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In Olching

Quetsch-Alarm im Feuerwehrhaus

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Zu klein, zu alt: Das ist das Olchinger Feuerwehrhaus mittlerweile. Nicht nur, dass sich die Einsatzkräfte direkt neben den Fahrzeugen umziehen müssen, sie haben noch mit ganz anderen Widrigkeiten zu kämpfen. Ein Rundgang.

von Eva Dobler

Olching– Vor 50 Jahren wurde das Gerätehaus an der Ordenslandstraße errichtet. Anfang der 1990er-Jahre kam ein Anbau hinzu. Mittlerweile sind beide voll – mit Ausrüstung, Anhängern und Fahrzeugen. Rangieren ist an der Tagesordnung.Die Durchgänge sind schmal, dementsprechend groß ist die Stolper- und Sturzgefahr – vor allem bei Einsätzen, wo es schnell gehen muss. „Es ist schlimm“, sagt Kommandant Josef Gigl.

Im Neubau parken vor allem die Großfahrzeuge, denn für die alte Halle sind sie zu hoch. Dort stehen die Anhänger. Und das führt zu Problemen. Denn um die bis zu drei Tonnen schweren Gefährte an die großen Fahrzeuge kuppeln zu können, müssen sie erst in den Neubau geschoben werden. „Da braucht’s schon drei bis vier Mann“, so Gigl. Zudem kann die Wartungsgrube nicht benutzt werden – sie befindet sich im zu niedrigen Altbau.

Ein großes Problem für die gut 76 aktiven Kameraden sind auch die fehlenden Umkleideräume. Die Spinde stehen in der Fahrzeughalle, die Einsatzkräfte müssen sich direkt neben den – teils schon laufenden – Autos umziehen. Schlüpfen sie in ihre Jacken, müssen sie aufpassen, dass sie einander nicht aus Versehen eine wischen. Eine Geschlechtertrennung ist unmöglich. Hinzu kommt, dass die Absauganlage in der Halle nicht ausreichend ist.

Ihre schmutzige Kleidung werfen die Feuerwehrleute in eine große Kiste. Die steht unter einem Tisch im Büro. Dort befindet sich auch die Kleiderkammer, die mit Hilfe eines Schranks von dem Bereich, wo die Schreibtische stehen, abgetrennt ist. Weiteres Equipment ist im Keller untergebracht. „Ordnung halten kann man so kaum“, sagt der Kommandant.

Duschen – drei Stück – gibt es zwar im Keller des Altbaus, doch die sind bereits 50 Jahre alt. „Die werden nicht genutzt, geduscht wird daheim“, so Gigl. Statt der Hygiene zu dienen, wird der Raum fürs Vergnügen genutzt: zwei Kicker stehen drin. „Wir hätten ja sonst keinen Platz dafür.“

Toiletten befinden sich ebenfalls im Untergeschoss, im Neubau sind sie auch nach Geschlechtern getrennt. „Allerdings zu wenige, und manchmal fallen die Fliesen von der Wand“, berichtet der Kommandant.

Um mehr Lagerfläche zu bekommen, wurde im vergangenen Jahr eine provisorische Halle errichtet. „Es ging einfach nicht mehr“, sagt Gigl. Viel habe die Feuerwehr in Eigenleistung gemacht, 24 000 Euro seien von der Stadt gekommen. „Die Halle bietet uns wenigstens eine geringe Entlastung. “

Ein riesiges Problem sind außerdem die wenigen Parkplätze für die Feuerwehrmitglieder. „Eigentlich müsste es so viele geben wie Sitzplätze in den Fahrzeugen“, erklärt der Kommandant. Also 54. Doch den Kameraden stehen nur 25 zur Verfügung – und das auch nur theoretisch. Denn die Plätze seitlich vom Gerätehaus nutzten vor allem die Mitarbeiterinnen des benachbarten Kindergartens. Und bei den Plätzen hinter dem Gebäude mache die Zufahrt Probleme. Denn diese nutze auch der Bauhof.

