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Mit einem schweren Bagger werden am Forstweg zur Rothschwaige Wurzelstöcke ausgerissen. Dann wird Boden abgetragen, auf dem seltene Pflanzen nicht wachsen. 

Schöngeising

Für die Artenvielfalt: Wald muss weichen

Biotopverbund heißt das Zauberwort, mit dem sich Tiere und Pflanzen im Landkreis noch leichter ausbreiten sollen. Der Staatsforst hat dazu eine 5000 Quadratmeter große Baustelle im Wald südlich der Rothschwaige eingerichtet.

SchöngeisingDas gelbe Bagger-Ungetüm lupft sich auf einer Seite nur kurz, bevor der stattliche Wurzelstock einer Kiefer mit leisem Knacken im Boden nachgibt. Wurzeln, dick wie Oberarme, schnalzen aus der Erde und reißen den Boden auf, dann liegt der Wurzelstock in der mächtigen Baggerschaufel – und landet auf einem großen Haufen weiterer Wurzelstöcke.

Schon Wochen zuvor hatte Alexander Beer fast alle Bäume entlang des Forstweges zwischen der Rothschwaige und der Bahnlinie Buchenau-Schöngeising fällen lassen. „Ein paar Eichen und junge Walnüsse haben wir stehen gelassen“, sagt der Leiter des Forstreviers Schöngeising.

Rodung nur der erste Teil der Arbeiten

Auf einer Länge von 800 Metern wurde so der Rand des Mischwaldes entlang der Straße sechs Meter weit zurückgedrängt. Die Rodung ist nur der erste Teil der Arbeit. Was folgt, ist das Abziehen des Oberbodens. Mindestens die obersten 20 Zentimeter müssen weg. „Damit soll der Boden ausgemagert werden, um gute Standortbedingungen für die im kommenden Jahr anzusäende Saatgutmischung zu erreichen“, erklärt der Förster weiter. Denn nährstoffreiche Böden sind der Feind der Artenvielfalt – zumindest was die selteneren Arten betrifft.

Das Projekt geht auf eine Initiative des Brucker Landesbundes für Vogelschutz (LBV) zurück. Der hatte sich schon vor Jahren an die Bayerischen Staatsforsten gewandt, mit der Bitte, das Vorhaben zu unterstützen. Immerhin geht ein halber Hektar Wald dadurch verloren – wohl aber zugunsten eines viel artenreicheren Halbtrockenmagerrasens, wie der vegetationskundliche Fachausdruck heißt.

Verbindung zwischen den Biotopen

Gerald Fuchs erklärt, warum gerade dieser Streifen ausgewählt wurde: „Wir wollen eine Verbindung zwischen den beiden artenreichen Biotopen entlang des Bahndamms zwischen Buchenau und Schöngeising und der Biotopfläche südlich des Hofs Rothschwaige schaffen“. Flora und Fauna sollen sich über den sechs Meter breiten Streifen, der in Zukunft ähnlich trockene Standortbedingungen aufweisen soll, leichter ausbreiten. „Auch wenn heuer ein schlechtes Jahr für Schmetterlinge war, haben wir am Bahndamm 500 verschiedene Arten“, so Gerald Fuchs, der im LBV-Vorstand für die Biotopflächen zuständig ist. Sumpfwiesenperlmuttfalter, Silberbläuling oder Frühlingsmohrenfalter seinen nur einige wertvolle Arten. Bei den Pflanzen seien es zum Beispiel Skabiosen, Hornklee oder die Karthäusernelke, die Botaniker bei einer Kartierung dort gefunden hätten.

Die Neuanlage sei das eine, sagt Fuchs. Eine wichtige Aufgabe des LBV sei aber auch, mit zahlreichen Freiwilligen die Flächen zu pflegen. Dabei sieht Fuchs sich jede Fläche genau an. „Wir schauen, welche Arten vorhanden sind und stimmen Schnittzeitpunkt und andere Pflegemaßnahmen dann auf die Arten ab, die den höchsten Anspruch haben und somit am seltensten sind.“

Die Zuschüsse im Rahmen des Blühflächenprogramms haben die Realisierung jetzt beschleunigt. Neben den Bayerischen Staatsforsten und der Unteren Naturschutzbehörde hatten auch das Wasserwirtschaftsamt und die Stadtwerke Fürstenfeldbruck mitzureden. Denn die Fläche liegt im Wasserschutzgebiet. Eine der Auflagen war, den Bagger weder an Ort und Stelle aufzutanken noch ihn über Nacht dort abzustellen. Deswegen zuckelt der Baggerfahrer auf seiner Kette nun zweimal am Tag einen guten Kilometer, um das Schutzgebiet zu verlassen. (mjk)

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