Dialogveranstaltung im Bürgerzentrum

Quo vadis, Gernlinden?

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Der Ruf nach mehr Wohnraum und Bauland ist laut in Gernlinden. Deshalb wollte Rathauschef Hans Seidl nun von den Gernlindnern wissen, wie sich der Ort entwickeln soll. Dabei kristallisierte sich eines heraus: Die Gernlindner wollen ihre Bäume weitestgehend erhalten.

GernlindenWohnraum ist knapp in Gernlinden. Neues Bauland gibt es kaum. In etlichen der großen Gärten, die den Ort prägen, kann aber noch gebaut werden. Und das wurde in den vergangenen Jahren auch fleißig getan – meist von der Erbengeneration. Aber auch Bauträger haben Interesse an Flächen. Bis zu 1000 Euro pro Quadratmeter würden bezahlt werden, sagte Bürgermeister Hans Seidl (CSU) bei der Dialogveranstaltung im Bürgerzentrum. Zahlreiche Gernlindner waren seiner Einladung gefolgt, um über die Ortsentwicklung zu diskutieren.

„Der Alt-Ort verändert sich in großen Teilen“, sagte Seidl. Lücken werden geschlossen, Bebauungspläne werden überarbeitet beziehungsweise neu aufgestellt. Teilweise sind bis zu zwei Stockwerke plus Dachgeschoss zugelassen. 117 Wohneinheiten sind in den vergangenen fünf Jahren in Gernlinden entstanden. „Der Ort wächst und wird sich auch künftig zügig entwickeln“, so Seidl.

Das stellt die Gemeinde vor große Herausforderungen. Denn auch die Infrastruktur muss entsprechend mitwachsen. Doch bei Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen bewege man sich bereits am Limit, wie es der Bürgermeister ausdrückte. „Wir segeln hart am Wind.“

Der Wunsch nach mehr Wohnraum sorgt aber auch für Konflikte hinsichtlich der Durchgrünung. Denn in Gernlinden gibt es eine Baumschutz-Verordnung. „Der Baumbestand war den Gernlindnern lange viel Wert“, sagte Seidl. Doch derzeit habe die Gemeinde den Eindruck, dass die Priorität, die Bäume zu erhalten, erheblich abgenommen habe. 169 Bäume sind in den vergangenen fünf Jahren gefällt worden, so Seidl. Teilweise sei aber nachgepflanzt worden.

Bei den Wortmeldungen wurde deutlich, dass viele Gernlindner den grünen Charakter des Ortes schätzen. Einige sind sogar deswegen dorthin gezogen.

So sagte etwa ein Anwohner der Hans-Wegmann-Straße: „Der Gartenstadt-Charakter soll erhalten bleiben.“ Er sei gegen eine extrem dichte Bebauung, denn dann würde Gernlinden zu einer gesichtslosen Schlafstadt werden. „Es ist wichtig, dass die Bäume erhalten bleiben“, fand auch eine andere Bürgerin. „Man kann froh sein um jeden Baum, der stehen bleibt.“

Die Gemeinde müsse auch etwas hinsichtlich eines Neubaugebiets tun, forderte ein Bürger. Seidl entgegnete, dass es derzeit in Malching und ab 2019 auch in Maisach neues Bauland gebe. „Wir können uns nicht nur auf einen Ort konzentrieren.“

Ein Anwohner der Brucker Straße beklagte sich, dass er nur maximal 20 Prozent seines Grundstücks bebauen dürfe. Sein Sohn habe bauen wollen, doch dafür hätte ein Gebäude abgerissen werden müssen. Deshalb habe der Sohn Gernlinden verlassen. In anderen Straßen sei aber weit mehr zugelassen. „Das passt nicht zusammen.“

Auch Gemeinderat Alfons Strähhuber (SPD) meldete sich zu Wort. „Der Gemeinderat ist da, um das Allgemeinwohl im Auge zu behalten“, erklärte er bezüglich der Vergrößerung von Baufenstern. „Wenn wir erlauben, dass groß gebaut wird, dann lassen wir auch immer eine Belastung der Nachbarn zu.“ Das müsse man bedenken.

Einen Gernlindner beschäftigte die rege Bautätigkeit im Gewerbegebiet. „Ich finde, dass der Gewerbeanteil nicht mehr angemessen für Gernlinden ist“, kritisierte er. Seidl entgegnete ihm, dass die Gemeinde auf die Gewerbesteuer-Einnahmen nicht verzichten könne. Allein die Firma TTI, die derzeit erweitert, spüle sieben Millionen Euro in die Gemeindekasse.

Abschließend wollte ein Bürger von Seidl wissen, welche Vision denn die Gemeinde für Gernlinden hat. Zum einen müsse man den Altteil sensibel nachverdichten, sagte der Rathauschef. Man müsse die Wohnraumprobleme lösen, zum Beispiel indem man in einigen Bereichen dichtere und höhere Bebauung zulässt. So zum Beispiel an der Josef-Poxleitner-Allee und in dem Gebiet, in dem es eventuell im Zuge der Ost-Umgehung einen weiteren Bahnhofsanschluss gibt.

Umfrage

Um den tatsächlichen Bedarf an Wohnraum und Bauland zu erfahren, führt die Gemeinde eine Umfrage durch. Das Formular ist auf www.maisach.de erhältlich.

So wächst der Ort

Das von der Gemeinde angestrebte Wachstum für die Ortsteile Maisach und Gernlinden liegt bei einem bis eineinhalb Prozent im Jahr. Das entspricht 50 bis 75 Einwohner mehr, erklärte Bürgermeister Hans Seidl. Oft sei der Zuzug aber höher gewesen. Mal sei Maisach, mal Gernlinden größer geworden. „Doch die vergangenen Jahre wuchsen beide Teile“, so Seidl. Die letzte große Bauland-Ausweisung in Gernlinden war in den 1980er- und 1990er-Jahren rund um die Wettersteinstraße. 

Rund zwei Drittel von Gernlinden sind mittlerweile überplant. Gerade werden zwei weitere Bebauungspläne aufgestellt: einer für das Ortszentrum und einer im Bereich der Frühlingstraße. In der Ortsmitte darf künftig deutlich höher gebaut werden. 80 Wohnungen sollen so entstehen. „Das sind etwa 240 Menschen zusätzlich inklusive ihren Fahrzeugen und ihren Bewegungen“, erklärte Seidl. Im Bereich der Frühlingstraße entstehen durch die Schließung von Baulücken rund 35 Wohneinheiten für circa 105 Einwohnern. 

Zudem wird Bauland an der Josef-Poxleitner-Allee ausgewiesen. Dort sind 44 Wohnungen für etwa 132 Menschen geplant. Nachverdichtungsmöglichkeiten im Bereich des Wohnens gibt es laut Seidl noch auf rund 3,1 Hektar Fläche. „Das sind Baulücken, die geschlossen werden können“, so der Bürgermeister. „Dieses Wachstum müssen wir miteinkalkulieren.“ Auch für Gewerbe gibt es noch potenzielle Flächen: rund 2,9 Hektar

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