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Jexhof-Ausstellung geht unter die Haut

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Von: Eva Strauß

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Auch bekannte Gesichter aus dem Landkreis zeigen ihre Tattoos und erklären, was diese bedeuten. Reinhard Jakob und Elisabeth Lang sehen sich den Körperschmuck von Germerings Dritter Bürgermeisterin an. 	fotos. peter weber
Auch bekannte Gesichter aus dem Landkreis zeigen ihre Tattoos und erklären, was diese bedeuten. Reinhard Jakob und Elisabeth Lang sehen sich den Körperschmuck von Germerings Dritter Bürgermeisterin an. © Weber

Über die Südsee kamen sie nach Europa und lösten einen regelrechten Boom aus. Selbst Kaiserin Sisi hatte eines: Tattoos.

Schöngeising – Einst Zeichen von Rebellion und Gegenkultur, sind Tattoos mittlerweile in der breiten Gesellschaft angekommen. Eine neue Ausstellung am Jexhof beleuchtet ihre Geschichte – und stellt Tätowierte aus der Region vor, darunter auch bekannte Gesichter.

Stilisierte Sonne

Eine stilisierte Sonne in Form einer Spirale prangt auf ihrem Schulterblatt. Stechen ließ sie sich das Bild mit 18 Jahren und drei Tagen. Sie, das ist Sophie, geboren 1996 und Dritte Bürgermeisterin von Germering. In der Nähe hängen Fotos von Otto. Der ganze Körper des Landwirts, Jahrgang 1961, ist mit Tattoos verziert. Und da ist auch noch Andreas, geboren 1976, der seine polynesischen Motive zeigt und sagt: „Tätowieren ist doch so eine Art Sucht.“ Sie alle drei – und noch 27 andere tätowierte Menschen aus der Region – sind Teil der neuen Ausstellung „Unter die Haut. Eine regionale Geschichte der Tattoos“, die ab heute auf dem Jexhof zu sehen ist.

„Wir wollten nicht nur die Geschichte der Tattoos zeigen, sondern auch, dass sie mittlerweile in der breiten Gesellschaft angekommen sind“, erklärt Museumsleiter Reinhard Jakob. Gemeinsam mit Elisabeth Lang und Ruth Strähhuber hat er die Ausstellung auf die Beine gestellt. Zu sehen sind historische Bildmotive und Techniken. Der größte Teil widmet sich aber den 30 tätowierten Menschen aus der Region – und ihrer Motivation zu den Bildern auf der Haut.

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„Wir haben viele Geschichten erzählt bekommen“, berichtet Elisabeth Lang. Tragische und freudige, aber immer sehr persönliche. Über persönliche Kontakte und durch Zufall wurden die 30 Tätowierten zum Ausstellungsgegenstand. „Beim Kauf einer Bluse habe ich zum Beispiel gesehen, dass die Verkäuferin tätowiert war, und habe sie angesprochen“, erzählt Elisabeth Lang.

Wichtig sei gewesen, dass die Palette derer, die in Ton und Bild zu Wort kommen, möglichst breit sei, sagt Jakob. „Und auch Prominente sollten dabei sein.“ So sind in der Ausstellung die unterschiedlichsten Berufe vertreten – von der Erzieherin bis zum Biker, von der Politikerin bis zum Diakon. Sie alle geben Einblicke, warum sie sich haben tätowieren lassen – und auch warum sie diese Motive gewählt haben.

Gegenkultur

Natürlich beleuchtet die Ausstellung auch die Geschichte des Körperschmucks. „Tattoos gab es schon immer“, erklärt Jakob. Ötzi hat welche gehabt, und auch Pilger im Mittelalter ließen sich tätowieren. Gleichzeitig waren Tattoos immer ein Zeichen der aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen gewesen – sei es als Brandmarkung oder als selbst gewähltes Zeichen der Gegenkultur. Lange Zeit war diese Art des Körperschmucks häufig nur bei Strafgefangenen, Prostituierten und Insassen von psychiatrischen Anstalten verbreitet.

Das änderte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts. Seefahrer aus der Südsee brachten Tattoos mit und lösten einen Tätowierungsboom aus, befeuert durch die damals existierende Faszination für alles Exotische. „Für die Oberschicht war es ein Spleen, nach dem Motto .Wir können es uns leisten‘. Für die Unterschicht war es ein Zeichen der Rebellion“, erklärt Jakob.

Im 20. Jahrhundert verkamen Tattoos dann wieder zum Tabu. Erst in den 1980er-Jahren gab es erneut einen Trend zum Tattoo, der sich bis heute fortsetzt – quer durch alle Bevölkerungsschichten.

Jakob selbst ist übrigens nicht tätowiert, wohl aber seine Tochter (26). „Sie wollte mich schon einmal zu einem überreden, aber ich habe mich bis jetzt nicht getraut.“

Die Ausstellung

ist ab heute bis 5. Februar am Jexhof zu sehen. Weitere Infos sind auf www.jexhof.de zu finden.

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