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Endspurt: Noch sind die Regale des Rewe-Markts im Schlangenhaus nicht ganz befüllt. Der frische gebackene Einzelhänder Alexander Kersten war früher in der Bauabteilung tätig. Mit fast 40 suchte er eine neue Herausforderung.

Rewe eröffnet

Mit fast 40 nochmal Azubi sein

Fürstenfeldbruck - Nach 23 Jahren Festanstellung ist Alexander Kersten (39) beruflich noch einmal zu anderen Ufern aufgebrochen. Er hängte den sicheren Job als Bauleiter bei Rewe an den Nagel und wechselte die Seiten.

Statt Supermärkte umzubauen, betreibt er künftig selber einen. Kersten hat den neuen Rewe im Schlangenhaus an der Kurt-Schumacher-Straße übernommen, der am Dienstag eröffnet. „In meiner bisherigen Tätigkeit gab es für mich keine neue Herausforderungen mehr“, sagt er.

Ihn reizen die eigene Verantwortung und die Chance, etwas zu gestalten. „Es ist richtig spannend“, schwärmt der frischgebackene Einzelhändler, und in seiner Stimme schwingt auch nach zwölf Stunden Regale einräumen noch Begeisterung mit. Nach der Schule absolvierte der gebürtige Münchner, der einen Teil seiner Kindheit in Puchheim verbrachte, eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann.

Später setzte er noch den Handelsfachwirt drauf. Das Schreibtisch-Dasein endete, als er eine Stelle in der Bauabteilung bekam und Rewes damals jüngster Bauleiter wurde. „Irgendwann habe ich mir gesagt, ich bin noch keine 40. War’s das jetzt in meinem beruflichen Leben oder kommt noch was?“, erinnert sich Kersten.

Zehn Monate Einarbeitung

Nachdem er unzählige Märkte umgebaut hatte, reizte ihn die Vorstellung, sein eigenes Geschäft zu führen. Dort will er all die Innovationen verwirklichen, die er im Laufe der Jahre anderswo schon umgesetzt hat. Während einer zehnmonatige Einarbeitungszeit an verschiedenen Standorten in München und Augsburg schlüpfte er in alle Rollen, die man in einem Supermarkt spielen kann. Kersten wurde quasi wieder zum Azubi, und das mit fast 40. „Ich habe mir überall das Beste abgeschaut“, erklärt er. Natürlich wurden diese Monate nicht mit einem großartigen Gehalt bezahlt, aber das war es Kersten Wert. Dass er nun den Zuschlag für das Schlagenhaus bekommen hat, ist für ihn ein Volltreffer. Nicht nur, weil er von dem Standort an der Kurt-Schumacher-Straße überzeugt ist – sondern auch, weil er Bruck kennt und schätzt, nachdem er in der Vergangenheit schon einmal fünf Jahre hier gewohnt hat. „Ich hatte hier eine wunderschöne Zeit und verbinde daher etwas ganz Persönliches mit diesem Standort.“

Erstmal das Team kennenlernen

Außerdem ist es nicht weit bis nach Dachau, wo er inzwischen mit Frau und Tochter lebt. Sein zweieinhalbjähriges Kind hat momentan allerdings nicht allzu viel von seinem Papa. Denn der wirbelt von morgens um sieben bis abends um acht durch seine neue Wirkungsstätte. Einrichten, einräumen, mit Lieferanten verhandeln, Bestellungen machen, die Eröffnungsfeier organisieren, die 25 Mitarbeiter richtig kennenlernen und zu einem Team zusammenschweißen – alles ist aufregendes Neuland.

Nach der Eröffnung dürften seine Tage eher noch länger werden. Dann beginnt die Arbeit um sechs Uhr in der Früh, und abends nach Ladenschluss wartet noch die Abrechnung. „Es wird voraussichtlich ein halbes Jahr dauern, bis mein Team und ich uns sich optimal eingespielt haben“, vermutet Kersten. „Aber dann kann man vielleicht über Mittag mal ein, zwei Stunden nach Hause fahren." (Ulrike Osman)

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