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Forderung nach Aufnahme in höchste Prioritätenstufe

Neue S4-Resolution - Verwirrspiel um Fahrgastzahlen

Politiker jeder Couleur im Landkreis fordern erneut mit Vehemenz den baldigen S 4-Ausbau. Einstimmig verabschiedete der Planungsausschuss des Kreistags jetzt ein entsprechendes Papier.

Landkreis Nach den neuesten Entwicklungen mit dem Baubeginn für den zweiten Tunnel in München und der bevorstehenden Priorisierung von Ausbauplanungen rund um die Landeshauptstadt lagen im Ausschuss mehrere Anträge aus praktisch allen Fraktionen zur S 4 vor. Hintergrund: Sollte der dreigleisige Ausbau der Linie bis Eichenau nicht sofort in die höchste Wichtigkeitsstufe kommen, dann wäre der Plan auf Jahre hinaus verschoben.

Wie Landrat Thomas Karmasin (CSU) in der Sitzung feststellte, enthielten die verschiedenen Anträge vom Ergebnis her betrachtet keine nennenswerten Unterschiede. Im Ausschuss kam man daher überein, nicht jeden Antrag einzeln zu behandeln. Man einigte sich vielmehr auf einen gemeinsamen Text, den Kreisrat Dieter Rubenbauer (CSU) formulierte. Die Resolution enthält drei Punkte:

1. Die Staatsregierung wird aufgefordert, sich mit Nachdruck für den zügigen Ausbau des Westarms der S 4 einzusetzen – das bedeutet also, dass der Ausbau der S 4 in dem Vier-Phasen-Programm die höchstmögliche Priorisierung erreicht.

2. Die Staatsregierung wird aufgefordert, insbesondere dafür zu sorgen, dass, aufbauend auf den von ihr für die Vorplanung des Ausbaus der S4-West bereits zur Verfügung gestellten Mitteln, der reguläre Planungsprozess für diese Bahntrasse umgehend begonnen und konsequent bis zum vollziehbaren Planfeststellungsbeschluss vorangetrieben wird, sodass die Baumaßnahmen noch vor der Fertigstellung der 2. S-Bahn-Stammstrecke in Angriff genommen und durchgeführt werden können.

3. Die Staatsregierung und der Bayerische Landtag werden aufgefordert, die dafür notwendigen Mittel rechtzeitig zur Verfügung zu stellen.

Puchheims Bürgermeister Norbert J. Seidl (SPD) kritisierte in diesem Zusammenhang, dass man wenig über entsprechende Bemühungen des Landrats höre, wobei ihm auch klar sei, wie zäh das alles sei und dass man gegen Mauern renne. Er hofft, eine S 4-Allianz hinzubekommen. Wenn man wenig höre, dann liege das an seiner naturgegebenen Bescheidenheit, konterte Karmasin. In Wirklichkeit werde sehr wohl an dem Thema gearbeitet.

Der UBV-Kreisrat Jakob Drexler aus Hörbach erinnerte an den vor wenigen Jahren abgeschlossenen viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke Augsburg-München, dessen Folge die Verbesserung des Zugangebots auch im Westkreis gewesen sei. Seine Logik: ein Ausbau kann etwas bringen, der Beweis liegt in Althegnenberg und Haspelmoor und Mammendorf. Drexler forderte insgesamt, auf solche Lösungen zu setzen und den Straßenbau nicht weiter zu forcieren. Die angedachte Ortsumfahrung für Mammendorf etwa sei nicht zielführend, fand er. Sie bewirke höchstens, dass man schneller im Stau vor dem Aubinger Tunnel stehe. (st)

Welche Zahlen stimmen?

Die Region fordert sei langem Verbesserungen auf dem Westast der S 4. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) betonte allerdings unlängst gegenüber dem Münchner Merkur, dass die nackten Zahlen Verbesserungen nicht hergäben. Im Schnitt stiegen in Fürstenfeldbruck täglich 9000 Fährgäste ein und aus, sagte ein Sprecher der BEG. Das sei Durchschnitt.

