Allein auf weiter Flur: Tom Braumiller mit einer Decke auf der Amperwiese in Schöngeising. Dort hätte der Picknick-Rave stattfinden sollen – eine abgespeckte Form des beliebten Starkstrom-Festivals. Der Mast im Hintergrund ist eine Holzskulptur und Teil der Festivals.
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Allein auf weiter Flur: Tom Braumiller mit einer Decke auf der Amperwiese in Schöngeising. Dort hätte der Picknick-Rave stattfinden sollen – eine abgespeckte Form des beliebten Starkstrom-Festivals. Der Mast im Hintergrund ist eine Holzskulptur und Teil der Festivals.

Picknickdecken ersetzen keine Stuhlreihen

Beliebtes Festival scheitert an Corona-Auflagen: „Starkstrom und Sitzreihen – das ist nicht vorstellbar“

  • Eva Strauß
    VonEva Strauß
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Nach einem Jahr Corona-Pause wollte Veranstalter Tom Braumiller heuer wieder zum Starkstrom-Festival einladen. Doch dann sagte er alles ab – wegen zu strenger Auflagen der Behörden.

Schöngeising – Bis zu 1500 Besucher pilgern jährlich nach Schöngeising, um auf der Amperwiese beim Unter‘n Wirt zu elektronischer Musik zu feiern. 2020 war das wegen Corona nicht möglich. Das Starkstrom-Festival musste ausfallen. Als Ersatz gab es einen Livestream.

Heuer sollte das beliebte Festival wieder steigen – in abgespeckter Form, wie Veranstalter Tom Braumiller erklärt. Ihm schwebte ein Picknick-Rave vor. Als Rave bezeichnet man eine Tanzveranstaltung, auf der elektronische Musik gespielt wird. Auf der Amperwiese sollten dazu Picknick-Decken verteilt werden. Die Planung war maximal zehn Personen auf fünf Picknickdecken zu platzieren, um eben den nötigen Platzbedarf und die Rückverfolgung zu gewährleisten So hätte man abgetrennte Areale geschaffen.

Starkstrom-Festival in Schöngeising: „Wir wissen, wie man sicher feiert“

Um Kontakte zu reduzieren, habe man sich überlegt, einen Shuttle-Service auf die Beine zu stellen, der Getränke und Speisen zu den Besuchern bringt, so der Veranstalter. Zwischen 300 und 500 Gäste waren geplant. Anders als üblich wäre mit Anbruch der Dunkelheit Schluss gewesen. Steigen sollte der Picknick-Rave am 4. September.

„Wir haben uns lange Gedanken gemacht“, sagt Braumiller. „Und wir wissen, wie man sicher feiert.“ Schließlich veranstalte er das Festival bereits seit etlichen Jahren. Sämtliche Auflagen seien immer bereits im Vorfeld erfüllt worden.

Starkstrom-Festival in Schöngeising: Picknickdecken sind kein fester Sitzplatz

Doch das Landratsamt machte Braumiller einen Strich durch die Rechnung – wegen der Anzahl der Besucher und den Picknick-Decken. Wie die Kreisbehörde dem Tagblatt erklärte, setze sie nur die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung um. Es handle sich nicht um Auflagen des Landratsamtes. So seien kulturelle Veranstaltungen bis zu 1500 Besuchern erlaubt – inklusive Geimpfte und Genesene. Von den 1500 Besuchern dürfen höchstens 200 stehend mit einem Mindestabstand von 1,50 Meter zugelassen werden. Alle Personen, die über die 200 hinausgehen, müssen einen festen Sitzplatz haben. „Teilen sich zehn Personen eine Picknick-Decke, so ist dies nicht als fester Sitzplatz anzusehen“, heißt es weiter.

Starkstrom-Festival in Schöngeising: „Es gab keine Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten“

Nur 200 Besucher wären kaum wirtschaftlich gewesen, so Braumiller. Die Tickets teurer machen wollte er nicht. Weitaus schwerer wog für ihn das Einhalten des Mindestabstandes. „Das geht nicht.“ Wie solle er garantieren, dass der eingehalten wird? Da brauche nur einer ein Drohnenbild machen, auf dem Leute zu nah zusammenstehen. „Lass mal was passieren, dann bin ich dran.“ Die Besucher auf Stühlen unterzubringen, war für ihn keine Option. „Starkstrom und Sitzreihen – das ist nicht vorstellbar.“ Es brauche bei elektronischer Musik ein Miteinander, „dass zumindest eine gewisse Art von Festival möglich ist“.

Vom Landratsamt ist er enttäuscht. „Es gab keine Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten, so wie in anderen Landkreisen.“ Er hofft nun auf kommendes Jahr. Die bereits gekauften Tickets von 2020 und 2021 behalten ihre Gültigkeit.

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