Dieser Schleudersitz hat schon mal geholfen. 
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Dieser Schleudersitz hat schon mal geholfen. 

Schöngeising

Das rollende Museum der Luftwaffe macht am Jexhof Station

  • VonMax-Joseph Kronenbitter
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Der Schleudersitz, der einem Piloten schon einmal das Leben gerettet hat. Das Dienstauto des Standortpfarrers auf Fursty: Diese und andere Exponate mit Bezug zur Luftwaffe sind am Samstag, 4. September, am Jexhof zu sehen.

Schöngeising – Mike Weber von der Traditionsgemeinschaft (TG) Fursty Fliegerhorst und Hans Eberhard von der Reservistenarbeitsgemeinschaft Historische Bundeswehrfahrzeuge erzählen, was es mit der Ausstellung auf sich hat.

Woher stammen die Exponate?

Weber: Das Meiste haben wir aus Nachlässen, die uns Angehörige von verstorbenen Soldaten schenken. Einige Kameraden überlassen uns an ihrem Dienstzeitende ihre Memorabilien. Einiges können wir auch bei der Auflösung oder der Verkleinerung von Dienststellen retten. Gelegentlich kaufen wir auch etwas an oder finden etwas zufällig auf dem Wertstoffhof.

Welche Bundeswehrfahrzeuge haben Sie in ihrem Bestand und wo sind die sonst zu besichtigen?

Eberhard: Wir haben ganz unterschiedliche Fahrzeuge – vom Flughafen-Feuerlöschfahrzeug über einen VW Passat bis zum mobilen Tower. Eine kleine Auswahl von Fahrzeugen mit Bezug zur Luftwaffe stellen wir am Jexhof aus. Einige hatten tatsächlich ihren Einsatz im Fliegerhorst, zum Beispiel der AUDI 100, das Dienstfahrzeug des katholischen Standortpfarrers. Wir sind oft bei Oldtimerveranstaltungen oder dem „Tag der Bundeswehr“ dabei – ein Rollendes Museum eben.

Wie sieht die Kooperation zwischen Ihnen aus?

Eberhard: Die Reservistengemeinschaft selbst hat keine historischen Radfahrzeuge der Bundeswehr im Museumsbestand. Deswegen unterstützen wir die TG.
Weber: Zum Beispiel durch Präsentation der Fahrzeug-Konfiguration eines Fliegerhorstes aus der Anfangszeit der Bundeswehr. Wir von der TG sehen in dem Rollenden Museum eine perfekte Ergänzung unserer Sammlung.

Gibt es auch eine Geschichte zu einzelnen Ausstellungsstücken?

Weber: Ja und wir erzählen diese natürlich auch. Zum Beispiel bei dem ausgestellten Martin-Baker-Schleudersitz, mit dem sich Walter Meingast 1971, als seine Fiat G-91 mit einem anderen Flugzeug kollidierte, gerettet hat.
Eberhard: Bei allen historischen Fahrzeugen ist die jeweilige Verwendung belegt, sogar die Y-Kennzeichen sind noch erhalten.

Warum findet die Ausstellung nicht auf dem Fliegerhorst statt, sondern auf dem Bauernhofmuseum?

Eberhard: Der ehemalige Fliegerhorst Fürstenfeldbruck ist immer noch eine aktive Kaserne und damit militärischer Sicherheitsbereich. Hier den Zutritt für größere Personengruppen im Rahmen eines Museumstages zu realisieren, ist unrealistisch. Und der Jexhof bietet das perfekte Ambiente für einen Besuch von Familien.

Wie geht’s weiter, wenn der Fliegerhorst mal ganz geräumt ist?

Weber: Unser Bestreben ist, dass der Kreis und die Kommunen sich ihrer Verantwortung zur Bewahrung der Geschichte annehmen, denn der Fliegerhorst hat die Region außerordentlich geprägt. Deshalb haben wir mehrmals die Schaffung eines Dokumentationszentrums vorgeschlagen, welches die Zeitgeschichte wiedergibt – als untrennbarer Bestandteil mit den Gedenkstätten „Ehrenmal für die Opfer der Luftfahrt“ und „Gedenkstätte Olympia Attentat 1972“. Wir wünschen uns seitens der Bürger Unterstützung für unsere Idee eines Dokumentationszentrums in öffentlicher Trägerschaft. Wir als TG können ein solches in Eigenverantwortung definitiv nicht stemmen. Denn wer weiß schon, wie lange wir noch als TG Fursty existieren. Ist die Luftwaffe abgezogen, ist der Militärische Sicherheitsbereich nicht mehr existent, ist das derzeitige Gebäude unserer Sammlung bei irgendeinem Investor, sind die Sockelflugzeuge verschrottet.

Die Ausstellung findet am 4. September am Jexhof statt. Sie ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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