Gernlinden

In der Rostlaube rund um die Ostsee

Gernlinden – Einmal rund um die Ostsee, ohne Navi oder Autobahn: Die Gernlindner Juliane Cser (28) und Thomas Ruck (35) nehmen in einem 23 Jahre alten Wagen an einer ungewöhnlichen Rallye teil. Dabei zählt nicht nur, wer als erster wieder in Hamburg ist.

Er ist grün, hat ein paar Roststellen, aber der Motor brummt zuverlässig: „Berni“ ist Juliane Csers und Thomas Rucks ganzer Stolz. Den Audi haben sie extra für den Baltic Sea Cirlce gekauft, denn bei der Rallye dürfen nur Fahrzeuge mitfahren, die älter als 20 Jahre sind. Hinzu kommt bei Berni ein entscheidender Vorteil: Er ist leicht zu reparieren und gilt als gutes, langlebiges Modell. Das ist bei der Tour auch wirklich notwendig: 7500 Kilometer rund um die Ostsee wollen Cser und Ruck in ihrem Rallyeauto reisen, durch zehn Länder geht es in 16 Tagen. Auf die Autobahn darf Berni beim Baltic Sea Circle (BSC) nicht, in vielen Ländern gibt es gar keine. „Mancherorts gilt ein deutscher Feldweg schon als Hauptstraße“, weiß Thomas Ruck.

Die beiden Gernlindner sind 2015 auf die Rallye aufmerksam geworden. Damals waren sie mit ihrem Campingbus in Norwegen unterwegs, Skandinavien hat dem Paar schon lange gefallen. Am Nordkap begegneten sie mehreren älteren Autos mit großen Aufklebern und interessanten Leuten. Sie informierten sich über den BSC und fanden beide Gefallen daran. „Eigentlich wollte ich aber nicht vorschlagen, dass wir teilnehmen sollten, weil ich dachte, Juliane hätte keine Lust darauf“, erinnert sich Thomas Ruck. Doch auch seine Freundin war bereits begeistert von der Tour durch Skandinavien, Russland und das Baltikum, sodass sie sich als Team Nummer 32 für den BSC anmeldeten. „Das Abenteuer reizt uns“, sagt Juliane Czer, und ihr Partner ergänzt: „Wir sind keine Strandtouristen und immer auf Achse.“ Da sei die Rallye genau das Richtige.

Erst langsam erfuhren sie anschließend, was auf sie zukommen sollte. Der BSC ist keine gewöhnliche Rallye, bei der es nur darum geht, wer als erstes im Ziel ist. Im Gegenteil: Überall auf der Strecke gibt es Aufgaben, die die Teams erledigen müssen. Das wird dann mit Punkten belohnt. 2015 mussten die Teilnehmer zum Beispiel vom Autodach angeln und ein Tier hinters Steuer setzen. „Es ist viel Blödsinn dabei, aber man lernt bei manchen Aufgaben auch die Bevölkerung kennen“, sagt Thomas Ruck, der schon auf die diesjährigen Tests gespannt ist. „Man darf sich dabei selbst nicht so ernst nehmen.“ Das spiegle auch die Platzierung wieder: Die ersten drei Plätze werden vergeben, danach werden alle vierte. „Spaß und Spenden stehen dabei im Vordergrund.“ Mindestens 750 Euro soll jedes Team als eine Art Startgebühr an soziale Organisationen spenden. Bei Team 32 geht je eine Hälfte an die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und den Verein Deutsche Lebensbrücke.

Neben Berni und Spenden mussten die Gernlindner auch viele andere Dinge organisieren: ein Visum für Russland, Straßenkarten, ein eigenes Teamlogo, Zelt und Schlafsäcke. Die Hauptarbeit ist bereits erledigt, doch suchen sie jetzt noch nach jemandem, der die Scheiben ihres Audis abdunkelt. Denn für die Nächte im sommerlichen Skandinavien, wo die Sonne nie untergeht, brauchen sie einen dunklen Schlaf- und Rückzugsort. Eigentlich wollen sie aber campen, wann immer es geht – das bringt Punkte.

Am meisten freuen sich die Abenteurer auf Russland – ihrer Meinung nach das exotischste Land auf der Strecke. Dafür machen sie extra einen kleinen Umweg. Russisch sprechen sie zwar nicht, aber Juline Czer ist zuversichtlich, dass sie als Navigationstalent auch mit den kyrillischen Zeichen zurechtkommen wird. Nach der guten Vorbereitung und mit großer Vorfreude ist sie optimistisch, dass sie alles finden wird.

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