stimmungsvolle Farbenspiele in der Himmel. Staunen und Faszination sind meist groß. Nur an Silvester brennen die meisten Leute lieber ihr eigenes Feuerwerk ab. Für viele ist es ein Vergnügen, das sie sich nicht entgehen lassen wollen. In den meisten Orten fehlt es bislang auch an einer Alternative.

Dabei ist das flächendeckende Gekrache wegen des Lärms, schlechter Luft und wild umher irrender Feuerwerkskörper für viele Menschen ein Albtraum. Und am nächsten Tag liegen dann in allen Straßen, in Bächen und auf Feldern zerfetzte Böller, Raketenkappen aus Plastik und ganze Feuerwerksbatterien herum. „Wir haben in einem Jahr tatsächlich mal alles auf einen Haufen geschüttet, was wir danach in den Straßen zusammengekehrt haben“, sagt Olchings Bauhofleiter Peter Rötsch. „Das waren so in etwa drei Kubikmeter.“

Und es dürfte tatsächlich sogar noch ein bisschen mehr Abfall sein. Wie in anderen Landkreis-Kommunen auch, rückt die Straßenreinigung in Olching erst am 2. Januar aus. Man wolle den Leuten ja die Gelegenheit geben, ihren Dreck selber aufzukehren, sagt Bauhofleiter Rösch mit einem Augenzwinkern. „Es machen halt die wenigsten.“

Auch bei der Feuerwehr sieht man die zunehmende Knallerei – der Umsatz mit Silvester-Knallern stieg deutschlandweit zwischen 2004 und 2017 von 87 auf 137 Millionen Euro – zumindest mit Besorgnis. Wirklich Schlimmes sei bisher nicht passiert, sagt Michael Ott, der Kommandant der Feuerwehr Fürstenfeldbruck. Doch immer wieder würden verirrte Raketen in Hecken oder auch auf Balkonen landen. „Wenn da dann viel Gerümpel rumsteht, kommt es schon mal zu einem Brand“, sagt er. Am besten solle man Balkone vor der Silvesternacht leer räumen und Fenster und Türen geschlossen halten. Wichtig sei auch eine sichere Abschussbasis. Flaschen in Getränkekästen würden sich eignen. In Wohngegenden mit hohen Häusern solle man das Abschießen von Raketen lieber ganz sein lassen. Die würden teilweise, auch richtig abgeschossen, gar nicht hoch genug steigen. Verbote für bestimmte Gebiete gibt es im Landkreis bisher aber nicht.

Problematisch sind auch die Feuerwerksreste auf den Straßen. „Die neueren Raketenbatterien sind mittlerweile richtig massive Klötze“, sagt Ott. „Wenn die auf der Straße stehen bleiben und einer unserer Leute bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus mit dem Pkw drüber fährt, kann das massive Schäden verursachen.“

Mit zentralen Feuerwerken, organisiert von den Kommunen, ließen sich all diese Begleiterscheinungen möglicherweise deutlich reduzieren. Durchgesetzt hat sich die Idee bisher aber nicht. In Germering hat der Umweltbeirat 2017 erstmals eine Konzentration der Feuerwerke zu Silvester auf einen oder mehrere zentrale Plätze angeregt. Bislang gibt es aber nur zum Vorsilvester der Burschen Unterpfaffenhofen am 30. Dezember ein zentrales Feuerwerk.

Lediglich die Stadt Puchheim veranstaltet seit vergangenem Jahr an Silvester ein zentrales, professionelles Feuerwerk. Dort allerdings war man nach der Premiere begeistert. „Die Luft war auch tatsächlich etwas besser“, sagt Isabell Wipiejewski, in der Stadtverwaltung für die Durchführung mitverantwortlich. Das sei aber nur ein Eindruck, und der könne auch mit dem Wetter zu tun haben. Im Jahr vor dem ersten zentralen Feuerwerk habe man eine Inversionswetterlage gehabt, in der sich der Pulverdampf lange gehalten habe.

Ob in Puchheim tatsächlich insgesamt weniger Feuerwerk abgebrannt wurde, lässt sich nicht sagen. Möglich ist es aber. Denn immerhin 1000 Puchheimer zogen es vor, um Mitternacht an den Rathausweiher zu kommen. Die Stadt hat das Feuerwerk nicht in erster Linie wegen Luft, Lärm und Dreck veranstaltet. Es sollte der Abschluss eines Jahres ein, in dem man mit den Bürgern intensiv an der Neuplanung der Stadtmitte gearbeitet hat, sagt Wipiejewski. Dort sollten die Leute zusammenkommen und gemeinsam etwas Schönes erleben. „Es sollte auch identitätsstiftend sein.“

Im Nachgang fand man aber, man könne die Aktion heuer wiederholen. „Es war sehr, sehr schön“, sagt Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl. „Man kommt zusammen, trifft Leute und stößt zusammen an.“ Man werde von Jahr zu Jahr entscheiden, ob man ein Feuerwerk organisiert, sagt Seidl. „Wenn es eine Tradition wird, wird es eben eine. Mal sehen.“

Natürlich wurde in Puchheim nach der Premiere vor einem Jahr diskutiert, über Sinn und Unsinn von Böllern und Raketen im Allgemein und eines von der Gemeinde durchgeführten und bezahlten zentralen Feuerwerks im Speziellen. „Es gibt immer jemanden, der sich daran stört“, sagt der Bürgermeister. „Aber ich glaube, die Resonanz war positiv.“

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