 Gleichzeitig gilt der Westast der S 4 aber als eine der belastetsten Strecken in der ganzen Region. Wie nun aber verhält es wirklich mit den Zahlen? Der Beauftragte für den Öffentlichen Personen-Nahverkehr im Landkreis, Hermann Seifert, bezieht sich nach Anfrage auf die Mobilitätsbroschüre des MVV. Auf ihrer Grundlage werden die Einnahmen der Bahn berechnet – sprich: die in ihr genannten Zahlen sind relevant. 

Demnach würden in Bruck selbst 11 300 Fahrgäste je Tag gezählt, wobei man natürlich die Buchenau als Stadtteil von Bruck mit zusätzlichen 6800 Fahrgästen nicht vergessen dürfe. Bruck zählt am Tag also über 18 000 Fahrgäste. Die Stadt Dachau zähle ebenfalls mit zwei Bahnhöfen 17 800, die Stadt Starnberg 16 800, wobei die BEG auch in Starberg Bezug nehmend auf Aussagen der Bahn zum Fahrplanjahr 2015 nur 9000 Fahrgäste angibt. 

Dazu kommt lauf Seifert: Man darf von den Zahlen an einer Station nicht auf die Zahlen der ganzen Linie schließen. Nach Bruck kommt auf der S 4 in Richtung München ja bekanntlich Eichenau, Puchheim et cetera mit etlichen weiteren Fahrgästen. Beim Vergleich sei zudem das bestehende Angebot relevant, sagt Seifert. Dachau habe, anders als die S 4, einen Zehn-Minuten-Takt und, anders als Bruck, sinnvolle Regionalzughalte. 

So gesehen hätten die anderen Linien je Zughalt weniger Fahrgäste als die S 4. Relevant laut Seifert auch: Die Zahl der Pendler, die auf Linien aus dem Kreis kommend die Grenze zur Stadt München überqueren (etwa zwischen Puchheim und Aubing oder Gröbenzell und Lochhausen). Das seien insgesamt 80 000 je Tag. (st)

Kommentar: Ist das noch Irrtum oder schon Absicht?

Kreis-Politiker formulieren gemeinsam eine Forderung zum Ausbau der S 4, wieder mal. Das ist prinzipiell ja nur zu begrüßen, zumal in den nächsten Wochen die Entscheidung über die neue Prioritätenliste ansteht. 

Wie problematisch die Verhandlungslinien aber verlaufen und wie schwierig die Gemengelage ist, zeigt sich jetzt wieder in einem ganz konkreten Fall: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft geht (via Bahn) von ganz anderen Zahlen aus als die Verantwortlichen im MVV und die Planer vor Ort. Sie rechnen die Notwendigkeit von Verbesserungen nach unten – und lassen dabei auch noch ganz einfach mal den Bahnhof Buchenau unter den Tisch fallen, so, als gäbe es ihn nicht, oder so, als ob er nicht zu Bruck gehörte. Die Frage drängt sich auf: Ist das noch Irrtum oder ist das schon Absicht? 

Der Verdacht, dass es sich um letzteres handeln könnte, wabert schon länger durch die lokale Politik und wird immer schwerer zu entkräften. Die Geschichte des Ringens um Verbesserungen auf der S 4 ist von Nackenschlägen (exemplarisch erinnert sei an den Skandal vom Dezember 2015 mit der Streichung der Regionalzughalte) geprägt – und es wird immer schwieriger zu glauben, dass einst eine Lösung in greifbare Nähe rücken könnte. 

Dabei wird das Problem drängender – nicht nur wegen des Bevölkerungszuwachses, sondern auch wegen der beginnenden Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau, die sicher mehr Verkehr auf die wenigen Gleise der S 4 bringen wird. (st)

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