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Bei der Eröffnung dabei: Vizelandrat Wieser (l.), Matthias Knödel (hinten) und Jexhof-Chef Jakob

Fühlraum eingerichtet

Inklusion am Bauenhofmuseum: Im Jexhof mit den Fingern schauen

  • Andreas Daschner
    VonAndreas Daschner
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Inklusion ist in aller Munde – jetzt auch auf dem Jexhof. Das Bauernhofmuseum gewährt Sehbehinderten einen besonderen Zugang: mit einer Ausstellung in einem Tastraum. Ein Museumsbesuch ist für Sehbehinderte meistens wenig befriedigend. 

Schöngeising Oft darf man nichts anfassen, sondern nur schauen. Doch Blinde sehen anders – nämlich mit den Fingern. „Anders sehen“ steht deshalb auch auf einem Schild vor dem neuen Tastraum im Jexhof, der das Bauernhofmuseum auch für Sehbehinderte erlebbar macht. Denn dort stehen Objekte, die sogar angefasst werden sollen.

Unter anderem finden sich im Tastraum eine Zinkwanne, Kernseife, ein Waschbrett, ein Bügeleisen aus dem Jahr 1910, ein Rosenkranz und Kinderstiefel aus der Zeit um 1930. Erdacht hat sich den Raum die Museumspädagogin Verena-Maria Mangala Wendt. Bei Museumsleiter Reinhard Jakob stieß sie damit auf offene Ohren. Von der ersten Idee bis zur Eröffnung zog rund ein Jahr ins Land.

Nun konnte der Raum eingeweiht werden. Er ist in einem Nebengebäude des Jexhofs untergebracht und kann ebenerdig erreicht werden. „Es ist ein völlig neues Projekt, das man ausbauen kann, wenn es gut angenommen wird“, sagte der stellvertretende Landrat Hans Wieser. Dass der Landkreis, dem der Jexhof gehört, die Idee aufgreift, war keine große Frage. „In den Schulen haben wir positive Erfahrung mit der Inklusion gemacht“, sagte Wieser. „Und so ist der Gedanke entstanden, dass man auch in Museen Inklusion möglich machen kann.“

Dass der neue Tastraum gelungen ist, bestätigte Gregor Cordes vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB). Er probierte gleich aus, wie er funktioniert. „Mit dem Raum hat der Jexhof bewiesen, dass er seinem eigenen Leitbild gerecht wird und Aktivitäten für alle Sinne anbietet.“ Der BBSB bestehe bei Bauvorhaben in der Regel darauf, dass alle Normen für Sehbehinderte eingehalten werden. „Das ist in einem solchen Gebäude mit Denkmalschutz natürlich schwierig“, sagte Cordes.

Die gefundenen Kompromisse seien aber sehr gut. Baulich umgesetzt wurde der Raum von Matthias Knödel. Die Bürgerstiftung des Landkreises Fürstenfeldbruck, der Förderverein Jexhof und der Lions Club unterstützten das Projekt finanziell. Cordes stand beratend zur Seite.

Die Objekte zum Ertasten wurden größtenteils eigens für den Raum angeschafft, wie Jakob erläuterte. „Da es sich um Verschleißobjekte handelt, hatten wir nicht alles im Museum auf Lager.“ Ist ein Objekt verschlissen, werde es 1:1 ersetzt. Der Tast-raum soll aber nicht nur Sehbehinderten einen Zugang zum Museum ermöglichen. Sehende können dort auch erleben, wie Blinde einen solchen Raum wahrnehmen. „Wir haben Augenbinden, damit die Menschen nachempfinden können, wie es ist, wenig oder gar nichts zu sehen“, sagte Jakob. Cordes überreichte außerdem mehrere Brillen, mit denen verschiedene Augenkrankheiten simuliert werden. Alles in allem sei der Raum damit „ein wichtiger Beitrag zur Inklusion“, so der stellvertretende Landrat Wieser.

So funktioniert der Tastraum: Eine Leiste am Boden leitet Besucher zu den Kästen, in denen Objekte zum Ertasten stehen. Mit einer Schubladenfunktion lassen sich die Objekte aus den Kästen ziehen. „So ist es möglich, alles einmal rundherum anzufassen“, sagt Museumspädagogin Verene-Maria Mangala Wendt (r.). Gregor Cordes vom Blindenbund probierte es aus. Wer rein durch Ertasten nichts erkennt, für den sind Schilder angebracht. Darauf ist in normaler und in Brailleschrift – im Volksmund Blindenschrift genannt – beschrieben, was zu sehen ist. 

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