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Schrille Tapeten und ein Bonanza-Rad: Bei Ruth Strähuber sorgen die Ausstellungsstücke für Heiterkeit. 

Bauernhofmuseum

Lebensgefühl der 1970er-Jahre lebt im Jexhof wieder auf

Es war die Zeit der Schlaghosen und Plateauschuhe, der großgemusterten Tapeten und Che-Guevara-Poster: die 1970er-Jahre. Der Jexhof widmet dem schrillen, bunten, aber auch hochpolitischen Jahrzehnt ab dem morgigen Samstag eine Sonderausstellung mit dem Titel „Zwischen Disco, Minirock und Revolte: die 70er. Lebensgeschichten aus dem Brucker Land“.

Jexhof – Für Besucher in der zweiten Lebenshälfte gilt: Achtung, Nostalgie-Alarm. Wer die 70er-Jahre bewusst miterlebt hat, der stolpert hier bei jedem Schritt über Jugenderinnerungen. Das Abba-Poster aus der „Bravo“ hing womöglich im eigenen Kinderzimmer, die Buttons mit politischen Statements trug man am Parka, die Prilblume klebte auf sämtlichen Kacheln. Eine nicht mehr nachvollziehbare Vorliebe für Gegenstände aus Plastik und die Farbe Orange sorgt heute für Heiterkeit.

16 Prominente aus dem Landkreis – darunter der Künstler Guido Zingerl – haben für die Ausstellung Keller und Speicher durchkämmt und in ihren Erinnerungen gegraben. Jeder hat einen Text über sein Leben in den 70ern verfasst, Fotos, Einrichtungsstücke, Bücher, Audiokassetten und Klamotten zur Verfügung gestellt. Kaum wiederzuerkennen ist der Landtagsabgeordnete Sepp Dürr (Grüne) auf Jugendfotos als Sponti mit langen Haaren und Vollbart, ausbrechend aus der Enge des heimischen Bauernhofs.

Toni Drechsler vollzog damals die Wandlung vom Verwaltungsbeamten zum Kreisheimatpfleger. Für Michael Well waren die 70er die Zeit, in der er von der traditionellen Volksmusik des Elternhauses zu kritisch-satirischen Inhalten wechselte. Er hat für die Ausstellung eine Skandal-Single der Biermösl Blosn zur Verfügung gestellt – „Gott mit dir, du Land der Baywa“, das die Gruppe seinerzeit beim Bayerischen Rundfunk auf den Index brachte.

Daran, dass der Kampf um Emanzipation in den 70ern in vollem Gange war, erinnert die Ex-Basketballerin und spätere Sport-Professorin Claudia Kugelmann. Und Ruth Strähhuber, die am Ende des Jahrzehnts gerade mal neun Jahre alt war, hat aus dem Familienbesitz einen geblümten Stoffschrank aufgetrieben. „Die Aufbruchstimmung und Politisierung waren auch Teil meiner Jugend“, sagt Museumsleiter Reinhard Jakob (60). Logisch, dass auch er ein Exponat beigesteuert hat: einen Flokatiteppich aus seinem Elternhaus.  os

Die Ausstellung

ist ab dem Samstag, 19. Mai,  zu sehen. Geöffnet ist dann Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.

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