Die Stelle am Kreisel (oben links) in der Oberen Lagerstraße in Puchheim: Georg Birner macht am Gehweg das richtige Verhalten vor. Foto: Hering

In Puchheim

Radl-Rowdys sind Gefahr im Kreisel

Puchheim – Der Kreisel an der Oberen Lagerstraße in Puchheim ist in den Augen eines 75-Jährigen eine Gefahr: nämlich dann, wenn Radler die Runde nicht ausfahren, sondern über die Gegenspur und den Gehweg abkürzen.

Montagmorgen in der Oberen Lagerstraße nahe des Bahnhofs. Ein Fahrradfahrer nähert sich dem Kreisverkehr, von dem nach rechts die Franz-Marc-Straße, geradeaus die Lußstraße abgehen. Die Obere Lagerstraße macht hier einen Knick und läuft nach links zum Bahnhof. Eigentlich müsste der Fahrer zu drei Vierteln um den Kreisel herumrollen und der Oberen Lagerstraße folgen. Stattdessen wechselt er die Straßenseite und auf den Gehweg, folgt der Oberen Lagerstraße und quert die Fahrbahn wieder hinter dem Kreisel.

So ein Verhalten hat Georg Birner häufig beobachtet – täglich gebe es etwa fünf solche Radl-Rowdys, so der Rentner, außerdem kürze jeder fünfte links am Kreisel vorbei ab. Den 75-Jährigen stört vor allem die hohe Hecke auf der Seite des Bürgersteigs, um die Fußgänger wie Radler kaum herumschauen können. So könne es leicht zu Zusammenstößen kommen, denn erst in letzter Sekunde könnten sich die Verkehrsteilnehmer sehen. Zudem könnten ausweichende Radler in den steinigen Grünstreifen zwischen Kreisel und Gehsteig geraten und stürzen. Oder ein Radler könnte auf die Straße ausweichen und in den Gegenverkehr geraten.

„Mir passiert hier nichts“, sagt Birner: Er macht vor, wie er langsam und nahe an der Hecke entlanggeht, Hals und Oberkörper reckt, um vorausschauen zu können.

Dass es sich hier aber um eine besonders gefährliche Stelle handeln soll, kann Martin Lehner nicht bestätigen. Der Leiter des Ordnungsamts Puchheim weiß: „Für Radler gibt es alle erdenklichen Wege.“ Einige fänden immer neue Abkürzungen. Die Hecke stelle kein Problem dar, eine normale Nutzung des Gehwegs sei gewährleistet.

Generell sei die Obere Lagerstraße zu Pendler- und Schulzeiten eine vielbefahrene Straße, auf der die Polizei regelmäßig Geschwindigkeits- und Fahrradkontrollen durchführe. Der Knackpunkt seien nicht Kreisel, Straßenführung oder Hecke, sondern das Verhalten der Verkehrsteilnehmer, insbesondere der Schüler, sagt Lehner. Dennoch: „Die Stelle ist kein Unfallschwerpunkt.“ Was es hier brauche, seien erhöhte Aufmerksamkeit und die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Dass sich alle Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten, will die Polizei im Frühling häufiger kontrollieren. Dann sind wieder mehr Radler unterwegs. Wie Karlheinz Pangerl, Chef der zuständigen Inspektion in Gröbenzell, erklärt, sei dies vor allem in Bereichen nahe der S-Bahnhöfe notwendig: Wer sich zur nächsten Bahn sputen müsste, nehme gerne eine Abkürzung. „Die Bürgermeister-Ertl-Straße ist ein Chaos“, sagt er: Schulbusse, Radler, Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen. Beschwerden gebe es immer wieder, doch sei Ordnung hier nicht immer zu gewährleisten. Die Kontrollen seien personalintensiv und würden nur einige Wochen vorhalten – bevor alle wieder wie vorher fahren.

Trotzdem: Eine Unfallhäufung gibt es laut Pangerl an der Oberen Lagerstraße nicht. Vergangenes Jahr sei hier gar nichts passiert.

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