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Gebraucht, aber noch zu gebrauchen: In Puchheim-Ort haben Hans Bittner und seine Mitstreiter ein umfangreiches Angebot, das nicht nur Bedürftige zu schätzen wissen.

Übernahme durch Diakonie geplatzt – Aufrechter Gang macht weiter

Zoff um Zukunft des Gebrauchtmöbelhauses

Das Gebrauchtwarenzentrum in Puchheim-Ort sowie die Secondhand-Kleiderläden „Schickimicki“ in Germering und Olching sind längst Institutionen. Künftig sollten sie von der Diakonie geführt werden. Dieser Plan ist geplatzt – die Lichter werden in den Geschäften trotzdem nicht ausgehen.

Puchheim/Fürstenfeldbruck – Bisher betreibt der Verein Aufrechter Gang Gebraucht-Waren-Kaufhaus und Kleiderkammern. Ziel ist es, gebrauchte Waren wiederzuverwerten und weniger Gutbetuchten die Möglichkeit zu geben, zu günstigen Preisen einzukaufen. Vor einigen Monaten schien der Verein aus personellen Gründen vor dem Aus zu stehen. Deshalb begannen Gespräche mit der Diakonie, die in der Satzung des Vereins als Erbe für den Fall der Auflösung definiert ist.

Die Diakonie bekundete Interesse an der Fortführung der Angebote und der Landkreis Fürstenfeldbruck stellte Zuschüsse fürs Personal in Aussicht. Doch nun kommt alles anders: Der Verein Aufrechter Gang wird zwar wie geplant zum Jahresende liquidiert – doch die Angebote wie das Gebrauchtwarenhaus werden in eigener Regie mit Hilfe einer neuen, noch zu gründenden Rechtsform weitergeführt.

Bei den Gesprächen mit der Diakonie sei es dem Verein Aufrechter Gang um einige zentrale

Punkte gegangen, schilderte Vorstandsmitglied Hans Bittner auf Tagblatt-Nachfrage. Um die Fortführung der Mildtätigkeit, der Wohlfahrtspflege – und darum, dass die beim Verein angestellten Arbeitnehmer auch nach der Übernahme sichere Arbeitsplätze haben.

Gerade beim letzten Punkt hätten die Vereinsverantwortlichen große Sorge gehabt, sagt Bittner. Daher sei die Idee einer wie er findet Super-Lösung gereift: die Fortführung in Eigenregie. Insgesamt werde sich nichts ändern, außer dass der Verein als solcher aufgelöst wird. Welche Rechtsform in Frage kommt – etwa eine GmbH – werde derzeit untersucht. „Damit haben unsere Mitarbeiter die Möglichkeit, auf die sichere Seite zu kommen“, sagt Bittner. Insgesamt geht es um 26 Arbeitnehmer in den verschiedensten Beschäftigungsverhältnissen.

Nun steht eine außerordentliche Mitgliederversammlung auf der Tagesordnung, in der auch eine andere soziale Einrichtung als die Diakonie als potenzieller Erbe benannt werden könne. Die Vereinsliquidation soll zum 31. Dezember erfolgen, danach läuft noch ein Sperrjahr. Bittner betont: man habe der Diakonie die Türe weit geöffnet und die eigenen Wünsche klar dargelegt. Wichtig aber sei nun die Botschaft, dass es weitergeht.

Im Kreisausschuss des Kreistags kam das Thema am Montag kurz aufs Tapet, da noch über den geplanten Zuschuss in Höhe von jährlich 30 000 Euro an die Diakonie zu beraten gewesen wäre. Da die Verhandlungen über eine Verschmelzung endgültig eingestellt seien, entfalle jedoch die Grundlage für einen Zuschuss an die Diakonie, heißt es in einem Papier der Kreisverwaltung.

Offiziell hatte die Diakonie gegenüber dem Landkreis angegeben, selbst bereits erhebliche Anstrengungen in das Übernahmeprojekt investiert zu haben. Gegenüber dem Landratsamt hatte die Diakonie geklagt, der Aufrechte Gang habe seine finanziellen Grundlagen nicht offengelegt, hieß es in der Sitzung. Daraufhin seien die Gespräche abgebrochen worden. 

Stellungnahme des Vereins Aufrechter Gang zum Vorwurf der Diakonie: 

Der Verein Aufrechter Gang wehrt sich massiv gegen die Behauptung, im Zuge der Übernahmeverhandlung seine finanziellen Grundlagen nicht offen gelegt zu haben. Ganz im Gegenteil habe der Verein, der unter anderem das bekannte Gebrauchtwarenzentrum in Puchheim betreibt, alle Bilanzen und alle relevanten Daten dargelegt, sagte der Vorsitzende Hans Bittner. Die Aussage werfe ein völlig falsches Licht auf den Verein und auf seine Einrichtungen und müsse daher richtig gestellt werden. Die geplante Übernahme der Vereinseinrichtungen durch die Diakonie war an der Sorge um die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter gescheitert, wie Bittner tags zuvor schon erklärt hatte. Die Aussage von der Nichtoffenlegung war im Kreisausschuss gefallen. Ein Sprecher der Behörde hatte auf Nachfrage des Landrats so lautende Auskünfte der Diakonie zum Grund des Abbruchs der Gespräche zitiert. Die Einrichtungen des Vereins sollen in neuer Rechtsform, aber in Eigenregie, weitergeführt werden. Der Verein wird aufgelöst. Die Diakonie soll als Erbe aus der Satzung gestrichen werden

Thomas Steinhardt

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