Bei der Arbeit: Alexander Beer, Leiter des Forstreviers Schöngeising, beim Pflanzen einer Mehlbeere. Foto: Kronenbitter
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Bei der Arbeit: Alexander Beer, Leiter des Forstreviers Schöngeising, beim Pflanzen einer Mehlbeere.

Schöngeising

Hier wird am neuen Klimawald gearbeitet

  • vonMax-Joseph Kronenbitter
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Kompletter Neustart beim Waldumbau: Nach einem Kahlschlag entsteht im Schöngeisinger Forstrevier jetzt ein „Klimawald“, der in 50 Jahren nach weiter fortschreitendem Klimawandel immer noch gesund aussehen soll. Doch der Start ist mühsam.

Schöngeising – 7250 neue Bäumchen stehen in Schöngeising an der Bahnlinie nach Bruck. Sie sind Teil der von der Staatsregierung angekündigten Klimawald-Offensive, bei der in den nächsten fünf Jahren 30 Millionen neue Bäume – fünf Millionen mehr als in „normalen“ Jahren – gepflanzt werden sollen.

Eichen, Elsbeeren, Hainbuchen und Mehlbeeren – auf diese Baumarten stützt sich die Hoffnung des Försters. Denn „klimastabil“ sollen sie sein, was so viel bedeutet, dass diese Mischung der Erderwärmung und damit dem reduzierten Wasserangebot standhalten soll. Doch zuvor musste Platz geschaffen werden, weshalb Alexander Beer, Leiter des Forstreviers Schöngeising, auf der knapp zwei Hektar großen Fläche alle Fichten und Kiefern umsägen ließ.

„Erstaunlicherweise hat sich kein Spaziergänger über diesen doch etwas radikalen Anblick beschwert“, berichtet Beer. Kahlschläge seien selten geworden in der jüngsten Zeit, weil jahrelang eher einzelne Lichtungen in den Baumbestand geschlagen und diese dann wieder aufgeforstet wurden. „Der Nachteil an diesem Vorgehen ist, dass wenn es zu Windwürfen kommt, macht nicht nur die umgestürzte Baumkrone einen großen Schaden in der jungen Kultur, sondern oft auch noch der herausgerissene Wurzelteller“, erklärt der Förster. War der Bestand mit einem Gatter, also einem Drahtzaun, umgeben und so vor Wildverbiss geschützt, kann es sein, dass auch der noch kaputt geht und Rehwild sich an den dann schutzlosen, jungen Bäumen labt.

Nachdem die Fläche weitgehend frei ist, wird als Nächstes ein Gatter errichtet – und erst dann gepflanzt. Hauptbaumart ist die Eiche, wovon allein 4000 Stück vorgesehen sind. „Die Hainbuche hat mehr die dienende Funktion, sie soll die Eichenstämme beschatten und Äste wie Wasserreiser verhindern“, erklärt der Revierleiter. Für das Sägewerk taugen die Hainbuchen, die auch Weißbuchen genannt werden, jedoch nicht, weil sie keine geraden Stämme ausbilden. Dafür gibt das Hartholz gutes Brennholz.

Dann eine Hainbuche

Auf drei Reihen (Abstand 1,50 Meter) Eichen folgt eine Reihe Hainbuche – wobei der Pflanzabstand nur einen Meter beträgt. Nach einem Block Eichen/Hainbuchen kommt ein Block Elsbeeren/Mehlbeeren im Verhältnis drei zu eins. Die Setzlinge kommen von der Staatsforst-eigenen Baumschule in Laufen, die Elsbeeren aus Bindlach in Oberfranken.

Elsbeeren sind die forstliche Wiederentdeckung der vergangenen Jahre. Das extrem harte Holz erzielt Höchstpreise bei Auktionen, nicht zuletzt deswegen, weil es im Instrumentenbau verwendet wird und eher selten ist. Das Brucker Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten hatte in den vergangenen Jahren im Fünfseenland Früchte gewonnen und zieht davon neue Setzlinge heran. Dementsprechend klein sind die neuen Bäume.

„Damit wir sie bei einem Pflegegang wieder finden, setzen wir farbige Stäbe daneben“, erklärt Beer. Gras und Brombeeren würden sie sonst überwuchern. Mindestens fünf Jahre dauert es, bis die jungen Bäumerl nicht mehr jährlich freigemäht und durch das Gatter vor gefräßigen Rehen geschützt werden müssen.

Wie das Klima bis dahin aussieht, steht in den Sternen – aber eines ist sicher: Gießen können die Waldarbeiter die 7250 Bäume weder jetzt noch in zehn Jahren.

Nach Kahlschlag an S-Bahnlinie warten mehrere Festmeter auf Brennholz-Abnehmer

Mehrere Festmeter Holz warten nach dem Kahlschlag an der S-Bahnlinie jetzt auf Brennholz-Abnehmer. Doch die halten sich zum Leidwesen des Revierleiters Alexander Beer ziemlich zurück. „Die Nachfrage ist zur Zeit miserabel“, klagt der Förster. In diesem Jahr kämen mehrere Faktoren zusammen, die dazu führen, dass Alexander Beer das Holz, das als Stammholz nicht taugt und deswegen von den Sägewerken nicht angenommen wird, nicht los wird.

Das zur Zeit billige Heizöl sei das größte Problem. Hinzu kommt, dass die Winter aus der Erfahrung der vergangenen Jahre nicht mehr so kalt sind. „Es wird nicht mehr so viel bevorratet, weil vom letzten Winter noch etwas übrig ist“, erklärt der Förster. Gerüchteweise sei zu hören, dass das viele Käferholz des vergangenen Sommers von privaten Waldbesitzern teilweise verschenkt werde.

Und Corona tut ein Übriges: Der persönliche Kontakt zu Kunden, bei dem sich häufig Abnehmer finden, sei stark zurückgegangen. Das Rundholz wird vom Stapel in zwei Meter langen Stücken verkauft. Die Kontaktaufnahme erfolgt per E-Mail an folgende Adresse: alexander.beer@baysf.de.

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