Das Graffiti-Mobil: Bayram Öztürk (l.) und Necati Tarhanaci machen Station im Landkreis Fürstenfeldbruck.

Das Graffiti-Mobil der Bahn

Schmierereien an Bahnhöfen: Sie machen sauber

Eichenau – Egal ob Edding oder Sprühfarbe – die Graffiti-Mobile haben das richtige Mittel dagegen. Seit 2010 fahren zwei Reinigungstrupps von Bahnhof zu Bahnhof auf der Jagd nach Schmierereien. Ein Besuch in Eichenau.

Atemschutz, Sicherheitskleidung und Handschuhe gehören zur Standardausrüstung von Bayram Öztürk, Necati Tarhanaci und Taric Marof Khail. Schließlich hantieren die drei mit ätzenden Lösungs- und Reinigungsmitteln, während sie den Bahnhof Eichenau im Landkreis Fürstenfeldbruck wieder auf Hochglanz polieren. Denn die Schmierereien und Graffiti, die die Fahrgäste vielerorts auf dem Weg zum Gleis erwarten, können ganz schön hartnäckig sein.

Seit April 2010 sind bayernweit zwei Graffiti-Mobile der Bahn im Einsatz. Die Reinigungskräfte befreien 150 Haltestellen im gesamten S-Bahngebiet von Schmierereien. Derzeit sind sie im S-Bahnnetz im Landkreis Fürstenfeldbruck unterwegs. Und sie arbeiten im wahrsten Sinne des Wortes mit Hochdruck an den verschmierten Flächen: Im Graffiti-Mobil steht neben allerlei Reinigungsmitteln auch ein 500-Bar-Hochdruckgerät mit drei Spezialdüsen für alle Fälle.

Weggepinselt: Necati Tarhanaci entfernt die Schmiererei im Treppenaufgang am Bahnhof Eichenau. Fotos: Kiener

Die Haltestelle in Eichenau reinigen Bayram Öztürk, Necati Tarhanaci und Taric Marof Khail heute bereits zum dritten Mal in diesem Jahr. „Dafür brauchen wir mindestens einen Tag – wenn es regnet und eine Mauer im Außenbereich beschmiert ist, müssen wir wiederkommen, wenn die Wand trocken ist“, sagt Bayram Öztürk.

Egal ob dicker Edding oder Sprühfarbe: Sie haben für alles das passende Mittel in ihrem rollenden Reinigungsbus. „Je nach Untergrund werden Graffiti entweder entfernt oder überstrichen“, sagt Bahnsprecher Bernd Honerkamp. Sprich: Auf Fliesen oder Glasscheiben oder den Automaten wird die Farbe abgelöst, Mauern werden überpinselt. Bei seinem Ausflug zum Eichenauer Bahnhof ist Honerkamp ein spezielles Graffito ins Auge gestochen: „Cry for Love“ steht am Eingang der Bahnunterführung. Es wurde nicht direkt aufs Mauerwerk gemalt – Schrift und Bild sind großflächig auf Papier aufgedruckt, das Werk des unbekannten „Künstlers“ wurde auf die Mauer geklebt. Hilft alles nichts, auch das muss weg.

Die Mitarbeiter des Graffiti-Mobils haben auch eine Prioritätenliste im Gepäck. Ganz oben: rechtsradikale, antisemitische Zeilen oder Symbole und Schriftzüge, die als Amtsbeleidigung einzustufen sind. „Die werden in der Regel innerhalb eines Tages entfernt“, sagt der Bahnsprecher. So kann es passieren, dass die Reinigungskräfte an einer Haltestelle die Arbeit unterbrechen und zur nächsten eilen müssen.

Das Graffiti-Mobil ist übrigens nur für die Haltestellen zuständig. Um Schmierereien in und an Zügen kümmert sich das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen, die DB-Netz-AG ist für Schallschutzwände und Unterführungen außerhalb der Bahnhöfe zuständig.

In Eichenau ist an diesem Tag auch ein Mitarbeiter im Auftrag des „Aufrechten Gangs“ unterwegs. Michael Heikenwälder ist seit acht Jahren für die Gemeinde als „Ramadama“-Helfer im Einsatz – er sammelt Kippen, Plastikmüll oder Papierschnipsel auf, die im Bahnhofsbereich herumliegen. „Ich wundere mich ja schon, dass es hier keine Videoüberwachung gibt“, sagt er. Honerkamp antwortet: „60 von 150 S-Bahnhaltestellen werden bereits videoüberwacht – an welchen überwacht wird, entscheiden Bahn und Polizei.“

Für das Hochdruck-Trio Öztürk, Tarhanaci und Khail bleibt jedenfalls genügend Arbeit. Auch nach Eichenau werden sie in nicht allzu ferner Zukunft wieder kommen müssen. (akk)

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