Die Helfer von der Wasserwacht: Dieser besondere Einsatz ging an die Nieren. tb-Foto: Wasserwacht

Helfer aus Germering und Mammendorf

Als Sanitäter im Flüchtlingszug

Germering/Mammendorf - Rund ein Drittel der Flüchtlinge, die in Regen und Kälte versuchen, nach Deutschland zu kommen, sind Kinder. Liest man das schwarz auf weiß, ist man vielleicht überrascht. Doch Helfer aus Germering und Mammendorf haben das vor Ort erlebt – und es hat sie erschreckt.

 Die Ehrenamtlichen waren unterwegs mit Flüchtlingszügen. Sie kümmerten sich um die erschöpften Menschen. Viele von ihnen brauchten auch medizinische Hilfe. Einer der Helfer war Christian Seifert. Der Vorsitzende der Wasserwacht Germering hatte sich extra zwei Tage frei genommen, um gemeinsam mit drei anderen Sanitätern einen Zug von Freilassing nach Mannheim zu begleiten.

Auf der Fahrt nach Freilassing waren die Wasserwachtler sehr gespannt, was sie erwarten würde. Im Zug bereiteten sie dann erstmal Essen und Getränke vor – und einen abgetrennten Bereich, in dem sich Verletzte oder leicht Erkrankte melden konnten. „Schwerkranke müssen erstmal von Ärzten untersucht und getestet werden, sonst dürfen sie nicht in den Zug steigen.“ Das erklärt Rainer Bertram, Chef des Roten Kreuzes im Kreis Bruck, in dem die Wasserwacht organisiert ist.

In Freilassing dann letzte Besprechungen mit Bundespolizei, Sicherheitspersonal und Zugführer. Dann kletterten die ersten Flüchtlinge von den wartenden Bussen in den Zug. Christian Seifert und seine Mitstreiter hatten ein mulmiges Gefühl. Das war keiner ihrer üblichen Einsätze als Sanitäter. Das war etwas ganz anderes, auf das kein Kurs genau vorbereiten kann. Doch die Gemeringer und Mammendorfer waren entschlossen, alles so gut zu machen, wie irgendwie möglich.

Die Abteile füllten sich hauptsächlich mit jungen Familien. Fast 340 Flüchtlinge fanden in dem Zug schließlich Platz – darunter knapp 80 Kinder unter sechs Jahren. „Es waren so viele junge Menschen dabei. Die Hälfte der Flüchtlinge war unter 18 Jahre“, schätzt Christian Seifert. Unsicher hätten die Zugpassagiere gewirkt. Unsicher und ängstlich. Die Helfer von der Wasserwacht mussten erstmal das Eis brechen. „Wir haben mit allen Mitteln versucht uns zu verständigen.“

Das Team war froh, dass einige der Flüchtlinge englisch sprachen. Diese dolmetschten für die Sanitäter. Außerdem leistete ein „OhneWörterBuch“ gute Dienste. Es enthält Zeigebilder. Damit gelang es dem Team, die Unsicherheit der Menschen bezüglich ihres Reisziels erst einmal auszuräumen.

Nachdem der erste Hunger gestillt, die anfängliche Aufregung sich gelegt hatte, wurde es ruhiger im Zug. Die Wasserwachtler gingen regelmäßig durch die Abteile, falls jemand Hilfe benötigte. Weitere Lebensmittel, Wasser und Windeln wurden verteilt. Gegen 23 Uhr erreichten die Reisenden Mannheim.

Am Zielbahnhof wurden die Flüchtlinge von einem anderen Sanitätsteam abgeholt und in ihre Unterkunft gebracht. Die Helfer aus Germering und Mammendorf konnten sich in einem Hotel ausruhen. Bevor sie erschöpft in die Betten fielen, setzten sie sich bei einem Glas Bier zusammen und tauschten sich über das Erlebte aus. Dieser Einsatz hatte niemanden kalt gelassen.

Insgesamt war es der fünfte Einsatz für Sanitäter aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. BRK-Chef Rainer Bertram erklärt, dass die Hilfsorganisationen sich abwechseln, um die Aufgaben zu bewältigen. „In einem von allen Hilfsorganisationen gemeinsam betriebenen Einsatz– und Lagezentrum werden die Einsätze koordiniert.“

Die Züge werden auf Basis der erwarteten Anzahl an Flüchtlingen bereit gestellt und mit Personal bestückt. Momentan kommen weniger Flüchtlinge. Wann wieder Helfer aus dem Kreis Bruck gebraucht werden, kann Bertram derzeit nicht einschätzen. Seifert wäre bei einer Wiederholung der Aktion wieder dabei. Er möchte die Erfahrung nicht missen. „Jedem, der etwas Negatives über Flüchtlinge denkt, empfehlen ich, einmal in einem solchen Zug mitzufahren.“

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