Die Folge: Die Feuerwehrleute parken teils auf der Straße, teils auf dem Hof vor dem Gerätehaus und laufen dann durch die Tore zu ihren Spinden. Gleichzeitig rücken die Fahrzeuge aus. „Es ist chaotisch“, beschreibt Gigl die Situation.

Eine weitere Baustelle ist die – ebenfalls zu kleine – Atemschutzwerkstatt, in der nicht nur die Flaschen der Olchinger, sondern die aller Feuerwehren der Stadt wieder aufgefüllt werden. Um die Flaschen dorthin zu transportieren, müssen drei Stufen überwunden werden. Eine Rampe gibt es nicht. Also hieven die Kameraden den Wagen mit den Flaschen die Treppe rauf – und das birgt so manches Risiko. „Wenn eine runterfällt, dann explodiert die“, erklärt Gigl.

In Ordnung sei hingegen der Raum, in dem die Schläuche gewaschen werden. Allerdings müssen diese erst durch ein Lager und enge Gänge gekarrt werden. Der Einsatz eines Hubwagens sei nicht möglich. Deshalb werden die Schläuche in kleineren Wagen transportiert, was natürlich mehr Arbeit mache.

Die Zustände im Feuerwehrhaus beklagt der Olchinger Kommandant seit längerem. Bereits 2014 hat er die Stadt aufgefordert, etwas zu unternehmen. Ein Jahr später hat das auch die Kommunale Unfallversicherung Bayern getan. Mittlerweile wurde ein Architektenbüro eingeschaltet (siehe Kasten). Gigl: „Ich möchte endlich eine Lösung für meine Leute, damit ein vernünftiger Betrieb wieder möglich ist.“

Die Debatte im Bauausschuss der Stadt

Dass in puncto Feuerwehrhaus dringend etwas unternommen werden muss, ist seit längerem klar. Deshalb wurden für dieses Jahr auch 100 000 Euro Planungskosten in den Haushalt eingestellt. Nun hat der Bauausschuss „die grundsätzliche Notwendigkeit von Verbesserungsmaßnahmen“ festgestellt. Zu dem Ergebnis war auch das Architektenbüro Sütfels gekommen. 

Eigentlich sei das Areal (3800 Quadratmeter) zu klein, um das geforderte Raumprogramm unterzubringen, sagte der Planer. Es sei denn, man würde richtig investieren. Eine Möglichkeit ist ein Neubau in U-Form. Im westlichen Teil könnten die großen, im östlichen die Sonderfahrzeuge und Zusatzgeräte unterkommen. In der Mitte wäre die Einsatzzentrale und im 1. Stock ein großer Schulungsraum. Die Stellplätze könnte man aber nur in einer Tiefgarage unterbringen, so der Architekt. Und das kostet. Wie viel genau, das ist unklar. Alternativ könnte auch an einem anderen Standort neu gebaut werden. Doch derzeit gibt es dafür kein städtisches Grundstück, wie Kommandant Josef Gigl auf Nachfrage erklärt. Als dritte Möglichkeit könnte das alte Haus saniert werden. Für eine nochmalige Erweiterung fehlt aber der Platz. 

Gigl bevorzugt einen Neubau. „Wo dieser letztendlich steht, ist mir aber wurscht. Ich will nur eine Lösung.“ In der Sitzung gab Josef Neumeier (CSU) zu bedenken, dass die Kosten für einen Neubau wegen der Tiefgarage ins Uferlose laufen könnten. „Da muss man sich in Ruhe Gedanken machen.“ Der gleichen Meinung war Alfred Münch (SPD). Er warnte davor, für eine Feuerwehr so viel Geld in die Hand zu nehmen. „Das verkraftet der Haushalt über Jahre hinweg nicht.“ Zudem bestehe die Gefahr, dass dann die anderen drei Wehren Ansprüche anmelden. 

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