Ausstellung am Jexhof 

Das frühe Werk des Tigerenten-Erfinders

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Bär, Tiger, Tigerente – das sind die Fabelwesen, die man mit Janosch verbindet. Doch das Werk des berühmten Kinderbuch-Illustrators ist viel mehr als das. Der Jexhof widmet nun eine Ausstellung dem frühen Janosch – und einer Zeit, als er am Ammersee lebte.

Schöngeising – Ein Wirrwarr abstrakter Formen. In einer Naturlandschaft liegt ein uniformierter Soldat auf dem Rücken. Und eine nackte Frau reitet auf einem Mann. Das alles sind Janosch-Werke, die derzeit im Jexhof zu sehen sind. Ja, richtig gehört: Janosch, der Kinderbuch-Illustrator und Schöpfer der berühmten Tigerente. Der schlesische Zeichner und Autor, der eigentlich Horst Eckert heißt, hat mehr erschaffen als Tiger und Bären. Was nur wenige wissen: In seinen frühen Jahren versuchte sich Janosch auf dem Feld der abstrakten Kunst. Das und vieles andere zeigt die Sonderausstellung im Jexhof, die am Donnerstagabend im Bauernhofmuseum eröffnet hat. Der Titel: „Janosch: Vom Ammersee bis Panama. Aus Leben und Werk des Zeichners und Autors Horst Eckert“.

Die Ausstellung beschäftigt sich vor allem mit seinem Leben und frühen Werk bis zum Jahr 1980. Man könnte sie thematisch aufteilen in: abstrakte Kunst, erste Kinderbücher und Tiger- und Bären-Phase. Unter anderem kann man an Infotafeln Biografisches nachlesen oder Gemälde von seinen Eltern betrachten. Die Besucher können sich rund 150 Objekte, darunter etwa 120 Zeichnungen und Gemälde ansehen. Aber sie erfahren auch, was für ein Mensch Janosch ist. „Wir sind keine Galerie, sondern ein Museum“, sagt Jexhof-Leiter Reinhard Jakob. Daher sei es wichtig, neben den Werken auch einen biografischen Aspekt zu zeigen. Wer weiß schon, dass Janoschs Karriere am Ammersee begann?

1960 zieht er in ein Haus in Greifenberg (Kreis Landsberg), wo er 20 Jahre lang lebt. Hier schreibt er etwa den Erwachsenen-Roman „Cholonek“, in dem er sich schonungslos mit seiner Kindheit auseinandersetzt. „Die Jahre bei seinen Eltern sind für ihn die Hölle“, sagt Jakob. Horst Eckert wird 1931 in Oberschlesien geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlässt er mit seinen Eltern die polnische Heimat – in einem Interview bezeichnet er sich selbst Jahrzehnte später als Schlesier. Sein Vater ist ein aggressiver Alkoholiker. Auch zu seiner Mutter hat Janosch ein schlechtes Verhältnis.

Am Ammersee verarbeitet er das alles. Er schreibt und zeichnet tage- und nächtelang. Er erstellt Aquarelle, Ölbilder und Radierungen. Darin thematisiert er Krisen zwischen Mann und Frau sowie die Suche nach Glück und Wahrheit. Im Jexhof ist etwa ein riesiger Bauernschrank aus dem Ammersee-Haus ausgestellt. Darauf: Gemälde christlicher Ikonen.

Diese melancholische und schwermütige Seite Janoschs kann man in seinen Werken im Bauernhofmuseum kennenlernen. Doch freilich findet man auch Zeichnungen und Bücher voller Fantasielandschaften, Tiger, Bären und Tigerenten, die Janosch ab Ende der 1970er-Jahre erfindet. Jakob glaubt, dass die Landschaft am Ammersee Janosch zu seinen Fabelwelten inspiriert haben könnte. Auch wegen der Nähe des Jexhofs zum Janosch-Haus habe man dem Künstler eine Ausstellung gewidmet.

Nach den Kriegswirren beginnt Janosch in Nordrhein-Westfalen eine Ausbildung zum Textilzeichner. 1953 zieht er nach München und versucht, an der Akademie der Bildenden Künste aufgenommen zu werden. Er will abstrakt malen, allerdings fehlt ihm das nötige Talent. Fortan rät man ihm, aus seinen Zeichnungen Kinderbücher zu machen. 1960 erscheint „Die Geschichte von Valek dem Pferd“. Janosch verkaufte anfangs nur 17 Stück bei einer Auflage von 400, sagt Jakob. Im Valek heißt es: „Siebzehn Tage weinte Valek am Grabe von Wanja Valeska. Siebzehn Tage und Nächte. Er weinte an dem Grabe, auf dem geschrieben stand: Hier ruht Wanja Valeska, ein Kanonier.“

Den Durchbruch schafft Janosch mit „Oh, wie schön ist Panama“ (1978). Es ist die Geschichte, wie der kleine Bär und Tiger nach Panama reisen. Letzterer zieht eine gelbschwarz gestreifte Holzente hinter sich her, die Tigerente. Janosch wird mit ihr berühmt. Daran merke man, dass Kunst und Kommerz manchmal zusammenhängen, sagt Jakob. Die Vermarktung des Werkes sei extrem. Gleichwohl habe der Künstler den Höhenflug der Tigerente irgendwann nicht mehr greifen können und sei mitunter über den Tisch gezogen worden.

Dass Janosch mehr ist als die Tigerente, zeigt die Jexhof-Ausstellung. Horst Eckert lebt seit 1980 auf Teneriffa, das er selbst Panama nennt. Das Bauernhofmuseum hatte mit ihm wegen der Ausstellung Kontakt aufgenommen. Janosch freue sich sehr darüber, sagt Jakob. Unter anderem hat Janosch eine Grußbotschaft aufnehmen lassen, welche sich die Besucher ansehen können. Außerdem hat er eine Grafik extra für das Bauernhofmuseum erstellt. Darauf sieht man, wie Bär, Tiger und Tigerente gemeinsam auf den Jexhof zulaufen.

Die Ausstellung

ist noch bis zum 11. Februar zu sehen. Der Jexhof hat dienstags bis freitags von 13 bis 17 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet (Heiligabend und Silvester geschlossen). Es gibt ein museumspädagogisches Programm für Kinder: „Post vom Tiger an den Jexhof“. Nähere Informationen auf www.jexhof.de. Eintritt: Erwachsene vier Euro, Sechs- bis 16-Jährige 2,50 Euro.

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