Günter Ostermeier starb mit 79 Jahren.    Repro: os
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Günter Ostermeier starb mit 79 Jahren.   

Nachruf

Daheim mit seiner Familie war er am glücklichsten

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Das Jahr 2020 hätte ein besonderes werden sollen für Günter Ostermeier. Er freute sich darauf, gemeinsam mit seiner Frau die Passionsspiele in Oberammergau zu besuchen, so wie vor zehn Jahren schon einmal.

Schöngeising – Doch die Festspiele fielen der Corona-Pandemie zum Opfer. So war es ein kulturarmes Jahr für den musikbegeisterten Schöngeisinger.

Er war häufiger Gast in klassischem Konzerten, ob im Kloster Fürstenfeld, im Kloster St. Ottilien oder im Münchner Herkulessaal. Weite Reisen mussten es für ihn nicht mehr sein – war er doch in seinem Beruf als Baugutachter viel herumgekommen und hatte mehr Zeit, als ihm lieb war, in Hotels verbracht.

Am wohlsten fühlte sich der aus Raubling im Landkreis Rosenheim stammende Agraringenieur daheim in seinen vier Wänden, die er 1969 zum großen Teil selbst gebaut hatte. Diese Zeit ging unter anderem wegen eines bedauerlichen Missgeschicks in die Familiengeschichte ein. Der junge Vater nahm zum Verputzen der Mauern seinen Ehering ab, steckte ihn in die Brusttasche seines Overalls – und verlor ihn. Für große Suchaktionen war damals keine Zeit. Doch 46 Jahre später kam der begeisterte Heimwerker über einen Bericht im Tagblatt auf einen Sondengeher, der schon diverse verlorene Eheringe wieder zutage gefördert hatte. Der schritt dann auch minutiös den Garten der Ostermeiers mit dem Metalldetektor ab – ohne Erfolg. Dem Eheglück der zweifachen Eltern und dreifachen Großeltern hat der fehlende Ring keinen Abbruch getan.

Kennengelernt hatte sich das Paar im fränkischen Bad Windsheim während Günter Ostermeiers „Puma-Jahren“ – sogenannt nach den Fußballschuhen, die er damals sehr häufig trug. Seine Familie ging dem pflicht- und verantwortungsbewussten Ehemann und Vater über alles. Denn er selbst hatte im Alter von nicht einmal zwei Jahren seinen Vater im Krieg verloren.

Die Landwirtschaftslehre, die er vor seinem Studium absolvierte, prägte ihn fürs Leben mit ihrer harten Arbeit und dem strengen Regiment. An seiner Tätigkeit als Baugutachter – lange Jahre im Dienste von Banken – gefiel ihm aber auch die Zusammenarbeit mit Menschen. Die Arbeit machte ihm so viel Spaß, dass er sie im Ruhestand auf selbstständiger Basis fortsetzte.

Trotz der schweren Krankheit, unter der Günter Ostermeier am Ende seines Lebens litt, blieb er optimistisch und aktiv. Gemeinsam mit Sohn und Schwiegersohn deckte er die Garage neu, baute ein Hochbeet und ließ auch sonst keine Gelegenheit aus, sich handwerklich zu betätigen. Noch kurz vor seinem Tod sah man ihn auf dem Fahrrad durch Schöngeising fahren. Seine Witwe, die beiden Kinder Christine und Thomas und die Enkel Katrin, Lukas und Amelie sind dankbar für die Lebensqualität, die ihm bis zuletzt erhalten blieb.

Für die Familie kam das Ende trotz der Krankheit dann allerdings schockierend plötzlich – Günter Ostermeier wachte aus einer Operation nicht mehr auf. Er wurde 79 Jahre alt.

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