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Aus dem Gerichtssaal

Rabiater Autofahrer gibt Führerschein lange ab

Ein Autofahrer, der eine Familie angegriffen haben soll, saß jetzt zum zweiten Mal vor dem Amtsgericht. Der Münchner kassierte in einem zweiten Urteil eine achtmonatige Bewährungsstrafe und muss 2000 Euro zahlen. Auf seinen Führerschein muss er noch länger verzichten. Der Schein war ihm im April 2016 entzogen worden – der Richter setzte nun eine weitere Sperre von vier Monaten fest.

Emmering/Olching – Was genau an diesem Tag im Oktober 2015 geschehen ist, darüber gingen die Meinungen auseinander. Klar ist: Eine Olchinger Familie (Großeltern, Sohn und Schwiegertochter, drei Enkel) war auf der Siedlerstraße in Emmering unterwegs und befand sich nach einer Rast auf der Streuobstwiese auf dem Rückweg Richtung Emmering. Dann sei ein Autofahrer – ein Münchner (64) – mit hohem Tempo sehr knapp an der Gruppe vorbeigefahren. Teilweise soll der Abstand zu den Fußgängern nur zehn Zentimeter betragen haben.

Der Großvater erschrak und warf einen Apfelbutzen nach dem Wagen. Er traf das Auto wohl auch, denn der Fahrer machte eine Vollbremsung, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr auf die Gruppe zu. Der Opa und der Olchinger Familienvater brachten sich mit einem Sprung in Sicherheit. Der Fahrer machte dann eine Vollbremsung vor der Mutter und den drei kleinen Kindern, eines davon schwerbehindert, weshalb es in einem speziellen Kinderwagen geschoben wurde.

Der Münchner stieg aus dem Wagen. Er hatte ein teils mit Isolierband umwickeltes Starkstromkabel in Händen und schlug damit auf das Handy des Vaters ein, der das Auto-Nummernschild fotografierte. Ein Gerangel entbrannte, die drei Männer kullerten einen Abhang hinunter. Der Opa brach sich dabei einen Zeh.

Der Angeklagte sagte anderes aus. Weder sei er knapp an der Familie vorbeigefahren, noch schnell rückwärts auf sie zugefahren. Das Zücken des Kabels räumt er ein – er habe es zur Selbstverteidigung im Auto. Das entsetzte Richter und Staatsanwältin: „Wir leben hier nicht im Bürgerkrieg“, sagte der Richter. „So etwas mitzuführen ist bedenklich“, fügte die Staatsanwältin hinzu.

Der Münchner war dafür im Juni 2016 am Amtsgericht verurteilt worden. Wegen vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, versuchter gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und fahrlässiger Körperverletzung erhielt er neun Monate auf Bewährung und zwölf Monate Führerscheinentzug. Das Urteil war aber in einem Revisionsverfahren teilweise aufgehoben worden.

Der Vorwurf des vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr kam im zweiten Urteil nicht mehr zum Tragen. Einig waren sich die Beteiligten zudem, dass die Anklage wegen Körperverletzung eingestellt wird. sus

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