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Seit zehn Jahren können die Schöngeisinger im Dorfladen einkaufen. Macht das Geschäft einen Monatsumsatz von 65 000 Euro, liegt alles im grünen Bereich.

Zehn Jahre Dorfladen Schöngeising

Mit neuer Kühlung soll alles besser werden

Seit zehn Jahren bietet der Dorfladen den Schöngeisingern die Möglichkeit, vor Ort Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen. Genauso lange hat er mit Umsatzschwankungen zu kämpfen – aber hält sich trotz aller Schwierigkeiten über Wasser.

SchöngeisingIm Herbst soll der lange erwartete Umbau stattfinden, der die Betreiber auf erhebliche Kosteneinsparungen hoffen lässt. Dabei geht es vor allem um den Austausch der Kühlanlage. Seit zwei Jahren wartet der genossenschaftlich betriebene Laden auf eine gebrauchte – und damit bezahlbare – Anlage von Handelspartner Rewe, der auch den größten Teil des rund 3000 Artikel starken Sortiments liefert. Nun endlich sei der erlösende Anruf gekommen, dass eine Anlage zur Verfügung stehe, freut sich Aufsichtsratsvorsitzender Sigurd Höppner. „Weil so lange Zeit nichts vorwärts ging, hatten wir schon Zweifel, ob es die Geräte überhaupt gibt.“

Derzeit wird der Umbau im Detail vorbereitet. „Da hängt ein ganzer Rattenschwanz mit dran“, sagt Genossenschaftsvorstand Gerhard Liebmann. Ein Architekt muss den Einbau planen, eine Kältetechnikfirma ihn möglichst günstig durchführen. Um die Kühlgeräte in die Räume zu bekommen, werde man wohl das große Fenster zur Straße herausnehmen müssen, erklärt Höppner.

Stromkosten müssen sinken

Rohre müssen neu verlegt und die Verdunstungsanlage aus dem Keller ins Erdgeschoss verlagert werden. „Und dann müssen wir die neuen, 700 Kilo schweren Teile hineinwuchten.“

Währenddessen wird das Kühlgut einige Tage in einem Container oder Kühlwagen zwischengelagert. „Wir machen uns gerade Gedanken darüber, wo wir so etwas am besten herbekommen“, so der Aufsichtsrat. Denn auch hier gilt: je günstiger, desto besser.

Ist die neue Kühlanlage erst installiert, sollen die Stromkosten spürbar sinken. Einen gewissen Fortschritt hat laut Höppner bereits eine Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik gebracht – er hofft allein hier auf Einsparungen von 30 bis 40 Prozent.

Wichtig sind die Ausgabensenkungen nicht zuletzt deshalb, weil an anderer Stelle die Kosten nach oben gehen – mit Sorge denken die Verantwortlichen an den zum nächsten Jahr erneut steigenden Mindestlohn. „Den spüren wir deutlich“, sagt Höppner. Das Umsatzniveau, das der Laden zum Überleben braucht, schraube sich dadurch sukzessive nach oben. Aktuell liegt es bei 65 000 Euro im Monat beziehungsweise 195 000 Euro im Quartal. Die Schöngeisinger müssten also möglichst oft möglichst viel in ihrem Dorfladen einkaufen.

Doch die Umsätze unterliegen saisonalen Schwankungen, die sich im Laufe des zehnjährigen Bestehens mehr oder weniger regelmäßig wiederholen. Schwierige Monate sind Januar und November, während Mai und Juni meist gut laufen – abhängig allerdings „von Wetter und Ferien“, wie Höppner sagt.

Im gemeindlichen Mitteilungsblatt hält die Genossenschaft die Bürger über das Auf und Ab der Umsätze auf dem Laufenden. Lächelnde oder traurige Smileys geben darüber Auskunft, ob das Geschäft im zurückliegenden Monat seine Umsatzziele erreicht hat oder nicht. Im ersten Quartal 2018 vergoss der Smiley angesichts eines Minus von über 18 700 Euro gar eine Träne. Im April fehlten fast 3000 Euro zur schwarzen Null, im Mai nur noch 2000.

Im Juni lacht der Umsatz-Smiley

Im Juni erzielte der Laden mit einem Umsatz von 66 700 Euro erstmals in diesem Jahr mehr, als er zum Überleben braucht – es geht also wieder aufwärts. „Der Juni war wieder ganz gut“, sagt Vorstand Liebmann erleichtert. „Aber der Laden macht keinen stetigen, stabilen Umsatz. Wir sind immer an der Wasserkante, damit müssen wir klarkommen.“

Einen neuen „Rüttelbrief“, wie vor drei Jahren, will Sigurd Höppner aber momentan nicht schreiben. Damals hatte er die Bürger per Hauswurfsendung dazu aufgefordert, mehr im Dorfladen einzukaufen – ansonsten müsse das Nahversorgungsangebot, das gerade für Ältere ohne Auto wichtig ist, schließen. Das Schreiben zeigte Wirkung, die Umsätze zogen an. Etliche Bürger zeichneten neue Genossenschaftsanteile und verhalfen dem Laden damit zu frischem Kapital, auch die Gemeinde stieg mit rund 25 000 Euro ein. „Die Unterstützung der Bevölkerung und der Gemeinde hat uns sehr geholfen“, sagt Höppner.

Schützenhilfe kommt auch vom örtlichen Rechnungsprüfungsausschuss. Dieser mahnte kürzlich an, dass bei Einkäufen der Gemeinde die lokalen Betriebe stärker berücksichtigt werden sollten. Den Prüfern war negativ aufgefallen, dass das Kinderhaus Einkäufe bei größeren Supermärkten statt im Dorfladen getätigt hatte.

Dabei kann sich das Angebot des Genossenschaftsladens durchaus sehen lassen, wie Höppner betont. „Das Sortiment ist gut an die Bedürfnisse der Kunden angepasst, und es gibt immer wieder kleine Besonderheiten.“ Viele Leute seien geradezu verblüfft, was sie im Dorfladen alles bekommen könnten. „Inzwischen verzeichnen wir sogar erste Rückläufer aus der Buchenau“, berichtet Höppner. Es gebe Kunden, denen das AEZ einfach zu groß sei und die feststellten, „hier ist es ja viel toller“.

Ulrike Osman

Der Dorfladen war auch schon Gesprächsthema im Gemeinderat

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