Aus dem Kreistag

Expressweg für Radler wieder ausgebremst

Die Idee von Radschnellwegen ist rund um München derzeit sehr aktuell und Gegenstand verschiedener Überlegungen. Der Landkreis Fürstenfeldbruck aber lehnt tiefer gehende Planungen weiter strikt ab.

Landkreis– Radschnellwege sind die Vision direkter, nur für Fahrräder geschaffener Verbindungen zwischen mehreren Orten. Ein Schnellweg müsste etwa drei Meter breit sein, dürfte keine steilen Steigungen aufweisen und müssten möglichst kreuzungsfrei sein. Kurz: Er wäre ein echter Radl-Highway ohne störende Autos oder Ampeln. Ein Radschnellweg dient weniger dem Freizeitradeln als vielmehr dem Weg zur Arbeit. Hintergrund ist der drohende Verkehrskollaps in der gesamten Region, die CO2-Problematik und der Wunsch mancher Verantwortlicher, die Leute vom Auto weg – und auf das Radl drauf zu bekommen.

Schon im vergangenen Jahr hatte der Landkreis Fürstenfeldbruck es abgelehnt, sich genauer mit dem Thema zu befassen. Man wollte erst einmal das Ergebnis einer Studie aus Garching abwarten.

Kosten für die Machbarkeitsstudie: 70 000 Euro

Jetzt aber lag dem zuständigen Planungsausschuss des Kreistags ein Papier vor, in dem die Landeshauptstadt München wünscht, den so genannten Korridor 13 genauer unter die Lupe zu nehmen. Dieser Schnellweg würde – in etwa der S 4-Trasse folgend – von Bruck über Eichenau und Puchheim nach München führen. Da Genaueres völlig unklar ist, wäre eine so genannte vertiefte Machbarkeitsstudie nötig, die den Landkreis Bruck 70 000 Euro kosten würde.

Das sei zwar eine Summe in schmerzender Höhe, meinte der SPD-Kreisrat und Bürgermeister von Puchheim Norbert J. Seidl. Allerdings sei es an der Zeit, auf den Zug aufzuspringen und gemeinsam mit der Landeshauptstadt in diesem Punkt voran zu kommen. Auch Olchings Bürgermeister Andreas Magg (SPD) war für die Studie. Freilich müsse dabei mehr herauskommen als nur eine bunte Linie auf der Landkarte. Er erinnerte an den nötigen Grundstückserwerb, möglicherweise nötige Überquerungen von Straße oder Schiene und daran, dass es völlig unklar sei, wer dereinst den Bau einer solchen Verbindung bezahlen würde. Landrat Thomas Karmasin, dessen Verwaltung die Teilnahme an der Studie befürwortet, bestätigte letzteres. Möglicherweise, meinte er, müsse in Sachen Bezahlung über neue neue gesetzliche Regelungen nachgedacht werden.

Nur vier Räte stimmten für die Studie für die Radschnellwege

Karmasins CSU-Fraktion lehnte es ab, an der Studie zum jetzigen Zeitpunkt teil zu nehmen. Es sei ja bereits ein Radwegekonzept für den Kreis in Auftrag gegeben worden. Dieses sei wegen der Zubringer-Funktion der hier zu besprechenden Wege die Grundlage für weitere Planungen, sagte etwa Johann Wörle. Bevor man 70 000 Euro ausgebe, könne man Grundstücksfragen außerdem vorher selbst klären, meinte der Kreisrat aus Hattenhofen. Er erinnerte außerdem daran, dass der Kreis derzeit ohnehin schon sehr viele Projekte am Laufen habe. Darauf wurde ihm entgegnet, dass der Kreis im Falle der Teilnahme an der Studie ja nichts arbeiten, sondern nur zahlen müsse.

Letztlich gab es im Ausschuss nur vier Stimmen, die für die Studie plädierten. Die Vertreter aus CSU, FDP und FW stimmten dagegen. Der Grünen-Kreisrat Johann Märkl aus Landsberied („Studien sind meist nur für die Schublade, aber wenn München eine Zusammenarbeit anbietet, sollten wir das machen“) kündigte an, das Thema via Antrag erneut aufs Tapet zu bringen. 

von Thomas Steinhardt

Kommentar pro Radschnellwege:

Der Landkreis hat eine Chance vertan. Freilich lässt sich darüber streiten, ob eine Studie 70 000 Euro wert ist. Aber wenn Vertreter von CSU, FW und FDP partout ablehnen, sich mit Radschnellwegen zu beschäftigen, agieren sie wenig zukunftsorientiert. Ein Maulwurf hat mehr Weitsicht. Der östliche Landkreis braucht dringend Lösungen, um den drohenden Verkehrskollaps zu vermeiden. Die Radl-Bahnen sind eine davon. 

Wer täglich mit dem Auto von Bruck nach München fährt, erstickt schließlich im Stau. Dabei könnten viele schon jetzt statt mit dem Pkw mit dem Rad fahren. Erstens würden sie dabei ihr Ziel schneller erreichen. Zweitens würden sie helfen, den Klimawandel zu bewältigen. Drittens ist Radfahren einfach gesünder als Autofahren.

Leider fehlt das öffentliche Bewusstsein dafür, dass es im städtisch geprägten östlichen Landkreis Fürstenfeldbruck zum Auto viele sehr gute Alternativen gibt. Schuld daran sich auch die Politiker, die sich Lösungen wie Radschnellwege versperren. Sie sollten stattdessen eher auf die Verteile des öffentlichen Nahverkehrs oder des Fahrrads aufmerksam machen. In dieser Hinsicht kann der Landkreis noch viel lernen von der Stadt München. (Thomas Radlmaier)

Kommentar kontra Radschnellwege:

In diesem Falle muss man der Mehrheit im Planungsausschuss des Kreistags dankbar sein. 70 000 Euro für eine wolkige Studie mit vorhersagbarem Ausgang (ab in die Schublade) auszugeben, käme einem Skandal gleich.

Man muss die prinzipielle Idee des Radschnellwegs ja nicht gleich verteufeln. Trotzdem muss es als sinnvoll gelten, sich selbst erst einmal verschiedene Fragen zu stellen, bevor man teure Planer beauftragt, deren Job einfach ist, weil sie aufgrund der unklaren Finanzierungslage genau wissen, dass ihre Striche durch die Landschaft Striche bleiben werden.

Erfahrene Kommunalpolitiker brauchen keine Untersuchung, um zu wissen, wie schwer es ist, eine drei Meter breite Trasse durchs freie Feld zu legen. Sie wissen, wie schwer und teuer es wäre, Grundstücke zu bekommen.

Dazu muss man sich wirklich einmal die Frage stellen, wer bei Null Grad und Nieselregen von Bruck nach München zur Arbeit ins Büro radeln würde. Außerdem zu beachten wäre die Flächenversiegelung – wie viele Quadratmeter es wären, kann sich jeder selbst ausrechnen. 70 000 Euro sind in diesen studiengeschwängerten Zeiten einfach zu viel Geld für ein Papier, das keiner braucht. (Thomas Steinhardt)

Rubriklistenbild: © dpa

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