Treue Seele: Während sein Herrchen in der Klinik lag, wollte Buddy tagelang nichts fressen. foto: privat

Hilfe auf dem Feld

Schlaganfall beim Gassigehen

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Fürstenfeldbruck – Oft genug schauen Menschen einfach weg, wenn andere in Not sind. Ein 67-Jähriger aus Fürstenfeldbruck tat das nicht. Er kümmerte sich um einen völlig Fremden, als jede Minute zählte.

Für einen 56-jährigen Brucker nahm ein Osterspaziergang ein tragisches Ende. Der Mann war am späten Nachmittag mit seinem Hund an der Leine bei Lindach auf einem Feld unterwegs – die Gegend ist bei Hundebesitzern zum Gassigehen sehr beliebt. Doch plötzlich war das Herrchen wackelig auf den Beinen.

„Er hat total geschwankt“, erzählt Georg Vilgertshofer. Der 67-Jährige, der ebenfalls auf Fürstenfeldbruck kommt, wollte gerade seinen Wagen parken und ebenfalls eine Runde mit seinem Vierbeiner gehen, als er den anderen Gassigänger beobachtete. „Zuerst hab’ ich gedacht, der fängt sich wieder. Aber dann ist er auf einmal umgekippt und blieb liegen.“

Sofort fuhr er mit seinem Auto näher heran, ließ Labrador „Pepper“ im Kofferraum zurück und eilte zu dem Liegenden. „Seine Augen waren offen und er hat auch geatmet“, sagt Vilgertshofer. Also sprach er den Gestürzten an. Doch der antwortete nicht. „Er hat mich nicht richtig wahrgenommen“, sagt Vilgertshofer. Schnell wählte er mit dem Handy den Notruf. „Ich habe den vom Rettungsdienst sofort gefragt, ob ich irgendwas für den Mann tun kann. Der hat gesagt, nein.“

Vilgertshofer griff nach der Leine des fremden Hundes, die auf dem Boden lag und wartete neben dem Patienten. Er sprach den Mann aber immer wieder an, damit er wach blieb. Lange Minuten vergingen. Dann endlich traf der Rettungsdienst ein und versorgte den am Boden liegenden. Vilgertshofer stand ein paar Schritte entfernt und passte nach wie vor auf den Mischling auf. „Der war die ganze Zeit über ruhig. Es hätte auch sein können, dass er mich oder die Retter angreift, wenn wir sein Herrchen berühren.“

In der Zwischenzeit wurde die Frau des Gestürzten daheim unruhig. Zu lange war ihr Mann bereits unterwegs. „Ich habe ihn nicht am Handy erreicht. Das war komisch.“ Als sie es vor Sorge nicht mehr aushielt, rief sie ein Taxi und ließ sich hinaus zum Waldrand fahren.

„Da habe ich schon Polizei, Hubschrauber und Rettungsdienst gesehen“, erzählt sie. Eine weitere Frau, die ebenfalls auf der Route mit ihrem Hund unterwegs gewesen war, kam dazu und nahm die Ehefrau in Empfang. Sie kümmerte sich um sie, während der Mann vom Notarzt betreut wurde. Ein Rettungshubschrauber, der am Waldrand gelandet war, nahm den Gestürzten schließlich mit.

Hund frisst zwischenzeitlich nicht mehr

Der Mann hatte auf dem Feld einen schlimmen Schlaganfall erlitten. „Ich lebe seit Tagen wie in Trance“, erzählt die Frau des Patienten einige Tage nach dem Unfall am Telefon. Dennoch will sie sich unbedingt bei der Frau bedanken, die sich um sie gekümmert hat. „Sie hat mich und unseren Hund heim gebracht und ist bei mir geblieben, bis das Kriseninterventionsteam da war. Wirklich toll“, sagt sie.

Vor allem aber gilt ihr Dank Georg Vilgertshofer für sein sofortiges Eingreifen am Unfallort. Auch Klaus Hartmann, Leiter des Fürstenfeldbrucker Rettungsdienstes, lobt: „Er hat super reagiert.“ Je länger ein Schlaganfallpatient ohne medizinische Versorgung ist, desto schlimmer sind die Folgeschäden. „An diesem Nachmittag ging es wirklich um Minuten.“

Durch die Reaktion des Retters sei der Mann schnellstmöglich behandelt worden. Der Gassigänger musste mehrere Tage in einer Münchner Spezialklinik bleiben. Mittlerweile ist der 56-Jährige aber wieder daheim in Fürstenfelbruck. Seine Frau und Hund „Buddy“, der während des gesamten Klinikaufenthalts seines Herrchens nicht fressen wollte, kümmern sich liebevoll um ihn. „Es geht ihm aber leider noch immer nicht gut“, berichtet die Ehefrau. Ob sich der Mann von dem Schlaganfall auf dem Feld wieder erholen wird, ist noch nicht klar.  

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