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Ritter Stefan Pauli in den 1980er Jahren in voller Montur. Nach seinen Erzählungen war bei dem Mittelalter-Spektakel damals vieles spontaner als heute.

In Kaltenberg aktiv dabei

Ritter in der zweiten Generation

Seit Jahrzehnten ziehen die Ritterspiele auf Schloss Kaltenberg die Menschen in der Region in ihren Bann. Das gilt ganz besonders für eine Familie aus Fürstenfeldbruck. Stefan Pauli war 1986 erstmals als Ritter mit von der Partie. Inzwischen schlüpft sein Sohn Dominik in die eiserne Rüstung. Beide haben viel zu erzählen.

Die Ritterspiele wurden 1979 von Luitpold Prinz von Bayern ins Leben gerufen. Sieben Jahre später war Stefan Pauli als Schwarzer Ritter zu Bruck mit dabei. Der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger war damals gerade 17 Jahre alt. Er war Tänzer in der Faschingsgarde der Heimatgilde. Über eine Maibaumwache kam er in Kontakt mit Bierprinz Luitpold. Als dieser ihm und seinen Freunden vorschlug, doch mal ins Ritterkostüm zu schlüpfen, waren alle gleich Feuer und Flamme.

Fünf Jahre hintereinander war Stefan Pauli in Kaltenberg dabei – drei als Ritter und zwei als freiberuflicher Räuber. Dann hörte der heute 48-Jährige auf. Das Spektakel hatte sich verändert, was nun in Kaltenberg ablief, das waren nicht mehr so ganz seine Ritterspiele. „Es gab zu Anfang keine festen Aufgaben. Wir sind als Freunde zusammen gekommen und hatten eine unbeschwerte Zeit“, erklärt er. So seien sie zum Beispiel herumgelaufen und hätten zur Gaudi Leute an den Pranger gestellt. „Die mussten sich dann mit Weißbier bei uns freikaufen.“

Doch die Organisation veränderte sich. Die Ritterspiele wurden immer professioneller. Zu durchgetaktet und stressig für Stefan Paulis Geschmack. Von Jahr zu Jahr stiegen die Sicherheitsbestimmungen. Letzteres wohl auch wegen eines Vorfalls, an dem Pauli nicht ganz unbeteiligt war. Nach seiner Ritterpremiere in Kaltenberg saß er mit Freunden zusammen. „Bis tief in die Nacht wurde ohne Ende gefeiert und getrunken.“ Während diesem feuchtfröhlichen Gelage kamen zwei Ritter auf eine weniger kluge Idee. Sie lieferten sich einen Schwertkampf – bei dem am Ende echtes Blut floss und ein Kontrahent verletzt wurde. Ein Großaufgebot der Polizei sammelte noch in derselben Nacht alle Waffen ein. Für die Ritter, die danach ohne ihre geliebten Schwerter dastanden, sei das kein schöner Moment gewesen.

Trotz alledem möchte der zweifache Familienvater diese Zeit als Ritter in Kaltenberg nicht missen: „Mit 17, 18, 19 Jahren war das eine Faszination, ähnlich einem Festival. Wir konnten freitags komplett abschalten und für ein ganzes Wochenende in die Mittelalterwelt eintauchen.“ In gemütlicher Runde saß man abends bei Bier und Gegrilltem zusammen und genoss die Atmosphäre. Damals habe er für drei Tage 90 Mark bekommen. Heute bekämmen Freiwillige lediglich ein paar Freimarken. Den Rest müssten sie selbst finanzieren, obwohl sie ebenso Zeit und Engagement in die Veranstaltung stecken wie früher er und seine Freunde. Das findet Stefan Pauli nicht gut.

Wenn der Vater den Sohn trifft: Jetzt trägt der Junior das Rittergewand und der Senior kommt als Zuschauer auf das Turniergelände.

Auch sein Sohn Dominik hätte in Kaltenberg für seinen Einsatz vielleicht gerne etwas mehr Salär und auch größere Freiheiten. Trotzdem gefällt ihm das Spektakel. Er ist vergangenes Jahr in die Fußstapfen seines Vaters getreten – als Ritter. Der 19-Jährige war bei Umzügen dabei und bei Schwertkampfübungen für Kinder. „Es hat mir richtig Spaß gemacht“, versichert Dominik. Dieses Jahr kann er nicht teilnehmen, da er in seinem eigentlichen Beruf als Krankenpfleger keinen Urlaub bekommen hat, für den Ausflug ins Mittelalter. Aber für nächstes Jahr sind die Ritterspiele bei Dominik Pauli bereits fest eingeplant.

Ritterliche Tugenden wie Hilfsbereitschaft und selbstloser Einsatz für andere lebt der 19-Jährige übrigens auch im 21. Jahrhundert. Kurz vor seinem Einsatz in Kaltenberg rettete er am Münchner Bahnhof Pasing ein Menschenleben. Ein Betrunkener war ins Gleisbett gefallen – zwei Minuten bevor die nächste S-Bahn einfahren würde. Ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben sprang Dominik ins Gleisbett und zog den 1,90 Meter großen, 90 Kilogramm schweren Mann heraus. Kein leichtes Unterfangen, aber Dominik schaffte es. Mit letzter Kraft rettete er sich selbst vor dem nahenden Zug. Danach versorgte der junge Fürstenfeldbrucker die Wunden des Betrunkenen, kaufte zwei Fahrkarten und brachte den Mann nach Hause. Auf seine Heldentat angesprochen gab sich der damals 17-Jährige sehr bescheiden. „Ich habe den Mann so behandelt, wie ich selbst auch behandelt werden möchte.“ Eine wahrhaft ritteliche Einstellung.

von Christoph Riegel

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