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Die Gemeinde Schöngeising kauft für 25.000 Euro Anteile am Dorfladen.

Allen Bedenken zum Trotz

Gemeinde kauft Anteile am Dorfladen

Schöngeising - Die Gemeinde wird sich mit rund 25.000 Euro am Dorfladen beteiligen – obwohl die Kommunalaufsicht Bedenken angemeldet hat.

Nach ausführlicher Debatte bekräftigte der Rat seinen Beschluss vom Oktober, 167 Anteile an dem genossenschaftlich organisierten Laden zu erwerben. Die Mehrheit fiel allerdings kleiner aus als bei der ersten Abstimmung. Denn zwischenzeitlich hat das Landratsamt die Sache geprüft und Bedenken angemeldet. Die Kommunalaufsicht kritisiert, dass die Gemeinde trotz der Höhe ihrer Einlage keinen entsprechenden Einfluss in der Mitgliederversammlung erhält, sondern – wie alle anderen Mitglieder auch – nur eine Stimme hat.

Dies entspricht aber dem genossenschaftlichen Prinzip, wie Adolf Eiber, Aufsichtsratsvorsitzender der Dorfladen Schöngeising eG, in der Ratssitzung betonte. Außerdem sei der Einfluss der Gemeinde faktisch größer, ergänzte Bürgermeister Thomas Totzauer (FW), allein schon durch die Möglichkeit, das eingebrachte Kapital wieder zu entziehen. Zudem erhält der Rathauschef einen Sitz im Aufsichtsrat.

Dorfladen Schöngeising: Einnahmen reichen knapp zum Überleben

Die Zahlen des Dorfladens überzeugen das Landratsamt ebenfalls nicht. Das selbstgesteckte Ziel der Genossenschaft, einen Mindestumsatz von 738.000 Euro im Jahr zu erreichen, sei 2015 „weit verfehlt“ worden. Eiber und Vorstand Gerhard Liebmann räumten ein, dass man 2015 rote Zahlen geschrieben habe. Heuer sei aber bereits das erste Quartal besser gelaufen als der Vergleichszeitraum 2015. Würden die für den weiteren Verlauf hochgerechneten Zahlen sich bewahrheiten, würde es knapp zum Überleben reichen.

Auch wünscht sich das Landratsamt eine staatliche Rechnungsprüfung für den Dorfladen. Diese sei aber in der Satzung nicht vorgeschrieben. Eiber erklärte, man werde bereits vom Genossenschaftsverband geprüft und halte sich an die geforderten Grundsätze von Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit. Eine zusätzliche Prüfung würde auch zusätzliche Kosten verursachen. „Was soll eine kleine Genossenschaft denn noch alles über sich ergehen lassen?“

Für Gabriele Kuhnke (CSU) ließ die Stellungnahme des Landratsamts nur einen Schluss zu: „Wir handeln nicht gesetzeskonform, wenn wir uns beteiligen.“ Auch Eva Gauck (SPD) zeigte sich pessimistisch. Der Austausch des Kassensystems habe nur finanziert werden können, weil neue Genossenschaftsanteile ausgegeben wurden. Für die geplante Erneuerung der Kühlung sei jetzt das Geld von der Gemeinde notwendig. Und irgendwann kämen die nächsten Investitionen. „Ich sehe nicht, wie der Dorfladen das schaffen will.“

"Der Dorfladen hat einen großen immateriellen Wert"

Die Zukunft werde „ein Ritt auf Messers Schneide bleiben“, räumte Thomas Betz (FW) ein. Doch der Dorfladen sei mehr als ein Wirtschaftsbetrieb. „Er hat einen großen immateriellen Wert. Andere Gemeinden beneiden uns darum.“ Letztlich würden die Bürger durch ihr Einkaufsverhalten entscheiden. Auch Totzauer sieht den Dorfladen als Standortvorteil.

Der Gemeinderat votierte mit 8:5 Stimmen für den Einstieg – Bürgermeister Totzauer hätte sich mehr Zustimmung gewünscht. Die Gemeinde darf sich über die Bedenken der Behörde hinwegsetzen, der Anteilekauf ist nicht rechtswidrig.

 

von Ulrike Osman

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