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Agrarwissenschaftlerin Regina Köhler bindet die abgeschnittenen Ähren zu Getreidemanderln.

Bauernhofmuseum

Erntezeit für historische Getreidesorten am Jexhof

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Das Projekt, alte Getreidesorten am Jexhof anzubauen, stellte sich als voller Erfolg dar. Nun war es an der Zeit, die Ernte einzufahren. Zumindest das, was unbekannte Futterdiebe noch übrig ließen.

Schöngeistig – Das Getreide war so schön gewachsen. Eigentlich wäre der Versuch, im Archegarten am Jexhof alte Sorten anzubauen, ein voller Erfolg mit gutem Ertrag gewesen. Doch die leckeren Ähren lockten ungebetene Gäste an – nun ragen viele sauber abgefressene Halme in die Luft. Waren es Rehe, Mäuse oder Vögel? „Wir wissen es nicht“, sagt Regina Köhler vom Arbeitskreis „Alte Getreidesorten“ des Fördervereins Jexhof.

Es ist nicht so, dass die komplette Ernte ruiniert ist. Nur dezimiert wurde sie. Der Mauerner Braune, eine Weizenart, Hafer und Einkorn sind am schlimmsten betroffen. Hans Machnitzke, Museumsbegleiter und Mitglied im Arbeitskreis, schwingt dennoch geschickt die Sense. Geerntet wird auf historische Weise, passend zu den historischen Sorten. Machnitzke hat als Kind noch gelernt, wie man mit einer Sense mäht.

Die Agrarwissenschaftlerin Regina Köhler und ihr Mann Andreas Günthner haben ebenfalls schon fleißig Hand angelegt. Die geschnittenen Ähren haben sie zu Garben gebunden und zu Getreidemanderln aufgerichtet, um sie auf dem Feld trocknen zu lassen. Das war früher Usus, „denn man hatte ja während der Ernte nicht auch noch Zeit zum Dreschen“, so Köhler. Und nass konnte man das Getreide nicht einlagern.

Mit dem bisherigen Verlauf des Anbauversuchs ist die 55-Jährige mehr als zufrieden. Die meisten der insgesamt 17 Sorten seien ausgezeichnet gewachsen. Darunter sind Buchweizen und Buschbohnen, Gelber Senf, Champagnerroggen und die Weizenart Mauerner begrannter Dickkopf, die aus der Region stammt. „Auch unsere Rote-Liste-Art, das Einkorn, sieht sehr gesund aus“, freut sich Köhler. Sogar das schlimme Hagel-Unwetter vom Pfingstmontag hat das Getreide gut überstanden. Lediglich der Keltische Glattweizen bereitet Probleme – die Körner fallen zu leicht aus den Ähren.

Daher kommt das Wort „Durchhecheln“

Aber nicht alles ist schon reif zum Ernten. Der Lein braucht noch ein wenig. Er wird noch eine Menge Arbeit machen, wenn sie historisch korrekt zu Werke gehen wollen. Die Samenstände des Leins müssen „abgeriffelt“, sprich, über eine Art Kamm gezogen werden. „So bekommt man Leinsamen fürs Müsli“, erklärt Machnitzke.

Die Stengel werden anschließend von Hand ausgerissen, mit Hilfe eines Fäulnis- und Trocknungsprozesses behandelt, um die Fasern freizulegen, und dann ebenfalls gekämmt. Dieses Kämmen heißt in der Fachsprache hecheln. Weil dabei gründlich gearbeitet werden muss, hielt das „Durchhecheln“ eines Themas Eingang in die Umgangssprache. Auch der Begriff flachsen hat laut Machnitzke seinen Ursprung in der Leinernte – das Kämmen des Leins oder Flachses war eine vergleichsweise vergnügliche Arbeit, bei der geratscht und gelacht wurde.

Der Ertrag aus der Fläche am Jexhof kann später versponnen werden. Er wird schätzungsweise für ein Stück Stoff von der Größe eines Handtuchs reichen, „aber eines Gästehandtuchs“, wie der Museumsbegleiter einschränkt. Das ist der Grund, warum Leinen in vergangenen Zeiten so kostbar war.

Auch die Hirse braucht noch ein wenig. „Sie war früher in Bayern das Hauptgetreide, bevor sie von der weit ertragreicheren Kartoffel verdrängt wurde“, erklärt Köhler. Das händische Dreschen der Hirse und anderer Sorten wird am 22. September im Rahmen des Erntedankfests auf dem Jexhof zu sehen sein. „Fazit: Nach der Ernte geht die Arbeit erst los.“

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