Jexhof-Leiter Reinhard Jakob mit dem ganz besonderen Odelschöpfer: Aus Materialmangel verwendete man einen Wehrmachtshelm, der an ein Stück Eisen genietet und an einen Holzstab genagelt wurde.	Fotos: Peter Weber (2)
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Jexhof-Leiter Reinhard Jakob mit dem ganz besonderen Odelschöpfer: Aus Materialmangel verwendete man einen Wehrmachtshelm, der an ein Stück Eisen genietet und an einen Holzstab genagelt wurde.

Schöngeising

Schätze aus dem Heimatmuseum: Odelschöpfer aus einem Wehrmachtshelm

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Einen ganz besonderen Odelschöpfer nennt der Jexhof sein Eigen: Für die Kelle wurde ein Helm der Wehrmacht umfunktioniert. Trotzdem ist das Stück nicht in der Dauerausstellung zu sehen. Das Bauernhofmuseum hat einfach von allem zu viel.

Schöngeising – Es war eine der besonders geruchsintensiven Arbeiten auf dem Bauernhof – das Ausschöpfen der Odelgrube. Der Inhalt wanderte in ein Holzfass auf einem Fuhrwerk, um dann aufs Feld gefahren zu werden. Der Jexhof besitzt ein seltenes Exemplar von Odelschöpfer, das aus der unmittelbaren Nachkriegszeit stammt. Aus Materialmangel verwendete man einen Wehrmachtshelm, der an ein Stück Eisen genietet und an einen Holzstab genagelt wurde.

Öfter als zweimal im Jahr musste das Ausleeren der Odelgrube nicht stattfinden, ist Museumsleiter Reinhard Jakob überzeugt. „Mehr als zehn bis 15 Kühe hatten die meisten Bauern ja nicht.“ So mussten vermutlich nur um die 200 Liter mit dem Odelschöpfer ins Fass umgefüllt werden.

Die Ordnung des Inventars

Der ehemalige Wehrmachtshelm ist inzwischen stark korrodiert, das Holz des langen Griffes wurmstichig. Aufbewahrt wird das Exponat – zusammen mit über 4000 weiteren – im Zwischendepot des Jexhofs in einer Gewerbehalle in Unterschweinbach. Hier widmet sich Petra Schreiner als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Mammutaufgabe, das Inventar zu sichten und zu ordnen. Die Objekte werden vermessen, fotografiert, textlich beschrieben und in einer Datenbank erfasst.

„In der Anfangszeit des Jexhofs ist sehr unsystematisch gesammelt worden“, erzählt die Volkskundlerin. Die Folge: „Wir haben von allem zu viel.“ Allein 80 Pflüge, die das Bauernhofmuseum sein eigen nennt, sind nur ein Beispiel für den Überfluss. Deshalb ist das Jexhof-Team froh über das Zwischendepot, das der Landkreis angemietet hat.

Zweimal im Jahr wird eine neue Ladung an Objekten aus Schöngeising hergebracht. „Hier können wir Dinge nebeneinander stellen und vergleichen“, erklärt Schreiner. Was beschädigt ist, kann hier aufgearbeitet werden – oft mit Hilfe des Vermieters Anton Kiser, der Schreinermeister ist und gerne mit anpackt.

Ideal wäre es laut Museumsleiter Jakob, wenn es auch noch ein Art Endlager gäbe. Denn zur dauerhaften Aufbewahrung eignet sich das Zwischendepot nicht. Es fehlt zum Beispiel eine Schleuse, um die Objekte vor Schädlingsbefall zu schützen. Es habe wenig Sinn, Holzwurmbehandlungen durchzuführen, wenn sich das betreffende Objekt hinterher bei seinen Hallennachbarn wieder ansteckt. Vor der Aufnahme in ein Endlager wird jedes Stück in Quarantäne müssen.

Eine Halle, die sich als endgültiges Depot eignet, wird in diesem Jahr im Egenhofener Ortsteil Unterschweinbach frei. Reinhard Jakob hofft, dass der Landkreis zugreift und sie für den Jexhof anmietet. Dort, so Volkskundlerin Petra Schreiner, könnten die Museumsbestände konserviert werden – und zwar für die nächsten 100 Jahre.

Die Serie

In der Serie „Schätze aus dem Heimatmuseum“ werden in loser Folge besondere Ausstellungsstücke aus Heimatmuseen in der Region vorgestellt – als Ersatz für Museumsbesuche, die derzeit nicht möglich sind. Wir stellen auch Stücke vor, die in Depots lagern und schon länger nicht mehr zu sehen waren. Manche davon sind vielleicht in Zukunft zu sehen, manche nie. Auch interessant: Schätze aus dem Heimatmuseum: Das ist der Thron des Bauern

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