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Prozess ums Copyright

Rechtsstreit: Fußballer in Existenz bedroht

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Die B-Klassen-Fußballer von GW Gröbenzell müssen sich wegen eines angeblichen Verstoßes gegen Bildrechte vor Gericht verantworten. Es geht um viel Geld.

Gröbenzell – Die grün-weißen B-Klassen-Kicker hatten für das Trainingscamp einer Fußballschule auf ihrer Vereinshomepage im Internet ein Szenenbild eines Münchner Fotografen verwendet. Deshalb sollen sie nun annähernd 10 000 Euro Schadenersatz und Kostenerstattungen wegen Urheberverletzung zahlen. In erster Instanz hat der Verein einen Prozess bereits verloren. Am Donnerstag wird der Fall vor dem Oberlandesgericht erneut verhandelt. Das Urteil wird voraussichtlich noch im Frühjahr fallen.

Zum Hintergrund: Im Jahr 2014 hatte GW Gröbenzell den Talentsichtern einer privaten Fußballschule aus Martinsried ihren Platz überlassen. Er liegt im gemeindeeigenen Stadion an der Wildmoosstraße und wurde dem Verein zugeteilt. Die Talentsichter sollten ihn für fünf Trainingstage und für eine Gebühr von 680 Euro nutzen dürfen. Auf der Vereinshomepage wurde für die Veranstaltung geworben. Damals war der heutige Kläger und Münchner Fotograf noch Mitinhaber der talentsuchenden Fußballschule. Er hatte eine entsprechenden Lehr-DVD gestaltet. Von diesem Film stammt auch das umstrittene Foto, das von der Fußballschule selbst als Flyer verwendet wurde. Der Webmaster des Vereins stellte den Flyer samt Foto ins Internet. Was er nicht wusste: Der Kameramann hatte sich zwischenzeitlich mit seinen Mitgesellschaftern der Fußballschule verkracht und prozessierte ebenfalls wegen verletzter Urheberrechte.

Ein paar Wochen nach dem Trainingslager lag der Brief einer Münchner – auf Copyright-Verfahren spezialisierten – Rechtsanwaltskanzlei im Vereinsbriefkasten. Inhalt: Eine Abmahnung und eine Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung.

Die Clubfunktionäre – darunter Gröbenzells Bürgermeister Martin Schäfer als Vizepräsident – zeigten sich wenig kompromissbereit. Sie fühlten sich im Recht, weil ja nicht der Verein, sondern die Fußballschule, deren Gesellschafter der Kläger war, das umstrittene Foto verwendet und dem Verein zur Verfügung gestellt hatte. So schaukelte sich die Klage mit einem Gegenstandswert von zunächst 3000 Euro plus Gebühren und Zinsen auf mittlerweile fast 10 000 Euro.

Zwar hatten die Sportfunktionäre das „streitgegenständliche“ Bild sofort nach der ersten Aufforderung von ihrer Homepage entfernt. Nicht aber vom Server. Und das bedeutet: Für diejenigen, die sich vor der Löschung noch die so genannte URL-Adresse gespeichert hatten, war das Foto weiterhin abrufbar. Auch für den Fotografen, der es entdeckte und die Klage gegen den Verein einreichte.

Inzwischen vertritt Axel von Walter die Interessen des Vereins. Er ist Gröbenzells 3. Bürgermeister und hauptberuflich als Rechtsanwalt tätig. Ganz abgesehen von der Rechtmäßigkeit der Klage, gibt er zu bedenken, dass ein derartiges Vorgehen „gezielt das ehrenamtliche Engagement im Jugendsport untergräbt“.

Vor dem Landgericht München wurde im September ein erstes Urteil gefällt. Darin wurde dem Verein „zumindest Fahrlässigkeit“ zur Last gelegt. Ein Grund, so der damalige Richter: Gerade im Bereich des Urheberrechts würden hohe Sorgfaltsanforderungen gestellt. Die erneute Verhandlung an diesem Donnerstag werden Vereinspräsident Karl-Heinz Schnappinger und sein Fußballchef Fritz Lachner besuchen, um für ihren Verein zu kämpfen. Dessen Existenz steht bei einer Bestätigung des Ersturteils auf dem Spiel. Denn: Wie sollte er die Summe aufbringen? Immerhin: Im Rechtsstreit mit der Fußballschule hatte der Fotograf in zweiter Instanz eingelenkt und einem Vergleich zugestimmt. Der bewegte sich allerdings ebenfalls im fünfstelligen Bereich.

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