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Die Saatkrähen waren das Thema, das die rund 130 Zuhörer der Bürgerversammlung am längsten beschäftigte.

Bürgerversammlung

Saatkrähen ärgern die Gernlindner

Auch in Gernlinden sorgen Saatkrähen für Ärger. In der Bürgerversammlung wurde über den Lärm und Kot der Vögel geschimpft. Die Belastung für die Anwohner sei enorm, sagte Maisachs Bürgermeister Hans Seidl. Doch die Gemeinde könne ihnen nicht helfen.

Gernlinden – Die Saatkrähen haben sich nicht nur in den Bäumen am und um den Friedhof niedergelassen. Sie haben ihr Territorium auf weiter entfernte Grundstücke ausgedehnt. In der Bürgerversammlung meldete sich ein Anwohner der Zeppelinstraße zu Wort. Er habe genug von den Obermietern, sagte er. Die Regierung von Oberbayern erlaube den betroffenen Nachbarn zwar, „in die Hände zu klatschen und Luftballons steigen zu lassen“, um die Vögel zu vertreiben. „Aber das ist doch ein Witz!“ Der Lärm gehe bereits um 4 Uhr in der Früh los. Sein Appell an die Gemeinde: „Ihr müsst uns helfen!“

Das sei nicht so einfach, erklärten Bürgermeister Hans Seidl (CSU) und Eugen Bachhuber, gemeindlicher Naturschutzbeauftragter. „Wir werden aus Gründen der Gleichbehandlung keine Vergrämung in die Wege leiten und bezahlen“, sagte Seidl. Die Vögel würden nur ein paar hundert Meter weiterziehen – und dort andere Gernlindner nerven. „Die verklagen vielleicht sogar die Gemeinde, weil wir ihnen Krähen vor die Hautür getrieben haben.“

Mit Interesse beobachte man die Bemühungen in Puchheim, sagte der Rathauschef: „Die versuchen alles Mögliche und auch Unmögliche.“ Gebracht habe es bisher nichts. Auch deshalb werde die Gemeinde nicht in Vergrämungsmaßnahmen investieren. Seidl konnte nur vertrösten: „Wenn die Krähen noch mehr Schaden anrichten, lassen die Naturschutzfachleute vielleicht weitergehende Maßnahmen zu.“ Etwa die Vertreibung mit Falken.

Später klagte noch eine Gernlindnerin, dass der Kot die Grabsteine und -platten zerstöre. Zu hören war außerdem, dass die Vögel jüngst bei einer Beerdigung so laut waren, dass die Trauernden den Pfarrer kaum verstanden.

Einerseits Bäume erhalten, andererseits Baurecht schaffen

Zuvor hatte Seidl in 90 Minuten die Projekte in der Gemeinde vorgestellt. Er betonte, man wolle einerseits die Bäume als Charaktermerkmal Gernlindens großflächig erhalten, andererseits aber auch gerechtes Baurecht schaffen. Im Ortsteil hatte es jüngst eine Abfrage gegeben, wer dort bauen will. Der Bürgermeister präsentierte nun die Ergebnisse: Zwölf Personen/Familien haben sich gemeldet, sechs davon leben in Gernlinden. Die anderen sind, weil sie kein Heim gefunden haben, nach Bruck, Dachau und München gezogen – wollen aber zurück. Bei einer Familie ist die Finanzierung eines Hauses nicht gesichert – weshalb die Gemeinde nun davon ausgeht, dass sie fünf Bauplätze schaffen muss. Wo Platz wäre, darüber werde sich demnächst der Gemeinderat unterhalten.

Seidl sprach auch die Kritik an, dass in Gernlinden eine Gewerbehalle nach der anderen gebaut werde: „Die freiwilligen Zuschüsse, die die Gemeinde den Vereinen gibt, sind nur möglich durch die Gewerbesteuer.“ Er stimmte jedoch einem Bürger zu, dass die Firmenanwesen ordentlich aussehen müssen. Ein Gernlindner hatte zuvor gesagt, die Halle eines Discount-Möbelhändlers an der Ganghoferstraße sei ein „Schandfleck“. Seidl versprach, deswegen nochmals den Firmenbesitzer zu kontaktieren.

Als „wichtige Erfolge“ bezeichnete Seidl die Weiternutzung der früheren Druckerei und die Erweiterung des Hotels am Max-Rappenglitz-Ring: „Das stärkt den Wirtschaftsstandort enorm.“

Die Autobrücke an der Merianstraße werde bald saniert – die Sperrzeiten für den Bahnverkehr, die wohl rund 500 000 Euro kosten, will man nutzen, um gleichzeitig die Fußgängerbrücke über die Gleise auf Vordermann zu bringen. Und schließlich blickte Seidl quasi vom Bürgerzentrum nach draußen: Der Vorplatz wird ab Herbst umgebaut, so dass die Linden wieder besser wachsen können; für den Maibaum gibt’s ein neues Fundament (20 000 Euro); aber leider sei noch kein neuer Metzger in Sicht.

Helga Zagermann

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