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Um 1897: Jexhof-Bäuerin Maria Riedl mit ihren Kindern und Hühnern.

Serie: Was alte Karten erzählen können

Der Jexhof in der sprachlichen Verschleifung

Einen Blick in die Geschichte werfen – und das ohne ein Buch aufzuschlagen? Die historischen Karten des Bayern-Atlas machen es möglich. Jeder kann sie online aufrufen. Das Tagblatt ist schon mal auf virtuelle Spurensuche gegangen – und hat Hintergründe recherchiert. Heute geht es um den Jexhof.

Als Jexhofen ist der Hof in der Karte (1808 bis 1864) verzeichnet. Die einzelnen Gebäude sind erkennbar.

Schöngeising – Das Bauernhofmuseum Jexhof ist heute eines der bekanntesten Ausflugsziele der Region. Die Geschichte des Hofes ist gut dokumentiert – und doch gibt es ein paar Rätsel, die wohl nicht mehr zu lösen sind. Als „Vorderer Ückshoff“ wurde das Anwesen im Jahr 1433 erstmals urkundlich erwähnt. „Das würde nahelegen, dass es auch den Hinteren Ücks-hoff gab“, sagt Museumsleiter Reinhard Jakob. Doch es gibt keinerlei Spuren oder Hinweise darauf, wo dieses Schwester-Anwesen gelegen haben könnte oder ob es überhaupt existiert hat.

Die Anlage des Bauernhofmuseums heute aus der Vogelperspektive.

Ebensowenig weiß man, wer den Jexhof wann genau gegründet und wer das erste Gebäude errichtet hat. „Das ist mysteriös.“ Eine Zeitlang nutzten Münchner Patrizier-Familien das Anwesen offenbar als Landsitz. Mehrfach wechselte es den Besitzer, bevor es schließlich 1564 vom Kloster Fürstenfeld erworben wurde. Fortan bewirtschaftete ein Angestellter der Mönche den Betrieb, der vor allem der Milchviehhaltung diente und 100 Tagwerk Wald umfasste.

Im Jahr 1949: Hofbesitzer Josef Riedl spannt die Pferde an für die Glockenweihe in Schöngeising.

Gleichzeitig war der Jexhof-Bauer aber auch auf eigene Rechnung unternehmerisch tätig, indem er einen Kohlenmeiler am nahegelegenen Bach betrieb. Dieser trug deshalb ursprünglich den Namen Köhlerbach, erst später wurde daraus der heutige Name Kellerbach. „Sprachliche Verschleifungen“ nennt Reinhard Jakob dieses Phänomen. Auch der Jexhof selbst ist davon betroffen.

Aufnahme etwa 1939: Mehrere Generationen der Besitzerfamilie vor dem Innenhof des Jexhofes.

Der Bayern-Atlas von 1808 sowie ein alter Katastereintrag bezeichnen den Einöd-Hof als „Jexhofen“. Wie es dazu kam, ist ungeklärt. Eigentlich trug das Anwesen bereits im 18. Jahrhundert seinen heutigen Namen. Das Wohnhaus und der Querbau sind die ältesten Gebäude auf dem Gelände. Wo immer es möglich war, benutzte man für Ersatzbauten Steine und andere Komponenten der Vorgängergebäude. „Es wurde weiterverwendet was nur ging“, sagt Jakob. „Recycling war auch damals schon wichtig.“

Um 1900: Sonntägliches Gartenidyll am Bauernhof. Vermutlich handelt es sich um einen Besuch von Verwandten.

Ab 1862 war der Jexhof im Besitz der Familie Riedl, die 12 300 Gulden dafür hingelegt hatte. Wie viel Geld das nach heutigen Maßstäben wäre, ist schwer zu sagen, „aber sicherlich Hunderttausende“. Die Riedls waren tüchtig und erfolgreich. Und trotz ihres einsamen Standorts lebten sie nicht hinter dem Mond – im Gegenteil. Was es an Fortschritt gab, holten die Besitzer auch auf den Jexhof. Es entstanden ein Getreide- und ein Maschinenstadl sowie ein ungewöhnlich großer Hühnerstall.

Früh ließen die Besitzer den Hof elektrifizieren und einen Heuaufzug installieren. „Das war damals der letzte Schrei“, so Jakob. Aus Repräsentationsgründen wurde ans Wohnhaus ein Balkon nach städtischem Vorbild angebaut. „Die Riedls wollten immer up-to-date sein.“ Doch nach dem Zweiten Weltkrieg ging es nicht nur mit der Landwirtschaft, sondern auch mit den Riedls bergab.

Familienfoto von 1904: Die Riedls mit ihren vier Kindern und den Dienstboten, Knecht und Magd, vor dem Wohnhaus.
Reinhard Jakob, Museumsleiter.

Die letzten Familienmitglieder, die auf dem Jexhof lebten, waren die Geschwister Maria und Josef. Ein Neffe, der den Betrieb erben sollte, ertrank als Jugendlicher im Weiher. 1980 verließ mit der Magd Resi Geiger die letzte Bewohnerin den Hof, auf dem sie 50 Jahre gelebt hatte. Der Versuch eines späteren Pächters, aus dem Besitz eine Ranch zu machen, scheiterte.

Der Jexhof wäre verfallen, hätte sich nicht 1983 der Förderverein seiner angenommen. Seit 30 Jahren ist der Besitz mit seinem historischen Charme ein Besuchermagnet – nicht zuletzt, weil es sich um eine gewachsene Anlage und kein zusammengetragenes Sammelsurium handelt. „Für ein Museum“, sagt Reinhard Jakob, „ist das eine außergewöhnliche Geschichte.“

Von Ulrike Osman

Der Bayern-Atlas

Der Bayern-Atlas steht im Internet unter www.bayernatlas.de. Jeder kann kostenlos darauf zugreifen.

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