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An der Amperbrücke: Das ist einer der schönsten Plätze in Schöngeising, findet Thomas Totzauer.

Serie: DIE NEUEN BÜRGERMEISTER IM WESTLICHEN LANDKREIS – HALBZEIT IM AMT 

Thomas Totzauer: „Behördenmühlen ärgern mich“

Chef sein ist er gewohnt: Thomas Totzauer ist Dienststellenleiter bei der Verkehrspolizei. Doch seit drei Jahren ist der 54-Jährige auch Bürgermeister von Schöngeising.

Schöngeising – Im Gespräch mit Tagblatt-Mitarbeiterin Ulrike Osman erzählt Totzauer, was ihm daran Spaß macht – und was nicht. Er gibt zu, dass er schon Fehler gemacht hat und dass ihm einige Abläufe zu langsam gehen.

Was ist nach Ihrer bisherigen Erfahrung die größte Herausforderung am Bürgermeisteramt, Herr Totzauer?

Thomas Totzauer: Die größte Herausforderung ist, die vielen Termine zeitlich auf die Reihe zu bekommen. Als ehrenamtlicher Bürgermeister hat man ja auch noch einen Hauptberuf, in meinem Fall bei der Verkehrspolizei. Meistens versuche ich, meine Termine auf den späten Nachmittag, den frühen Morgen oder das Wochenende zu legen.

Was ist das Schönste an Ihrem Ehrenamt?

Thomas Totzauer: Die Begegnung mit den Menschen, gerade auch mit den Älteren. Ihre Lebensgeschichten zu hören, finde ich sehr interessant.

Was empfinden Sie als besonders unangenehm?

Thomas Totzauer: Wenn es darum geht, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten zu vermitteln, oder wenn man unberechtigte Beschwerden bekommt und hautnah erlebt, dass Leuten etwas nicht passt. Man hofft auf gegenseitiges Verständnis und Toleranz, aber das ist nicht immer vorhanden.

Haben Sie schon Fehler gemacht?

Thomas Totzauer: Wer macht keine Fehler? Es ist aber nichts vorgekommen, was ich total bereue oder was einen Schaden verursacht hätte. Im Gemeinderat hätte ich manches etwas anders machen können, was die allumfassende Information der Ratskollegen betrifft. Da wäre mancher Ärger leicht zu vermeiden gewesen.

Haben Sie neue Stärken und Schwächen an sich entdeckt?

Thomas Totzauer: Eigentlich nicht. Am Anfang wurde mir manchmal gesagt, ich müsse auch mal mit der Faust auf den Tisch hauen. Aber dafür bin ich nicht der Typ. Das kann man als Stärke oder Schwäche sehen.

Wie hat sich Ihr Familienleben durch das Amt verändert?

Thomas Totzauer: Ich bin jetzt abends viel unterwegs, früher wäre ich da zu Hause gewesen. Aber meine Frau hat auch einige Ehrenämter übernommen, und die Kinder (15, 12 und acht Jahre alt, d. Red.) werden größer und selbstständiger. Manchmal geben wir uns zu Hause die Klinke in die Hand. Aber ich versuche, die Freizeit am Wochenende mit meiner Familie zu verbringen.

Finden Ihre Kinder es cool, dass ihr Papa Bürgermeister ist?

Thomas Totzauer: Das denke ich nicht. Sie finden es auch nicht cool, dass ich bei der Polizei bin (lacht). Meine Kinder sind hier geboren und im Dorf integriert. Sie sind in Vereinen, sie helfen beim Ramadama – aber das ist ganz unabhängig davon, dass ich Bürgermeister bin.

Was wollen Sie unbedingt noch schaffen vor der nächsten Wahl?

Thomas Totzauer: Ich möchte das, was wir angefangen haben, zu einem guten Ende bringen, also vor allem das Gewerbegebiet und die Kinderhauserweiterung. Außerdem würde ich gerne den Einstieg in das Thema altersgerechtes Wohnen schaffen. Das ist etwas, was in unserem Ort fehlt, wie ich aus vielen Gesprächen weiß. Und dann möchte ich alles dafür tun, das geplante Gemeinschaftshaus zu realisieren.

Das sind alles große Projekte. Wollen Sie denn für eine zweite Amtszeit kandidieren?

Thomas Totzauer: Darüber habe ich mir noch keine großen Gedanken gemacht, das lasse ich auf mich zukommen. Mal sehen, wie in drei Jahren die Stimmung ist.

Was hat Sie am meisten überrascht?

Thomas Totzauer: Dass vieles sehr zäh läuft. Ich habe gedacht, dass man Entscheidungen schneller umsetzen kann. Aber die Verwaltungsabläufe dauern eben ihre Zeit – all die Überprüfungen, Abklärungen, Bestimmungen. Manchmal ärgert es mich, dass die Behördenmühlen so viel Zeit in Anspruch nehmen.

Wo sehen Sie die Gemeinde in zehn Jahren?

Thomas Totzauer: Ich sehe Schöngeising als einen Ort mit einem weiterhin regen Vereinsleben, an dem viele Bürger mitwirken. Und als einen Ort, der gut an den Öffentlichen Personennahverkehr angebunden ist, damit auch die Älteren so lange wie möglich mobil sind. Das ist mir ein großes Anliegen.

Die Bevölkerung in Schöngeising ist leicht rückläufig. Wie steht es mit Baulandausweisungen?

Thomas Totzauer: Die Rahmenbedingungen sind zur Zeit schlecht. Die Gemeinde hat keine Grundstücke, es ist alles in privater Hand. Wenn wir Bauland ausweisen, dann sollte sich die Gemeinde zu einem fairen Preis mit einkaufen können. Aber ein Landwirt, der nicht gerade Geld für Investitionen braucht, verkauft sein Land in der derzeitigen Niedrigzinsphase nicht.

Welches sind die drei schönsten Plätze in Schöngeising, die man als Besucher sehen sollte?

Thomas Totzauer: Da ist zum einen natürlich der Jexhof. Dann das Ensemble Kirche und Amperbrücke, das sich gut als Startpunkt für Wanderungen eignet. Und das Wasserkraftwerk an der Amper, das mit seinen 125 Jahren das älteste in Deutschland ist. Von außen ist es wenig spektakulär, aber innen kann man die alten Turbinen und historische Fotos sehen. Die Anlage gehört den Brucker Stadtwerken, manchmal werden dort Führungen angeboten.

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