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Römerturm bei Schöngeising: Die Spurensuche beginnt

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So könnte es ausgesehen haben: Eine Rekonstruktion des wohl zehn Meter hohen Bauwerkes.
So könnte es ausgesehen haben: Eine Rekonstruktion des wohl zehn Meter hohen Bauwerkes.

Schöngeising/ambrae - Historischer Fund mit Folgen: Auf der Amperinsel bei Schöngeising soll ein Römerturm gestanden haben. Jetzt beginnt die Spurensuche.

Erstmals seit 20 Jahren wird in Schöngeising wieder in großem Maßstab nach Spuren der Römerzeit gesucht. Wie gestern bei der Präsentation des Katalogs zur Archäologie-Ausstellung im Jexhof bekannt wurde, soll im Herbst auf der Amperinsel nach Fundamentresten eines Wachturms aus der Spätantike gegraben werden. Die Historiker vermuten, dass größere Teile eines monumentalen Grabmals, von dem schon Anfang der 90er Jahre Reste gefunden wurden, in eine solche Anlage verbaut wurden.

Die neuerlichen Untersuchungen hat Bernd Steidl, der stellvertretende Chef der Archäologischen Staatssammlung in München, angeregt. Für seinen Aufsatz über das antike Ambrae auf dem Gebiet des heutigen Ortes Schöngeising im Ausstellungskatalog wertete er noch einmal die Grabungen des Historischen Vereins aus den Jahren 1992 und 1993 am Ostufer der Amper aus.

Damals wurde Richtung Zellhof eine Art Werkplatz oder ehemaliger Steinmetzbetrieb freigelegt, auf dem sich auch größere Architekturfragmente fanden. Die Einheitlichkeit des Bauschutts - Jurakalk von jenseits der Donau - und die noch erkennbare Gestaltung (etwa ein Giebelgesims) lässt auf ein einziges Monument schließen. Es könnte sich zum Beispiel um ein Grabmal gehandelt haben, wie es sich reiche Römer errichten ließen.

Da solche Mausoleen eigentlich nicht zerstört werden durften, gehen die Historiker davon aus, dass die schweren Mauerteile für eine Befestigungs- oder Verteidigungsanlage gebraucht wurden. Errichtet möglicherweise in der Mitte des vierten Jahrhunderts, als die Römer ein letztes Mal versuchten, ihren Besitz nördlich der Alpen zu schützen und auch im rückwärtigen Teil ihrer Provinz Raetien ein Sicherungssystem anlegten, um große Straßen wie die von Augsburg über Ambrae nach Salzburg zu überwachen.

Ein weiterer Hinweis ist die mündliche Überlieferung, nach der noch im 18. Jahrhundert eine Turmruine auf der schmalen, langgezogenen Landzunge zwischen den beiden Amperarmen, direkt östlich des heutigen Schöngeising, erwähnt worden sein soll. Erst ein Hochwasser im Jahr 1767 schwemmte demnach die letzten Reste weg.

Die Archäologen hoffen, auf der Turminsel zumindest noch die Holzpfähle zu finden, auf der dann der bis zu zehn Meter hohe Beobachtungsposten mit einer Wandstärke von bis zu zwei Metern gesetzt wurde. Die meisten Steine dagegen, so die Vermutung, wurden im Lauf der Jahrhunderte in Schöngeisinger Häusern verbaut.

Die Grabung wird der Historische Verein des Landkreises durchführen. Die Leitung übernimmt Bernd Steidl selbst.

Katalog und Ausstellung

Die Archäologie-Ausstellung ist noch bis 4. November zu sehen. Der Katalog kostet 9,90 Euro. Er ist erhältlich im Bauernhofmuseum Jexhof oder im Bürgerservicezentrum des Landratsamtes. (op)

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