Das Rathaus in Puchheim.
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Crash

Zwei Millionen Euro weg? Stadt Puchheim von Bank-Überschuldung betroffen

Der Stadt Puchheim droht ein großer Finanzverlust. Zwei Millionen Euro könnten wegen einer Anlage verloren sein.

Puchheim - Wie am vergangenen Mittwochabend, 3. März 2021, bekannt wurde, hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Moratorium über die Greensill Bank AG angeordnet. Nach Angaben der BaFin musste das Moratorium wegen drohender Überschuldung angeordnet werden, um die Vermögenswerte der Bank in einem geordneten Verfahren zu sichern. Die BaFin hat zudem Strafanzeige wegen Bilanzmanipulation erstattet. Zu den potentiell Geschädigten gehört auch die Stadt Puchheim, die zwei Millionen Euro bei der Greensill Bank angelegt hat. Das teilt die Stadt in einer Erklärung mit.

Presseberichten zufolge sollen neben zahlreichen Privatanlegern auch 50 Kommunen – darunter auch die Stadt Osnabrück, die Stadt Monheim und in Bayern die Gemeinde Vaterstetten – von der drohenden Abwicklung der Bank betroffen sein. Erster Bürgermeister Norbert Seidl: „Ich bin schockiert und entsetzt über diese Nachricht. Wir haben ja keine spekulativen Finanzgeschäfte vorgenommen mit undurchsichtigen Produkten, sondern ganz konservativ Festgeld bei einer deutschen Bank angelegt. Offenbar sind nicht nur wir, sondern auch viele andere Sparer und Anleger wohl Opfer krimineller Machenschaften geworden. Die BaFin hat zu lange gezögert.“

Um welche Einlage geht es?

Die Stadtkasse hat aktuell zwei Millionen Euro als Festgeld bei der Greensill Bank AG angelegt. Es handelt sich um ein klassisches Termingeld gegen festen Zins (0,05 Prozent).

Welche Folgen hätte eine Insolvenz?

Während Anlagen privater Anleger bei Feststellung des Entschädigungsfalls durch die BaFin über den Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken abgesichert sind, besteht für die sogenannten institutionellen Anleger keine vergleichbare Sicherung. Es wird von der Höhe des noch vorhandenen Vermögens der Bank und der Höhe der Forderungen anderer Gläubiger abhängen, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe die Forderung der Stadt bedient werden kann. Möglich ist also auch ein Totalverlust der Einlage. Genaueres kann aber voraussichtlich erst nach dem Ende des Moratoriums gesagt werden.

Warum wurde das Geld gerade bei der Greensill Bank angelegt?

Die Greensill Bank hat ihren Sitz in Deutschland, verfügt über eine deutsche Bankerlaubnis und ist Mitglied des Bundesverbandes deutscher Banken sowie des Einlagensicherungsfonds. Die Geschäftspolitik der aufstrebenden Bank bestand u. a. darin, mit überdurchschnittlichen Zinsen auch den Kleinsparer anzusprechen („Weltsparen“). Sie ist als eine breit aufgestellte Publikumsbank wahrgenommen worden, die nicht nur auf wenige große Anleger abzielt. Die Bank war zudem 2020 gut gerated. Die Anlage eines Festgeldes in diesem Umfeld auf Zeit und begrenzter Höhe wurde von der Stadtkasse als vertretbar eingeschätzt.

Die Stadt will an diesem Dienstag auch in einem Pressegespräch über die Entwicklung informieren.

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