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Sie pflegen Bräuche rund um Maria

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Von: Ulrike Osman

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Ein Meer an Blumen und Kräuter: Alljährlich am 14. August treffen sich die Mitglieder des Marien-Vereins im Garten der Vorsitzenden, um Kräuterbuschen zu binden.
Ein Meer an Blumen und Kräuter: Alljährlich am 14. August treffen sich die Mitglieder des Marien-Vereins im Garten der Vorsitzenden, um Kräuterbuschen zu binden. © Marien-Verein Schöngeising

Kräuterbuschen binden, Maiandachten feiern, Sachen für Basare fertigen und Frauentragen im Advent: Das alles gehört zu den Aufgaben des Schöngeisinger Marien-Vereins. Mit seinen Aktivitäten bereichert er nicht nur das Dorfleben, sondern sammelt auch jede Menge Spenden für karitative Zwecke.

Schöngeising – In ein paar Tagen wird sich der Garten von Irmgard Hefter wieder in ein Meer aus Blumen und Kräutern verwandeln. Das passiert alljährlich am 14. August, wenn sich Mitglieder des Marien-Vereins Schöngeising bei der Vorsitzenden treffen, um Kräuterbuschen zu binden.

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Die bunten Sträuße aus einer Königskerze, einer Rose, Getreideähren, Wild- und Gartenblumen werden am nächsten Tag – dem Feiertag Mariä Himmelfahrt – in der Kirche im benachbarten Holzhausen geweiht und gegen eine Spende abgegeben. Verkehrt herum aufgehängt, halten sie das ganze Jahr über und sollen ihre neuen Besitzer samt Haus und Hof vor Unheil schützen.

Der Vorstand (v.l.): Irmgard Hefter (Vorsitzende), Alexandra Mooser, Angelika Roglmeier, Elisabeth Pfleger, Margit Gruber, Margit Zach, Anneliese Andert und Adelheid Naßl. Mit auf dem Bild: Präses Pater Flavian.
Der Vorstand (v.l.): Irmgard Hefter (Vorsitzende), Alexandra Mooser, Angelika Roglmeier, Elisabeth Pfleger, Margit Gruber, Margit Zach, Anneliese Andert und Adelheid Naßl. Mit auf dem Bild: Präses Pater Flavian. © Marien-Verein Schöngeising

Irmgard Hefter öffnet seit 2011 ihren Garten für die Vorbereitungen. Sie hat zusammengerechnet, dass seitdem mehr als 750 Kräuterbuschen gebunden wurden. Die Spenden kommen karitativen Einrichtungen zugute. Die Aktion verbindet die wichtigsten Vereinszwecke – den Glauben weitergeben, marianische Traditionen pflegen und Gutes tun.

Aktiv ist der Verein das ganze Jahr über, doch eine besondere Bedeutung hat der Marienmonat Mai. Dann werden alljährlich Andachten unter freiem Himmel gefeiert. Die Kapelle in der Rothschwaig, der Zellhof, die Lourdes-Grotte am Senserweg oder Kreuze im öffentlichen Raum sind beliebte Ziele. „Bei sehr schlechtem Wetter haben wir auch schon Andachten in geschmückten Carports oder Garagen gefeiert“, erzählt die Vorsitzende. Auch das könne durchaus seinen Reiz haben. „Aber am schönsten ist die Stimmung in der Natur.“

Zum 90. Geburtstag bekam der Verein von der Gemeinde Schöngeising eine Kerze.
Zum 90. Geburtstag bekam der Verein von der Gemeinde Schöngeising eine Kerze. © Marien-Verein Schöngeising

In der Adventszeit pflegt der Marien-Verein den alten Brauch des Frauentragens. In Anlehnung an die Herbergssuche von Maria und Josef wird eine Marienstatue von Haus zu Haus getragen und findet – in Verbindung mit einer Andacht – für kurze Zeit Herberge bei immer neuen Familien. Interessenten müssen sich vorab in eine Liste eintragen. Manchmal sind es mehr, als die Adventszeit Tage hat.

Spenden sammelt der Marien-Verein das ganze Jahr über. Seit 1990 hat er mit fast 50 000 Euro Hilfsprojekte für Kinder, Jugendliche und Obdachlose, das Frauenhaus in Fürstenfeldbruck, die Brucker Tafel und viele weitere soziale Anliegen im In- und Ausland unterstützt.

An Maria Himmelfahrt werden die bunten Sträuße in der Heilig-Kreuz-Kirche in Holzhausen geweiht. Gegen eine Spende kann man sie dann erwerben.
An Maria Himmelfahrt werden die bunten Sträuße in der Heilig-Kreuz-Kirche in Holzhausen geweiht. Gegen eine Spende kann man sie dann erwerben. © Marien-Verein Schöngeising

Im Februar 1932 gegründet, feierte der Marien-Verein heuer sein 90-jähriges Bestehen. Um Hilfe für die Mitmenschen ging es von Anfang an, denn die Zeiten waren schlecht. Den Schöngeisingerinnen – der Verein ist katholischen Frauen vorbehalten – ging es um Zusammenhalt.

Durchgängige Aufzeichnungen aus den ersten 50 Jahren sind nicht erhalten. Aus mündlichen Erzählungen weiß man jedoch, dass es Gebetsstunden, Rosenkranz- und Maiandachten, Ausflüge, Filmvorführungen und einen Nähkurs gab.

Als 1983 Gerda Osetzky das Ruder übernahm, dümpelte der Verein allerdings nur noch vor sich hin. Gemeinsam mit dem damaligen Pfarrer Johann Feigl gelang der heutigen Ehrenvorsitzenden die Wiederbelebung. Die Satzung wurde überarbeitet, es gab wieder mehr Aktivitäten. „1988 wurde unser schönes Marienbanner angeschafft“, erzählt Irmgard Hefter. Zum 65. Gründungsjubiläum 1997 kam eine leichtere Tragefahne hinzu – und eine schöne handgeschnitzte Madonna, ein Geschenk der übrigen Ortsvereine.

Diese Madonna wandert beim Frauentragen von Haus zu Haus.
Diese Madonna wandert beim Frauentragen von Haus zu Haus. © Marien-Verein Schöngeising

Heute hat der Marien-Verein 110 Mitglieder im Alter zwischen 34 und 100 Jahren. Manche sind aus alter Familientradition beigetreten, andere kamen dazu, weil ihnen das Gebet zur Mutter Gottes in schwierigen Situationen geholfen hat. Niemand fragt nach dem genauen Grund – auch Irmgard Helfer behält den ihren für sich. Nur soviel: Sie habe sich 2005 als Dank an Maria zum Beitritt entschlossen. Zufälligerweise landete die heute 66-Jährige bei ihrem ersten Besuch einer Vereinsveranstaltung gleich in der Jahreshauptversammlung. Am Ende des Abends war sie zur Beisitzerin gewählt worden.

2008 übernahm sie den Vorsitz – „und ich mache das sehr, sehr gerne“. Maria ist für die ehemalige Justizbeamtin nicht so sehr die ferne Heilige, sondern eine Frau aus dem Volk, die Gefährtin, Ehefrau, Mutter, Freundin war und Schweres durchgemacht hat. „Sie würde auch in unsere heutige Zeit passen.“

Die Serie: In der neuen Serie „Der besondere Verein“ werden Vereine (auch Organisationen und lose Gruppen) vorgestellt, die ein Alleinstellungsmerkmal in ihrem Ort oder im Landkreis Fürstenfeldbruck haben.

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