Sogar kaputte Schlauchboote werden einfach an der Ausstiegsstelle zurückgelassen. 
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Sogar kaputte Schlauchboote werden einfach an der Ausstiegsstelle zurückgelassen. 

Schöngeising

Am Wasserkraftwerk an der Amper: Bootfahrer hinterlassen Müll-Flut

  • Eva Strauß
    VonEva Strauß
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Bei schönem Wetter zieht es Bootfahrer und Paddler scharenweise auf die Amper. Immer mehr lassen ihren Müll einfach bei der Ausstiegsstelle in Schöngeising zurück. Gegenmaßnahmen sind schwer umzusetzen – oder haben sich als sinnlos erwiesen.

Schöngeising – Jede Menge leere Flaschen stehen aneinandergereiht auf einer kleinen Mauer – teilweise wurden sie auch zerschlagen, und die Scherben liegen im Gras. Fettige Pizzakartons und leere Getränkedosen vervollständigen den Saustall. Selbst kaputte Plastikschlappen liegen herum.

Dieser Anblick bot sich am Sonntag beim Wasserkraftwerk in Schöngeising an der Amper. Genauer gesagt, an der Stelle, an der Boote und SUPs anlanden, die sich von Grafrath aus die Amper herunter treiben lassen. Diversen Ausflügler haben nach der oft feuchtfröhlichen Fahrt, keine Lust, ihren Abfall mit nach Hause zu nehmen.

Wie zum Hohn: Flaschen und anderer Müll wurden aufgereiht.

Inzwischen muss regelmäßig ein Trupp der Stadtwerke den Müll entfernen. Dem Unternehmen gehört das Gelände. „Während der Bootsaison räumen die Kollegen dort zwei bis drei Mal in der Woche auf“, berichtet Sprecherin Monika Lidmila.

Das Problem werde von Jahr zu Jahr schlimmer. Die Stelle am Wasserkraftwerk biete sich für die Wassersportler als wilder Müll-Abladeplatz förmlich an. Denn dort müssen sie aussteigen, um die Boote um die Staustufe herumzutragen. „Viele schmeißen ihren Abfall dann weg“, so Lidmilla. „Wir müssen schon froh sein, wenn er nicht in der Amper landet.“

Bereits vor längerer Zeit haben die Stadtwerke ein Schild aufgestellt, das die Wassersportler auffordert, ihren Müll der Umwelt zuliebe wieder mitzunehmen. Gebracht hat es offenbar wenig. „Die Wegwerf-Gesellschaft ist um ein Vielfaches schlimmer geworden“, meint Monika Lidmila. Hinzu komme der so genannte Broken-Window-Effekt. Sprich: „Wenn schon etwas da steht, dann stellt man noch etwas dazu, ohne sich groß Gedanken zu machen.“

Die Stadtwerke haben auch schon überlegt, einen Müll-Container aufzustellen. Doch bis jetzt wurde die Idee immer wieder verworfen. Man fürchtet, dass dort alles mögliche hineingeworfen würde. „Die Durchmischung wäre zu groß.“ Es müsste dann sortiert werden. Nichtsdestotrotz wolle man sich wieder Gedanken machen, wie man das Problem lösen könne.

Mit einem Schild bitten die Stadtwerke, Müll mitzunehmen.

Das ist auch im Sinne von Schöngeisings Bürgermeister Thomas Totzauer. „Das wirft ja auch ein schlechtes Bild auf uns als Gemeinde, selbst wenn wir dafür nicht zuständig sind.“ Er hat ebenfalls beobachtet, dass die Vermüllung über die Jahre zugenommen hat. „Die Leute wollen auf der einen Seite die schöne Natur genießen, auf der anderen Seite laden sie ihren Müll ab. Das ist kontraproduktiv.“

Ein Lösungsansatz wäre, die Stelle zu kontrollieren. „Da müsste ein Aufpasser draußen sein“, erklärt Totzauer. Das sei schwierig umzusetzen – nicht nur wegen des knappen Personals. So bleibt Totzauer bislang nur, an die Vernunft der Wassersportler zu appellieren.

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