Ulrich Wegener vor dem alten Tower am Brucker Fliegerhorst

Gedenkfeier zum Olympia-Attentat

Rückkehr zum Ort des Grauens

Fürstenfeldbruck - Wenige Tage vor der Gedenkfeier zum Olympia-Attentat hat Ulrich Wegener den alten Tower am Brucker Fliegerhorst besucht.

Der GSG 9- Gründer erlebte hier vor 40 Jahren das blutige Ende der Geiselnahme mit - und zog danach die Lehren aus der Katastrophe.

„Es waren die miesesten Stunden meines Lebens“, sagt General Ulrich Wegener über die Nacht des 5. September 1972. Wegener war damals im alten Tower, als neun israelische Geiseln, ihre Entführer und ein deutscher Polizist im Kugelhagel auf dem Flugfeld starben. Zuvor hatten die Palästinenser zwei Geiseln im olympischen Dorf in München getötet. Wegener sah damals als Berater von Innenminister Genscher mit an, wie die deutschen Einsatzkräfte in München und Bruck beim Versuch, die israelischen Olympia-Sportler zu befreien, Fehler an Fehler reihten. Noch heute beschleiche ihn ein eigenartiges Gefühl, wenn er den alten Tower sehe, sagt Wegener. „Das nimmt einen immer noch mit.“

Der heute 83-Jährige war auf Einladung der Gneisenau Gesellschaft und der Offizierschule der Luftwaffe nach Fürstenfeldbruck gekommen. Nach dem Attentat und einem Besuch mit Israelis im selben Jahr war das sein dritter Aufenthalt auf dem Brucker Fliegerhorst. Natürlich habe er 1972 nicht den besten Eindruck aus Fürstenfeldbruck mitgenommen - vor allem, weil er wie Genscher unter dem Schreibtisch des Kommandeurs gelegen habe, als die Geiselnehmer das Feuer auf den Tower eröffneten. „Es war der schwärzeste Tag meines Lebens.“

Aber auch der Wendepunkt. Denn infolge des Massakers auf dem Brucker Fliegerhorst wurde Wegener damit beauftragt, eine Anti-Terror-Einheit ins Leben zu rufen. Damit war Bruck in gewisser Weise auch die Geburtsstunde der GSG 9, die einige Jahre später durch die erfolgreiche Geiselbefreiung in Mogadischu, als die Einheit ein Flugzeug stürmte, zu Ruhm gelangte.

Im Ludger-Hölker-Saal der Offizierschule und später in kleinerer Runde schilderte Wegener auch, welche Konsequenzen er und seine Truppe aus dem Desaster in Fürstenfeldbruck zogen. Denn hier war offenbar geworden, dass eine Anti-Terror-Strategie fehlte, dass der Nachrichtendienst verbessert werden musste und vor allem geeignetes Personal zu schulen war.

Wegener und sein Team spielten die Geiselnahme von München später nach. Das Fazit: Der Zugriff hätte in München erfolgen müssen, spätestens beim Abtransport in der Tiefgarage.

„Faktisch und operativ“ wäre es damals auch sinnvoll gewesen, das Angebot der Israelis anzunehmen und deren Sondereinheit einzusetzen, sagt Wegener. Das aber sei aufgrund der staatlichen Souveränität Deutschlands schlicht nicht möglich gewesen - genauso wenig wie der Einsatz der Militärs, die 1972 nur Zuschauer der Ereignisse blieben. (mjk/st)

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