Regional statt global: Vor der Haustür aus der Krise

Fürstenfeldbruck - Vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie immer neuer Lebensmittelskandale gilt es, neue Formen des Wirtschaftens jenseits des gewohnten Wachstumsmodells voranzubringen. Ein zukunftsfähiger Weg könnte sein, nicht nur auf globale Märkte, sondern verstärkt auf Regionalität zu setzen.

Diese Meinung vertraten zwei namhafte Referenten bei der Informationsveranstaltung „regional macht wirtschaft - Lebensqualität durch Nähe“ der Solidargemeinschaft Brucker Land im Sparkassensaal. Vorab konnten sich die zahlreichen Gäste von der Qualität der Brucker Land Produkte überzeugen, für Unterhaltung sorgte die Improtheater-Gruppe des Viscardi-Gymnasiums.

Mit gelebten Utopien des Wirtschaftens von morgen setzte sich der Wirtschaftskritiker und Journalist Wolfgang Kessler auseinander. Er ist überzeugt, dass sich die Herausforderungen der Zukunft nicht durch eine rastlose Beschleunigung der Wirtschaft und der Finanzen lösen lassen. „Die Welt hält das nicht aus.“ Inzwischen gebe es zahlreiche regionale Initiativen von Menschen, die zeigen, dass es auch anders geht. Dabei beleuchtete er unter anderem die ressourcensparende, sozial gerechte Strompreisabgabe der Stadt Basel, ein genossenschaftliches Geschäftszentrum in Barmen oder die Förderung regionaler Produkte durch das Netzwerk Unser Land und deren Keimzelle Brucker Land.

Damit solche Initiativen erfolgreich sind, brauche es engagierte Bürger, die für ein Ziel eintreten, die entsprechende Strukturen und Netzwerke aufbauen und die möglichst viele Partner, wie etwa Unternehmen, regional tätige Banken und mutige Kommunalpolitiker, für ihre Sache gewinnen. Die Politik müsse von solchen Initiativen lernen, so Kessler. Er wünscht sich einen aktiven Staat, der in die soziale und ökologische Zukunft investiert, der bessere Bedingungen für kleine regional produzierende Unternehmen schafft, der umweltgerechtes Wirtschaften belohnt und die Menschen dabei sozial absichert.

Gründe und Wege für eine zukunftsfähige Regionalwirtschaft zeigte der Sozialethiker Markus Vogt auf. Seiner Meinung nach schließen sich Globalisierung und Regionalisierung keineswegs aus, sondern können einander ergänzen und stabilisieren. Er vertrat die Meinung, dass die Fixierung auf eine ressourcen- und kapitalintensive Umsatzsteigerung heute kein sinnvolles Ziel für die Wirtschaft mehr sein könne.

Der Kurswechsel zu nachhaltigen Konsum-, Arbeits- und Lebensstilen könne aber nur durch eine Reform hin zu einer ökosozialen Marktwirtschaft erreicht werden. Vogt hob dabei die vielfältigen Potenziale des Handwerks für eine ökosoziale Regionalwirtschaft hervor. Er sprach zudem die Verantwortung der Konsumenten an. Jeder könne täglich durch eine „Politik mit dem Einkaufskorb“ ein Stück mitentscheiden, was und wie produziert wird. Voraussetzung sei allerdings der Wandel weg vom mengenorientierten Konsum hin zum qualitätsorientierten, schonenden Gebrauchen der Güter.

In der regen Diskussion wurde deutlich, dass zum Erreichen all dieser Ziele vor allem ein Bewusstseinswandel notwendig sei. Denn noch greift die Mehrheit der Konsumenten nicht zu regional produzierten Produkten, sondern zur billigeren Massenware. Susanna Reichlmaier

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