S-Bahn: Zwei Linien sollen für die S4 bluten

Fürstenfeldbruck - Der S 3 und der S 8 werden zwei Züge weggenommen, dafür erhält die überlastete S 4 zwei weitere hinzu. Dieser Vorschlag macht nun die Runde, die Politik muss darüber diskutieren.

Der Plan sieht folgendermaßen aus: In der Zeit von 6 bis 9 Uhr morgens sollen auf den Linien der S 3 und der S 8 jeweils eine S-Bahn abgezogen werden. Diese zwei Bahnen fahren dann nicht mehr über die Stammstrecke, sondern ab Pasing über den Heimeranplatz und weiter nach Deisenhofen - also über die Sendlinger Spange.

Damit wären auf der Stammstrecke Kapazitäten frei. Diese wiederum könnten dann mit zwei Zügen auf der Strecke der S 4 aufgefüllt werden - einer Linie, die ohnehin komplett überlastet ist. Im Gegensatz zur S 3 und S 8, die im Zehn-Minuten-Takt fahren, kommt die S 4 nur alle 20 Minuten. Mit dem Vorschlag würden somit auf der S 4 zwei zusätzliche Züge pro Stunde rollen. Was für die S 4-Fahrer ein Vorteil wäre, wäre gleichzeitig ein Nachteil für die Pendler auf den beiden anderen Linien: denen zwischen Maisach und Langwied sowie Germering und Westkreuz.

Als Sankt-Florians-Prinzip bezeichnet es Hermann Seifert, Leiter des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) im Landratsamt Fürstenfeldbruck: An der einen Stelle etwas wegnehmen, um es an anderer Stelle zur Verfügung zu haben. Für den Vorschlag habe das Landratsamt verschiedene Anregungen aufgegriffen, etwa von Kreisrat Ulrich Bode (FDP) und einigen Bürgern aus der Bürgerinitative zum S 4-Ausbau. „Es ist kein Vorschlag des Landratsamtes“, unterstreicht Seifert.

Die Gemeinde- und Stadträte der betroffenen Kommunen sollen nun entscheiden. Maisach etwa hat das Angebot in seiner Sitzung am Donnerstag auf der Tagesordnung. Bürgermeister Hans Seidl möchte der Entscheidung seiner Räte nicht vorweggreifen. „Ich halte es aber für schwierig, diese Veränderungen zwischen 6 und 9 Uhr zu realisieren“, sagt er. „Für uns wäre das eine spürbare Verschlechterung, die sich mit Anzeigentafeln auch nicht verbessern lässt.“ Ein weiterer Vorschlag war nämlich, etwa in Maisach und Gernlinden die S-Bahn-Fahrer mit elekronischen Zuganzeigen darüber zu informieren, ob ihre S-Bahn über die Stammstrecke oder die Sendlinger Spange fährt.

Auch Johann Thurner, Bürgermeister in Mammendorf, denkt bei dem Vorschlag an das Sankt-Florians-Prinzip. „Ich halte davon nichts“, sagt er. „Eine S-Bahn-Strecke muss sich durch Kontinuität auszeichnen.“ Für ihn sei etwas anderes viel wichtiger: „Wir müssen das Kernproblem in den Griff bekommen: den Ausbau der Stammstrecke.“

pak

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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