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Revierleiter Alexander Beer erklärt die Biotop-Trittsteine. 

Forstwirtschaft

Im Rothschwaiger Wald: Deshalb bleiben diese Baumstümpfe stehen

In sechs Metern Höhe rasierte Baumstämme, versehen mit blauen und roten Markierungen, können Spaziergänger etwas abseits einer Forststraße zwischen Grafrath und Schöngeising entdecken. Des Rätsels Lösung sind so genannte Biotop-Trittsteine.

Schöngeising Die Maßnahme, die Revierleiter Alexander Beer kürzlich mit einem Harvester durchführen ließ, ist die Umsetzung eines staatlichen Förderprogramms, mit dem Biotope geschaffen werden sollen. „Ziel ist, Holz zersetzenden Insekten und Pilzen wie dem Zunderschwamm einen Lebensraum zu geben“, erläutert Beer. Deswegen müsse auch der abgesägte Teil des Baumes als so genanntes Totholz an Ort und Stelle bleiben und dürfe nicht als Brennholz verwertet werden. Insekten wie der Schrot-Zangenbock oder Balkenschröter brauchen in ihrem Lebenszyklus Holzsubstrat. Die Stümpfe seien aber auch für Spechte interessant, in deren verlassene Höhlen sich später auch Fledermäuse einnisten könnten.

20 Bäume hat der Förster im Revier Schöngeising im Umkreis von 300 Metern gekappt und dafür vom Freistaat eine Entschädigung von 100 Euro pro Baum erhalten. Denn der noch stehende Stumpf wird langsam absterben und ist forstwirtschaftlich nichts mehr wert. 250 000 Euro aus dem insgesamt 1,35 Millionen Euro umfassenden Naturschutz-Förderprojekt stehen den bayerischen Staatsforsten für das intern Hochstumpf-Projekt genannte Programm zur Verfügung. Weitere Maßnahmen sind die Föderung von Methusalem-Eichen im Spessart, die Anlage von Blühflächen oder die Renaturierung von Flechten-Kiefernwälder. „Eine konkrete Vorgabe zur Baumart gibt es dabei nicht“, so Beer.

Er hat sich ausnahmslos für Rotbuchen entschieden, weil deren absterbendes Holz 240 verschiedene Arten beherbergen kann und nicht die unerwünschten Borkenkäfer anzieht. „Die Kappung soll in drei bis sechs Metern Höhe erfolgen, die Bäume dürfen nicht zu dünn sein und der Standort muss per GPS-Koordinaten erfasst sein.“ Weil Hochstümpfe auch in anderen Revieren des Forstbetriebs Landsberg präpariert werden, sprechen Fachleute von Biotop-Trittsteinen. Optimal für den Artenreichtum wäre es, wenn ähnliche Aktionen auch in Folgejahren stattfinden würden, weil damit Zerfallsstadien mit jeweils unterschiedlichen Insektenarten im Wald leben könnten.

Trockenheit erstaunlich gut verkraftet

Die hitze- oder trockenheitsbedingten Ausfälle bei den Neupflanzungen sind nach den heuer hohen Temperaturen noch nicht so signifikant. „Die Raritäten-Pflanzung vom vergangenen Frühjahr hat die derzeitigen Trockenheit erstaunlich gut verkraftet und lebt noch“, stellt Revierleiter Alexander Beer auf Tagblatt-Nachfrage fest. Dabei wurden im Rothschwaiger Forst zwischen Fürstenfeldbruck, Schöngeising und Grafrath Holzbirne, Esskastanie und Elsbeeren gepflanzt, die das Artenspektrum auch bei den Bäumen erhöhen soll. Forstarbeiter zum Gießen zu schicken, sei nicht geplant und auch nicht machbar, denn derzeit werden alle für die Suche nach Borkenkäferbefall und die Beseitigung von Käferholz eingesetzt. „Ich bin eigentlich ein Herbst-Pflanzer. In dieser Jahreszeit sind die jungen Bäume bei längerer Trockenheit nicht so anfällig“, so Beer weiter. 20 000 Bäume, vor allem Eichen und Spitzahorn, werde er ab Oktober wieder pflanzen lassen. Eines dagegen fällt dem Förster in diesem heißen Sommer besonders auf: viele ältere Buchen haben schon ihre Blätter verloren – bei einigen dürfte es sich nicht nur um einen vorzeitigen Blattfall handeln sondern um den tatsächlichen Exitus des Baumes. (mjk)

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