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Jexhof-Ausstellung lässt Märchen glänzen

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Von: Ulrike Osman

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Märchen und die ländliche Lebenswelt: Jexhof-Leiter Reinhard Jakob in der Nische, in der es um „Die Gänsemagd“ geht. In dem Märchen der Gebrüder Grimm spielt auch ein Pferd eine wichtige Rolle. © Weber

Die Welt der Märchen präsentiert der Jexhof in der neuen Ausstellung „Stroh zu Gold“. Die Geschichten von Bauern und Holzhackern, Mägden und Hexen werden dem echten Landleben vergangener Tage gegenüber gestellt. Dabei wird klar: Märchen waren schon immer mehr als unterhaltsame Geschichten.

SchöngeisingNeben bekannten Erzählungen wie „Hänsel und Gretel“, „Hans im Glück“ und „König Drosselbart“ holt die Ausstellung weitgehend unbekannte Märchen ins Rampenlicht. Wer hat je von der klugen Bauerntochter gehört, der Natter mit dem Krönchen oder dem langen Winter? Allein dieser Aspekt macht die Ausstellung sehenswert, ganz zu schweigen von dem, was sich Museumsleiter Reinhard Jakob und sein Team drumherum haben einfallen lassen. Landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge aus den Jexhof-Beständen machen die bäuerliche Lebenswelt der Geschichten lebendig.

Von 40 Leihgebern – darunter das Deutsche Märchenmuseum, die Grimmwelt in Kassel und die Zoologische Staatssammlung in München – wurden weitere Exponate zusammengetragen. Jedes Märchen hat seine eigene Nische. Hier kann man die Geschichte im Original lesen, bekommt Hintergrundinformationen über den realen Kontext und gewinnt anhand der Ausstellungsstücke einen Eindruck von den Vorbildern des Märchenhaften. Eine ausgestopfte Graugans samt Küken und Eiern, ein prähistorischer Schweineschädel und die goldfarbene Plastik eines Pferdekopfes illustrieren – neben vielen anderen Exponaten – die Geschichten, in denen es ja oft um wertvolle, sprechende oder verzauberte Tiere geht.

„Die bäuerliche Welt wird im Märchen zwar stark abstrahiert, aber die Grundlagen der agrarischen Zeit kann man deutlich erkennen“, sagt Jakob, Es gab sie ja wirklich, die Holzhauer, die mit einfachsten Gerätschaften und oft unter Lebensgefahr an dicken Bäumen zugange waren und im Winter nicht wussten, wie sie über die Runden kommen sollten – genau wie die Eltern von Hänsel und Gretel, die ihre Kinder aus Angst vor dem Verhungern im Wald aussetzen.

Es gab die Gänsehüterinnen – meist junge Mädchen auf der untersten Stufe der Gesinde-Hierarchie – und die Stallmägde, die tagsüber das Vieh versorgen und abends die Socken stopfen mussten.

Deutlich wird auch, wie sehr Märchen die Ständegesellschaft ihrer Zeit zu bewahren suchten. Nirgendwo wird das so klar wie in der Geschichte über „Die ungleichen Kinder Evas“. Die biblische Urmutter versteckt ihre hässlichen Kinder vor Gott und zeigt ihm nur die schönen, die er prompt mit Rang und Ansehen belohnt. Durch diese Großzügigkeit ermutigt, holt Eva auch die hässlichen Kinder herbei. Doch sie verdonnert Gott dazu, als Bauern und Handwerker ihr Leben zu fristen.

Fast alle Märchen in der Ausstellung stammen aus der Sammlung von Jakob und Wilhelm Grimm. Ein interessanter Widerspruch dabei: Die Brüder gehörten zu den Göttinger Sieben, einer Gruppe von Professoren, die im 19. Jahrhundert für eine liberale Verfassung im Königreich Hannover kämpften und zur Strafe ihre Lehrstühle verloren. In ihren Märchen jedoch geht niemand je gegen die bestehenden Verhältnisse auf die Barrikaden – die althergebrachte Ständeordnung wird den Lesern als gottgewollt verkauft.

Die Ausstellung „Stroh zu Gold – Märchen und die ländliche Lebenswelt“ ist bis zum 10. Februar auf dem Jexhof zu sehen. Eintritt für Erwachsene: vier Euro.

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