Mit dem Rälla über die Sprachgrenze radeln

Fürstenfeldbruck - Quer durch den westlichen Landkreis Bruck verläuft die Grenze zwischen Bairisch und dem Lechrainer Dialekt.

Am heutigen Tag der Muttersprache treten Kreisheimatpfleger Sepp Kink und Chorleiter Paul Weigl für ihr jeweiliges Idiom in den Ring.

„Nemds de Bladl obe“, sagt Sepp Kink in Fürstenfeldbruck auf Bairisch, wenn er Sänger auffordert, die Notenblätter nicht vor das Gesicht zu halten. Im nahen Jesenwang meint Paul Weigl dasselbe, wenn er das lechrainisch gefärbte Kommando gibt: „Die Blälla raa.“ Ein Landkreis, zwei verschiedene Dialekte, woher kommt das?

Kreisheimatpfleger Sepp Kink, der sich für die Bewahrung der Mundart einsetzt, kann es erklären: „Das Lechrainische ist eine Mischung aus Alemannisch, Altbairisch und Tirolerisch, das von den Wanderarbeitern kam. Es wird im Lechrain zwischen Friedberg, Landsberg und Schongau entlang des Lechs gesprochen.“ Die westliche Grenze für diese Mischform zwischen Bairisch und Schwäbisch war der damals fast unüberwindliche Lech, die östliche eine Linie, die vom Ammersee über Moorenweis, Luttenwang und Mittelstetten verläuft.

„Das deckt sich ein bisschen mit den Bistumsgrenzen“, sagt Kink. „Im Bereich des Bistums Augsburg haben schwäbische Pfarrer großen Einfluss auf den Alltag und die Schulen genommen.“ Von Osten her wirke der Einfluss Münchens stärker.

Die starke Dialektfärbung sei aber zunehmend auf dem Rückzug, die Mundart nähere sich immer mehr der Hochsprache an. „Früher erkannte man, aus welchem Dorf jemand kommt, am Klang, wie er gesprochen hat“, sagt Kink. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als viele Vertriebene und Ausgebombte in den Landkreis kamen, habe die Vermischung eingesetzt.

Heute habe die S-Bahn großen Einfluss. „In allen Gemeinden, die mit der S-Bahn erreichbar sind, wird der gleiche Dialekt gesprochen“, so Kink. „Es ist ein Gemisch aus echtem Bairisch, Großstadtsprache und anderen Einflüssen.“ In Bruck, Maisach und Freising würden die Leute fast identisch sprechen.

Kleinere Orte im Westen seien davon nicht so betroffen. „Dort findet man noch Menschen, die den alten Dialekt verstehen und beherrschen.“ Dass die Mundart an Bedeutung verliert, findet Sepp Kink schade. „Mit dem Dialekt kann man sich ein Stück Identität bewahren und Gefühle besser ausdrücken als in der Schriftsprache.“

Den Dialekt künstlich zu erhalten, sei jedoch keine Lösung. „Ich bin bestimmt nicht für Bairisch-Unterricht an Schulen, man kann Dialektsprechen nicht verordnen.“ Doch sollte sich niemand für seinen Dialekt schämen. „Die beste Förderung ist es, Dialekt zu sprechen und zu zeigen, dass er etwas Schönes ist.“ Dass der Dialekt irgendwann ausstirbt, glaubt Kink nicht. „Er spielt aber langsam dieselbe Rolle in Bayern wie die Königsschlösser und dient oft nur noch dazu, den Tourismus anzukurbeln.“

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