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Seit vier Wochen geöffnet: der Döner-Imbiss am Gröbenzeller Bahnhof. 

Anzeige wird erwogen

Rassismus-Vorwurf nach Döner-Boykott

Auch wenn der Dönerladen am Gröbenzeller Bahnhof gut angelaufen ist, kehrt keine Ruhe ein: Die CSU hat ins Feld geführt, dass die Inhaberfamilie den Widerstand im Vorfeld als Rassismus und Hetze empfunden hat. Der Ortsvorsitzende erwägt eine Anzeige.

Gröbenzell– Der Dönerspieß am Bahnhof dreht sich nun bereits seit vier Wochen und das Kebaphaus von Resul und Haydar Orhankazi wird gut angenommen. Man könnte meinen, dass nach langer Zeit Frieden in der Gemeinde eingekehrt ist. Zumindest, was den Disput um den ehemaligen Bahnhofskiosk und den Einzug von türkischem Fastfood angeht. Den Eindruck zerstörte die örtliche CSU nun allerdings bei ihrer Mitgliederversammlung.

Der Ortsvorsitzende Andreas Keefer zeigte sich schockiert darüber, was sich im Vorfeld der Ladeneröffnung abgespielt hatte. Die Familie Orhankazi sind Kurden, die aus der Türkei stammten und dort Verfolgung erfahren hätten. Laut Keefer hätten sie es nicht für möglich gehalten, dass ihnen Ähnliches in Gröbenzell widerfahren könnte. Die Orhankazis hätten den öffentlichen Protest der Gemeinderäte von FDP, SPD, UWG und Grünen gegen ihre Gastronomie als „Hetze“ und als „rassistische Verfolgung“ wahrgenommen. Keefer meinte, ein Richter müsse klären, ob dies vorsätzlich oder fahrlässig war. Auf Nachfrage des Tagblatts stellte Keefer klar, dass er bisher keine Anzeige erstattet habe, dies für die Zukunft aber nicht ausschließe.

Junior-Chef Resul Orhankazi, dessen Familie seit 16 Jahren im Geschäft ist und zwei weitere Döner-Läden in der Gegend besitzt, bestätigt die Aussage Keefers. „Das war ein wenig wie eine Hetzjagd auf uns. Wir saßen im Glashaus und haben es abbekommen“, sagt er. Dass ihm in den Debatten im Vorfeld außerdem unterstellt wurde, schlechte Qualität, Billigfleisch und Alkohol zu verkaufen, habe ihn getroffen. Er arbeite mit Qualitätsprodukten, mit viel frischem Gemüse und stelle alle Gerichte frisch her. Alkohol verkaufe er keinen. Auch er hat keine Anzeige wegen Rufmords erstattet. Wolle er auch in Zukunft nicht, wie er sagt. Die Orhankazis wollen endlich Frieden, das haben sie schon bei der Eröffnung gegenüber unserer Zeitung betont.

Deshalb verkaufen sie auch etwas recht Exotisches für einen Döner-Imbiss: Fahrkarten für die S-Bahn. Das war eine sehr wichtige Forderung der Gemeindevertreter an die Bahn. Der neue Pächter des Kiosks sollte in jedem Fall Fahrkarten anbieten. Bisher sind es zwar ausschließlich Streifenkarten, doch das soll sich in Kürze ändern. Dann können auch Tages-, Monats- und Jahreskarten bei ihm erstanden werden, verspricht Orhankazi. Zeitungen und Zeitschriften, die ebenfalls auf der Wunschliste der Gemeindevertreter standen, aber bietet er nicht an. „Danach hat bisher niemand gefragt“, betont der 28-Jährige.

Enormer Widerstandim Vorfeld

Der Kiosk am Bahnhof, der der Bahn gehört, war jahrelang leer gestanden. Bevor die Orhankazis ihr Kebaphaus einrichteten, hatte es heftigen Widerstand gegen die Planungen der Bahn gegeben. Unter anderem hatte der Gemeinderat einhellig – hier mit der CSU – eine Veränderungssperre erlassen und eine Resolution verabschiedet. Es lag ein Plan der Bahn vor, der sechs Stehtische und 22 Sitzplätze in dem Gebäude vorsah. Deutlich mehr, als die jetzt tatsächlich vorhandenen zwei Tische mit jeweils vier Stühlen im Gastraum und zwei davor.

Neben der Sorge vor einer großen Gastronomie spielte unter anderem auch noch das Überangebot an Döner-Imbissen im Zentrum Gröbenzells eine Rolle – wo es bereits zwei Läden gibt. Die Rathausverwaltung sollte deshalb nach Wegen suchen, den Kiosk als Kiosk wieder zu beleben und eine Nutzung als Döner-Laden mit Gastraum zu verhindern. sus

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