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Auch in der Ausstellung zu sehen: ein so genannter „Nick-Neger“, der sich mit einer artigen Kopfbewegung für eine Spende bedankt. 

Neue Ausstellung am jexhof 

Mission Übersee: Als die Patres in Afrika den Glauben verbreiteten

Schöngeising Lang, lang ist’s her, dass man auf der Wiesn noch „Zulu-Kaffern“ bestaunen konnte wie im Jahr 1879 oder sich mit leichtem Schaudern die letzten der „aussterbenden Lippen-Negerinnen“ vorführen ließ wie noch im Herbst 1930. Die mechanischen „Nick-Neger“, die sich mit einer artigen Kopfbewegung für eine Spende bedankten, sind ebenso ausgestorben wie die Kolonialwarenläden oder die Sammelalben eines Margarine-Herstellers für Bildchen aus Afrika. Aber die Zeit, in der auf dem fernen, schwarzen Kontinent noch Heidenkinder auf Erlösung und Wilde auf die Zivilisation warteten, lebt dieser Tage wieder am Jexhof auf. Die jüngste Sonderausstellung des Bauernhofmuseums widmet sich der Übersee-Mission am Beispiel St. Ottiliens und dem Bild von Afrika, das in jenen Jahren in die Heimat transportiert wurde.

Die üppig ausgestattete Ausstellung lässt vergessen, dass es nicht leicht war, einen lokalen Bezug zum Landkreis herzustellen. Laut Eröffnungsrednerin und Vize-Landrätin Martina Drechsler sollen zwar viele Bayern der Kolonialpolitik als reinem Geschäft für preußisches Handelskapital misstraut haben. Dafür finden sich am Jexhof allerdings keine Hinweise. Aber die „Heidenmission“ überlebte das Kaiserreich noch lange. Davon zeugt etwa eine Spendenliste des Maisacher Pfarrers aus den 1920er-Jahren und ein heute kurios wirkendes Dokument noch aus dem Jahr 1962: Eine Gabriele aus Germering hatte sich zur Kommunion ein „Heidenkind“ gewünscht. Für 21 Mark, bestätigte eine Urkunde der Don-Bosco-Schwestern, wurde ein afrikanisches Kind auf ihren Namen getauft.

Solche Einzelspenden waren seit jeher unverzichtbar für die Ostafrika-Mission des Klosters St. Ottilien, die einen Großteil der Ausstellung einnimmt. Die Patres (und Schwestern) kamen ab den 1880er-Jahren ins damalige Deutsch-Ostafrika, bauten Kirchen, Krankenhäuser und Schulen und mühten sich im ländlichen Tansania um die Verbreitung des Christentums. Aber auch ihre Missionsstationen wurden bei den wiederholten Aufständen niedergebrannt.

Das Wirken der Brüder sei ambivalent gewesen, heißt es in den Ausstellungstexten. Auch sie waren demnach von ihrer zivilisatorischen Überlegenheit überzeugt, nahmen die Einheimischen anders als viele Kolonialherren aber eben auch als Christenmenschen wahr.

Das Kolonialwarengeschäft von Sofie Buchner in Alling, um 1910.

Die Benediktiner waren es außerdem, die abseits der Kaffern-Ausstellungen ein etwas authentischeres Afrika-Bild nach Hause vermitteln konnten – durch Publikationen, Briefe und Besuche daheim. Und sie sorgten mit dem Aufbau eines Priesterseminars indirekt dafür, dass ein gegenseitiger Austausch beginnen konnte.

Fünf Jahre, nachdem die Dachauer Lokalzeitung noch einen Entwicklungshelfer mit der Überschrift „Bruder Albert lehrt die Neger hobeln“ verabschiedet hatte, kam 1957 ein schwarzer Pater aus dem Priesterseminar nach Deutschland und besichtigte bayerische Klöster. Erst 1982 endete die Mission auch offiziell, aus den Missionaren wurden normale Pfarrer.

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Öffnungszeiten

Die Ausstellung ist bis 29. Januar im Bauernhofmuseum Jexhof zu sehen. Geöffnet ist die Schau Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

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