Im Bauernhofmuseum

Darum machen Kleider Leute – Ausstellung im Jexhof

Modetrends kommen und gehen. Was heute noch angesagt ist, kann morgen schon wieder total out sein. War das bei unseren Urgroßeltern und deren Vorfahren auch schon so? Wer das herausfinden will, sollte die neue Ausstellung im Bauernhofmuseum Jexhof besuchen.

Schöngeising – Kleidung dient nicht nur dem Schutz und der Verhüllung. Sie ist auch ein Mittel der Kommunikation. Das galt bereits vor 200 Jahren. „Man hat den Leuten an der Garderobe angesehen, zu welcher Schicht sie gehören“, sagt Jexhof-Leiter Reinhard Jakob. Wie genau das damals im Brucker Land ausgesehen hat, ist seit dem gestrigen Donnerstag im Bauernhofmuseum zu bestaunen. In der Sonderausstellung „Kleider machen Leute“ können Besucher Original-Exponate aus der Zeit zwischen 1850 bis 1950 bestaunen.

Vom Brautkleid über die Trachtenrobe bis hin zur Bademode und Unterwäsche ist alles dabei. Die Stücke stammen teils aus dem Jexhof-Fundus oder von Museen aus dem Umland. Vieles steuerten nach einem Aufruf in der Zeitung auch Bürger aus dem Landkreis bei. „Die Resonanz war riesig. Ich bin mir vorgekommen, wie in einer Boutique“, erzählt Jexhof-Chef Jakob und lacht.

Die Kleider seien meist zusammen mit alten Fotos der Vorfahren gebracht worden. Für die Ausstellung wurden die Bilder auf Leinwände aufgezogen und mit Infotexten versehen. Daneben werden – fein hergerichtet – die Gewänder präsentiert.

Dafür ist Ruth Strähhuber zuständig. Die 45-Jährige kümmert sich seit 18 Jahren um die Museumsgestaltung. „Meistens brauche ich rund drei Monate für die Vorbereitungen auf neue Veranstaltungen. Aber wegen der verschiedenen Themen ist es sehr abwechslungsreich“, sagt Strähhuber, während sie einen Bürstenhalter aus dem Jahr 1920 aufhängt. Unterwäsche sei erst ab dem 20. Jahrhundert beim Bürgertum üblich gewesen, so die Gestaltungsexpertin. „Modebewusste Frauen griffen dann sogar zum Korsett. Damit sie in die stark detaillierten Kleider reinpassen“, erklärt die 45-Jährige schmunzelnd.

Direkt ins Auge fällt der rote Badeanzug. Mit den knielangen Hosenbeinen und dem Cordstoff hat das Stück nicht viel Ähnlichkeit zur heutigen Strandmode für Frauen. „Das haben Damen zum Schwimmen getragen. Wobei: Richtig schwimmen konnte damals eh niemand“, sagt Jakob.

Im 18. Jahrhundert war die Kleidung noch sehr stark an den sozialen Stand gebunden. So war es dem Kleinbürgertum etwa verboten, Gold oder Silber zu tragen. Diese Vorgaben lösten sich im Laufe der Zeit. „Um 1900 rum gab es dann kaum noch Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Schnitten“, erklärt der Museumsleiter. So trugen die wohlhabenderen Männer ab den 1950-er Jahren sogar lieber schlichte Konfektionsanzüge, als die extravagante Adelstracht. Auch heute noch schlüpfen Herren in schwarze Jacken und Hosen – zumindest zu besonderen Anlässen.

Alexandra Müller

Die neue Ausstellung

ist bis 5. November zu sehen. Der Eintritt ist im Museumspreis inbegriffen. Weitere Informationen im Internet unter www.jexhof.de

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